IKEA, Regensburg

IKEA Regensburg: Zermürbungskampf gegen Betriebsrat spitzt sich zu

20.01.2026 - 18:34:12

IKEA steht in Regensburg im Verdacht, einen Betriebsrat durch langwierige Rechtsstreitigkeiten zu zermürben. Die Politik kritisiert die Vorgehensweise scharf.

Der schwedische Möbelkonzern IKEA steht in Regensburg im Verdacht, einen engagierten Betriebsrat systematisch mit juristischen Mitteln mürbe machen zu wollen. Während ein zentrales Kündigungsschutzverfahren vor dem Landesarbeitsgericht ansteht, belasten neue Streitigkeiten um Hunderte Arbeitsstunden das Verhältnis. Die Politik schaltet sich scharf kritisch ein.

Neue Front im Dauerstreit: Kampf um 360 Arbeitsstunden

Nicht einmal 33 Euro für Mahlzeiten waren der Auslöser – jetzt geht es um weit mehr. In einer neuen Verhandlung am Arbeitsgericht Regensburg Mitte Januar lehnte IKEA einen Vergleichsvorschlag des Richters ab. Es ging um die Anerkennung von rund 360 Arbeitsstunden des freigestellten Betriebsrats Ludwig Doblinger. Die vom Unternehmen beauftragten Anwälte zeigten laut Prozessbeobachtern keinerlei Kompromissbereitschaft. Für Kritiker ist das ein klares Indiz: Hier soll nicht geklärt, sondern gezermürbt werden. Die Frage, wie die Tätigkeit eines Betriebsrats korrekt dokumentiert wird, bleibt damit weiter ungelöst und Gegenstand mehrerer Verfahren.

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Vom Spesenstreit zum Grundsatzkonflikt

Der Konflikt brodelt seit 2024. Damals versuchte IKEA, dem langjährigen Mitarbeiter Doblinger fristlos zu kündigen – wegen angeblichen „Spesenbetrugs“ in Höhe von 33 Euro. Das Arbeitsgericht Regensburg wies diese Klage im Juli 2025 jedoch vollständig ab. Die Vorwürfe seien haltlos, die gesetzlichen Fristen nicht eingehalten, urteilten die Richter. Ein grober Pflichtverstoß liege nicht vor. Doch IKEA gab nicht auf und legte Berufung ein. Die nächste Runde in diesem Kernverfahren findet im Februar vor dem Landesarbeitsgericht München statt.

Politik schlägt Alarm: „Abschreckungswirkung“ befürchtet

Das beharrliche Vorgehen des Konzerns hat nun die Lokalpolitik auf den Plan gerufen. Der SPD-Stadtverband Regensburg verurteilte die Strategie scharf. „Der Eindruck entsteht, IKEA setze nicht auf Klärung, sondern auf Zermürbung“, so die stellvertretende Vorsitzende Anna Gmeiner. Die Sorge: Solche Maßnahmen könnten eine abschreckende Wirkung auf die betriebliche Mitbestimmung insgesamt haben. Die Kritik verleiht dem Arbeitskampf eine neue, gesellschaftliche Dimension und rückt die Unternehmenskultur des Global Players in ein fragwürdiges Licht.

Ein Musterfall für „Union Busting“?

Gewerkschaften sehen in dem Fall ein Lehrstück für sogenanntes Union Busting. Dabei versuchen Unternehmen gezielt, die Arbeit von Betriebsräten zu behindern und aktive Mitglieder einzuschüchtern. Obwohl die Vorwürfe in erster Instanz scheiterten, belastet der mehrjährige Rechtsstreit den Betriebsrat enorm. Experten deuten das beharrliche Vorgehen IKEAs trotz des klaren Urteils als Versuch, ein Exempel zu statuieren. Sollte sich diese Taktik durchsetzen, wäre ein wichtiger Pfeiler der deutschen Mitbestimmung in Gefahr.

Was kommt als Nächstes?

Alles hängt nun am Urteil des Landesarbeitsgerichts München im Februar. Wird es die Kündigung für rechtmäßig erklären oder IKEAs Berufung zurückweisen? Parallel laufen die Verfahren um die Arbeitszeiten weiter. Für Ludwig Doblinger bedeutet das eine Fortsetzung des zermürbenden Kampfes. Der Ausgang wird Signalwirkung haben – nicht nur für Regensburg, sondern für die Arbeitsbeziehungen im gesamten deutschen Einzelhandel. Bleibt die Mitbestimmung stark, oder setzt sich die Macht des Konzerns durch?

@ boerse-global.de