Indien setzt Maschinen-Zertifizierung auf unbestimmte Zeit aus
06.01.2026 - 11:15:12Die indische Regierung hat die verbindliche Einführung der BIS-Zertifizierung für Industrieanlagen ausgesetzt. Deutsche Exporteure gewinnen Planungssicherheit, müssen aber mit einer späteren Umsetzung rechnen.
Indiens Regierung stoppt die umstrittene BIS-Pflichtzertifizierung für Industrieanlagen – eine Atempause für deutsche Exporteure.
Die indische Regierung hat die umstrittene Pflicht zur BIS-Zertifizierung für Maschinen und Elektrogeräte auf unbestimmte Zeit verschoben. Das Ministerium für Schwerindustrie (MHI) hob Anfang Januar 2026 die verbindliche Frist zum 1. September 2026 auf. Diese Entscheidung bringt deutschen und europäischen Maschinenbauern dringend benötigte Planungssicherheit in einem Schlüsselmarkt.
Was „Scheme X“ für Exporteure bedeutet
Betroffen ist die „Machinery and Electrical Equipment Safety Order, 2024“, im Fachjargon Scheme X genannt. Die Verordnung sollte ursprünglich im August 2025 in Kraft treten, wurde nach Industrie-Protesten auf September 2026 verschoben und ist nun komplett ausgesetzt. Für Produkte der Zolltarifnummern 84 und 85 – darunter Industrieanlagen, Kompressoren, Pumpen und elektrische Baugruppen – gibt es aktuell kein verbindliches Datum mehr für eine BIS-Lizenz.
Die Regelung selbst ist nicht aufgehoben, doch ohne Stichtag liegt der Vollzug auf Eis. Das „Omnibus Technical Regulation“-Projekt sollte indische Sicherheitsstandards international angleichen. Doch der Start scheiterte an praktischen Hürden.
Bei Scheme X werden Produkte der Zolltarifnummern 84 und 85 explizit genannt – und schon kleine Fehler bei der Warentarifierung können zu teuren Verzögerungen, Nachforderungen oder Sanktionen führen. Unser kostenloser Leitfaden erklärt Schritt für Schritt, wie Sie die richtige Zolltarifnummer finden, Warengruppen korrekt zuordnen und typische Fehler vermeiden. Enthalten sind Praxisbeispiele zu HS-Codes 84/85 – ideal für Exportverantwortliche im Maschinenbau. Jetzt Zolltarifnummern prüfen
Drei Gründe für den Stopp
Warum konnte Indien die Zertifizierung nicht wie geplant umsetzen?
Fehlende Test-Infrastruktur: BIS-akkreditierte Labore haben schlicht nicht die Kapazität, spezielle Industrieanlagen zu prüfen. Die Vorgabe, Tests im Land durchführen zu müssen, stellte für Hersteller komplexer Großmaschinen eine kaum überwindbare Barriere dar.
Unklare Standards: Viele produktspezifische Sicherheitsnormen („Type C“) sind weder finalisiert noch mit internationalen ISO/IEC-Standards harmonisiert. Unternehmen sollten also Produkte nach nicht-existierenden Normen zertifizieren.
Administrative Überlastung: Das Bureau of Indian Standards (BIS), traditionell für Konsumgüter zuständig, war mit der komplexen Maschinenbau-Branche überfordert. Die Behörde benötigt mehr Zeit, um Personal zu schulen und Prozesse für die technischen Dokumentationen aufzubauen.
Entlastung für den deutschen Maschinenbau
Für die deutsche Exportindustrie kommt die Aussetzung zur rechten Zeit. Verbände wie der VDMA und zahlreiche IHKs hatten lange gewarnt: Eine überstürzte Einführung würde Handelsstörungen und De-facto-Importstopps bedeuten.
Besonders für mittelständische Unternehmen (KMU) ist die Entscheidung ein Segen. Die Kosten für Zertifizierung, Werksinspektionen und umfangreiche Dokumentation stellten eine erhebliche Markteintrittshürde dar. Jetzt können sie ihre Geschäfte in dem Wachstumsmarkt vorerst ohne dieses Damoklesschwert fortsetzen.
Doch Vorsicht ist geboten. Experten betonen: Dies ist eine Pause, keine Absage. Das politische Ziel der indischen Regierung bleibt bestehen. Die Quality Control Orders (QCOs) sind ein Kerninstrument der „Make in India“-Initiative, um minderwertige Importe zurückzudrängen und heimische Produktionsstandards zu heben.
Ausblick: Wann kommt die Zertifizierung wirklich?
Der Druck ist vorerst vom Kessel, doch Unternehmen sollten ihre Vorbereitungen nicht komplett einstellen. Die Aussetzung dient offenbar als strategischer Reset, um die strukturellen Mängel des Systems zu beheben.
Zeitplan-Erwartungen:
* 2026: Dieses Jahr wird voraussichtlich für Konsultationen mit der Industrie und den Ausbau der Testlabore genutzt. Ein neuer Stichtag wird nicht plötzlich verkündet.
* 2027 und später: Beobachter rechnen erst mit einem neuen, realistischen Zeitplan, wenn die technischen Standards harmonisiert sind. Eine gestaffelte Einführung, beginnend mit einfacheren Geräten, erscheint wahrscheinlich.
Zertifizierungsstellen raten Herstellern, die gewonnene Zeit zu nutzen: Produktportfolios sollten anhand der Entwürfe indischer Standards überprüft werden. Firmen, die den Prozess bereits angestoßen haben – besonders mit lokaler Produktion in Indien –, sollten ihn freiwillig fortsetzen. Eine BIS-Zertifizierung kann im indischen Markt auch als Qualitätsmerkmal dienen.
Für die kommende Geschäftsplanung gilt: Die unmittelbare Gefahr eines Marktzugangsverlusts 2026 ist gebannt. Exporteure agieren nun mit mehr Sicherheit, müssen aber wachsam auf offizielle Bekanntmachungen achten. Die letzte Entscheidung über Scheme X ist noch nicht gefallen.
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