IHK, Datenschutz-Zertifizierung

IHK startet neue Datenschutz-Zertifizierung mit Fokus auf KI

10.01.2026 - 15:16:12

Die deutschen Industrie- und Handelskammern aktualisieren ihre Ausbildungsprogramme, um auf die EU-KI-Verordnung und NIS-2 zu reagieren. Das bundesweit einheitliche Zertifikat vermittelt praxisnahe Kompetenzen für Unternehmen.

Die deutschen Industrie- und Handelskammern starten eine neue Zertifizierungsoffensive für Datenschutz- und Compliance-Beauftragte. Das aktualisierte Programm reagiert auf die verschärfte EU-Regulierung durch die NIS-2-Richtlinie und den KI-Akt.

Ab dieser Woche rollen die IHKs ihr bundesweit einheitliches Zertifizierungsprogramm für das Jahr 2026 aus. Die ersten Kurse beginnen bereits am 12. Januar in ausgewählten Regionen. Kern der Neuerung ist die Integration der EU-KI-Verordnung und der NIS-2-Richtlinie in die Standardausbildung. Damit reagieren die Kammern auf den wachsenden Druck, den die digitale Gesetzgebung der EU auf deutsche Unternehmen ausübt.

„Die Anforderungen an Datenschutzbeauftragte gehen heute weit über die DSGVO hinaus“, heißt es aus Branchenkreisen. Die aktualisierten Lehrpläne für die Zertifikate „Operativer Datenschutzbeauftragter (IHK)“ und „Compliance Officer (IHK)“ verbinden nun rechtliches Wissen mit IT-Sicherheitskompetenz. Ein Schwerpunkt liegt auf der praktischen Umsetzung: Wie führen Unternehmen Datenschutz-Folgenabschätzungen für KI-Systeme durch? Wie etablieren sie Kontrollsysteme, die den dokumentationsintensiven Vorgaben von 2026 standhalten?

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DIHK warnt vor regulatorischer Überlastung

Der Start des Zertifizierungsprogramms fällt in eine Phase, in der der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) selbst die wachsende Bürokratielast anprangert. In einer Stellungnahme zur EU-Konsultation über „Digitale Fairness“ vom 7. Januar 2026 warnte der DIHK vor „Doppelregulierung“ und Rechtsunsicherheit, besonders für den Mittelstand.

Genau hier setzt die IHK-Initiative an. Sie soll qualifiziertes Personal hervorbringen, das in der Lage ist, die sich überlagernden Pflichten effizient zu managen. Die Nachfrage nach den aktualisierten Qualifikationen ist hoch: Die Kursplätze für das erste Quartal 2026 sind regional bereits stark nachgefragt. Treiber ist die Erkenntnis, dass die Nichteinhaltung neuer Gesetze wie NIS-2 zu persönlicher Haftung des Managements führen kann – ein Risiko, das zertifizierte Beauftragte minimieren helfen.

Praxiskompetenz statt Theorie: Neue Schwerpunkte für 2026

Ein Kernziel der überarbeiteten Standards ist die stärkere Praxisorientierung. Die Zertifizierung soll nicht mehr nur rechtliches Grundwissen vermitteln, sondern operative Handlungsfähigkeit. Dazu gehören konkret:
* Management von Datenschutzverletzungen und Behördenanfragen.
* Interdisziplinäre Skills, die IT-Sicherheit und Recht verbinden.
* Kontinuierliche Aktualisierung des Wissensstands angesichts schneller Gesetzesänderungen.

Der bundesweit einheitliche „DIHK-Rahmenplan“ stellt sicher, dass das „IHK-Zertifikat“ in ganz Deutschland anerkannt ist. Diese Standardisierung gibt Unternehmen Planungssicherheit bei der Besetzung dieser Schlüsselposition.

Zertifizierung als Schutzschild gegen Bußgelder

Für Unternehmen kommt die Aktualisierung der Ausbildung zum richtigen Zeitpunkt. Die Aufsichtsbehörden verhängen zunehmend empfindliche Bußgelder für strukturelle Compliance-Mängel. Die Integration der Cybersicherheit in die Datenschutzausbildung spiegelt die Realität wider: Die meisten Datenschutzvorfälle sind heute Sicherheitsvorfälle.

Rechtsexperten sehen in einer IHK-zertifizierten Fachkraft nach 2026-Standard einen wichtigen Baustein der Verteidigungsstrategie. Sie belegt den Willen zum „Stand der Technik“ in der Compliance – ein mildernder Faktor bei behördlichen Untersuchungen. Gleichzeitig wandelt sich die Rolle des Datenschutzbeauftragten vom Bremsklotz zum Ermöglicher: Die Integration von KI-Governance in den Standardlehrplan gibt Unternehmen die rechtliche Sicherheit, Innovationen wie generative KI-Tools überhaupt einzusetzen.

Ausblick: Spezialisierung und „grüne“ Compliance

Die ersten Teilnehmer der 2026er-Kohorte beginnen in diesen Tagen ihre Ausbildung. Die IHKs planen, im Laufe des Jahres spezialisierte Aufbaumodule anzubieten. Themen wie die Umsetzung des Data Act oder „Green Data Compliance“ im Kontext von ESG-Berichtspflichten stehen bereits auf der Agenda.

Der erfolgreiche Start der Zertifizierungen wird zum Lackmustest für Deutschlands Fähigkeit, seine Fachkräfte im Wettlauf mit der EU-Gesetzgebung fit zu halten. Mit den ersten Prüfungen im späten Winter betritt eine neue Generation von Compliance-Professionals die Bühne – gerüstet für die Herausforderungen des regulatorischen Zeitalters nach 2025.

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