IG Metall lehnt Nullrunde in Holz- und Kunststoffbranche ab
05.01.2026 - 03:13:12Die Fronten sind verhärtet, als die Betriebe nach den Feiertagen die Produktion wieder hochfahren. Seit dem Auslaufen der Friedenspflicht in den meisten Tarifgebieten Mitte Dezember 2025 steht der Weg für Arbeitskampfmaßnahmen frei. Der Auslöser ist ein Angebot der Arbeitgeberverbände, das für das gesamte Jahr 2026 eine Nullrunde bei den Tabellenentgelten vorsieht. Für die rund 166.000 Beschäftigten der Branche wäre das ein realer Lohnverlust. Die IG Metall hat das Angebot umgehend zurückgewiesen und bereitet nun flächendeckende Warnstreiks vor.
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„Nullrunde“ bis 2027: Das umstrittene Angebot
Das aktuelle Angebot der Arbeitgeber sieht eine Laufzeit von 29 Monaten bis April 2028 vor. Der Kern des Konflikts: Eine erste dauerhafte Lohnerhöhung wäre frühestens 2027 fällig. Für 2026 ist lediglich von möglichen einmaligen Zahlungen die Rede, die zudem vom Einzelerfolg der Betriebe abhängen könnten.
Für die Gewerkschaft ist dieser Vorschlag inakzeptabel. Einmalzahlungen erhöhen nicht die Entgeltgrundlage und können den langfristigen Kaufkraftverlust nicht ausgleichen. Die IG Metall fordert dagegen eine Lohnerhöhung von fünf Prozent sowie überproportionale Steigerungen für Auszubildende. Die Arbeitgeber rechtfertigen ihre harte Linie mit einer schwierigen Konjunktur, sinkenden Umsätzen im bauseitigen Geschäft und internationalem Wettbewerbsdruck.
Reallohnverlust versus „Krisenrhetorik“
Doch die Gewerkschaft zieht eine andere Bilanz. Ihre Analyse zeigt eine wachsende Schere zwischen Löhnen und Preisen: Seit Anfang 2022 sind die Verbraucherpreise um etwa 17,4 Prozent gestiegen, die Löhne in der Branche aber nur um rund 12,9 Prozent. Das ergibt eine Reallohnlücke von fast fünf Prozentpunkten.
Interne Umfragen der IG Metall aus dem Spätherbst 2025 verstärken diesen Eindruck. Demnach schätzen etwa 75 Prozent der Betriebsräte und Beschäftigten die Auftrags- und Ertragslage ihres Unternehmens als „gut“ oder „stabil“ ein. Diese Diskrepanz nährt den Verdacht, dass die „Krisenrhetorik“ der Arbeitgeber taktisch eingesetzt wird, um Lohnzurückhaltung zu erzwingen.
Warnstreiks rollen an – regional unterschiedlich
Die Friedenspflicht ist in den wichtigsten Tarifgebieten wie Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Bayern bereits am 13. Dezember 2025 ausgelaufen. Die Gewerkschaft nutzt dies für eine koordinierte Streikwelle, um vor der nächsten Verhandlungsrunde Druck aufzubauen.
- West- und Süddeutschland: Hier können Warnstreiks sofort beginnen. In Niedersachsen und Baden-Württemberg werden bereits Streiks für die kommenden Tage organisiert, um die Produktion gleich zu Jahresbeginn zu treffen.
- Hamburg und Sachsen: In Hamburg lief die Friedenspflicht zum 1. Januar 2026 aus. In Sachsen hingegen gilt sie noch bis zum 1. Februar 2026. Beschäftigte dort könnten also erst später in den Arbeitskampf einsteigen.
Gewerkschafter wie Markus Wente (IG Metall Niedersachsen) machen deutlich: Die Weigerung der Arbeitgeber, eine prozentuale Erhöhung für 2026 anzubieten, lasse ihnen keine andere Wahl, als den Konflikt an die Werkstore zu tragen.
Vorbild für 2026? Ein Branchenkonflikt mit Signalwirkung
Arbeitsrechtsexperten sehen in diesem Tarifstreit ein mögliches Vorbild für andere Branchen. Das aggressive Beharren auf einer Nullrunde markiert einen Strategiewechsel der Arbeitgeber. Nach den inflationsbedingten Abschlüssen der Vorjahre setzen sie nun wieder strikt auf Kostendämpfung.
Sollte sich die Nullrunde in der Holz- und Kunststoffindustrie durchsetzen, könnte dies Schule machen. Ein erfolgreicher Streik der IG Metall dagegen würde andere Gewerkschaften ermutigen, ähnliche Sparforderungen abzuwehren. Die nächste Verhandlungsrunde um den 19. Januar 2026 herum wird richtungsweisend sein. Bleiben die Arbeitgeber hart, droht die Eskalation zu ganztägigen oder unbefristeten Streiks. Für die Betriebe heißt das: Sie müssen sich auf unruhige Wochen und einen langen Atem einstellen.
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