Immobilienweisen, Wohnungsbau

Immobilienweisen: Wohnungsbau steckt in struktureller Krise

16.02.2026 - 08:21:12

Experten erwarten für 2026 einen Tiefpunkt mit nur rund 215.000 neuen Wohnungen bei einem Bedarf von über 257.000. Hohe Kosten und Zinsen blockieren Investitionen und treiben die Preise.

Deutschlands Neubausektor wird 2026 weit weniger Wohnungen fertigstellen als nötig. Das zeigt das aktuelle Frühjahrsgutachten des Rates der Immobilienweisen. Die Experten prognostizieren eine Versorgungslücke von über 40.000 Wohneinheiten und sehen keine schnelle Besserung.

Das Gutachten, im Auftrag des Zentralen Immobilien Ausschusses (ZIA) erstellt, erwartet für dieses Jahr nur rund 215.000 fertiggestellte Wohnungen. Der geschätzte Bedarf liegt jedoch bei über 257.000. Eine spürbare Erholung mit steigenden Zahlen wird frühestens für 2027 erwartet.

Prognosen: Tiefpunkt 2026 mit nur 185.000 Wohnungen?

Die Zahlen anderer Institute sind sogar noch düsterer. Das europäische Forschungsnetzwerk Euroconstruct, dem das ifo-Institut angehört, rechnet für 2026 mit einem Tiefpunkt von nur 185.000 Einheiten. Für 2027 prognostiziert es einen leichten Anstieg auf 205.000.

Beide Prognosen liegen damit meilenweit vom ursprünglichen Regierungsziel von 400.000 neuen Wohnungen pro Jahr entfernt. Die Stimmung in der Branche bleibt angespannt: Fast die Hälfte der Unternehmen klagt über Auftragsmangel.

Hohe Kosten und Zinsen bremsen Investoren aus

Die Immobilienweisen sprechen von einer strukturellen Krise. Die Ursachen sind vielschichtig:
* Anhaltend hohe Baukosten
* Gestiegene Finanzierungszinsen
* Hohe regulatorische Dichte

Diese Faktoren führen dazu, dass sich viele Projekte für Entwickler nicht mehr rechnen. Die Bruttowertschöpfung der Bauwirtschaft liegt aktuell etwa 25 Prozent unter dem Niveau von 2022. Die Folge: Zahlreiche bereits genehmigte Bauvorhaben wurden in den letzten Monaten storniert.

„Bau-Turbo“ der Regierung: Gut gemeint, aber zu wenig?

Die Bundesregierung hat mit Programmen wie dem „Bau-Turbo“ reagiert, um Planungsverfahren zu beschleunigen. Aus Expertensicht sind diese Schritte jedoch bei Weitem nicht ausreichend.

Das Gutachten bezeichnet die Maßnahmen als „inkrementelle Anpassungen“ statt des benötigten „grundlegenden Strukturbruchs“. Der „Bau-Turbo“ weise in die richtige Richtung, sei aber kein „Gamechanger“. Die Branche fordert weitergehende Reformen, etwa eine Senkung der Baukosten durch überarbeitete Standards.

Mieter und Käufer spüren die Krise direkt

Die knappe Neubau-Produktion trifft auf unverändert hohe Nachfrage, besonders in Ballungsräumen. Das treibt Mieten und Kaufpreise für Bestandsimmobilien weiter in die Höhe. Für viele Familien rückt der Traum vom Eigenheim in weite Ferne.

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Die Analyse der Immobilienweisen macht deutlich: Es braucht eine umfassende Strategie, die bei den Kosten ansetzt. Dazu gehören der Abbau von Bürokratie, schnellere Baulandausweisungen und eine kritische Überprüfung kostentreibender Baustandards.

Wann kommt die Trendwende?

Der Ausblick bleibt verhalten. 2026 wird voraussichtlich ein weiteres schwieriges Jahr für den Wohnungsbau. Zwar werden in Städten wie Frankfurt oder Berlin weiterhin prestigeträchtige Großprojekte fertiggestellt – diese wurden jedoch vor der Zinswende geplant.

Sie können die Lücke im bezahlbaren Wohnraum nicht schließen. Ob Politik und Wirtschaft die strukturellen Hürden überwinden können, wird nicht nur über die Gesundheit der Bauwirtschaft, sondern auch über den sozialen Frieden in den Städten entscheiden.

@ boerse-global.de

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