Ifo-Studie, Arbeitsalltag

Ifo-Studie: KI bleibt im deutschen Arbeitsalltag die Ausnahme

05.01.2026 - 19:31:11

Nur 20 Prozent der Beschäftigten nutzen KI regelmäßig, obwohl zwei Drittel sie testeten. Die hohe Schatten-Nutzung offenbart ein massives Umsetzungsproblem für die Wettbewerbsfähigkeit.

Nur jeder fünfte Beschäftigte nutzt KI regelmäßig im Job – obwohl zwei Drittel die Technologie bereits ausprobiert haben. Das zeigt eine neue Studie des Ifo-Instituts, die am Montag veröffentlicht wurde. Die Kluft zwischen Neugier und Routine offenbart ein massives Umsetzungsproblem in der deutschen Wirtschaft.

Experimentierphase statt Produktivitätsturbo

Die Zahlen des Münchner Wirtschaftsforschungsinstituts zeichnen ein klares Bild: Deutschland befindet sich in einer experimentellen Phase mit künstlicher Intelligenz. Zwar haben 64 Prozent der Arbeitnehmer KI-Anwendungen mindestens einmal getestet. Doch nur 20 Prozent setzen sie täglich ein.

„Die Technologie wird oft noch als Spielerei behandelt, nicht als Kernwerkzeug“, analysieren die Forscher. Der anfängliche „Wow-Effekt“ generativer KI ist zwar in der Breite der Belegschaften angekommen. Der Schritt zur wertschöpfenden Routineanwendung stockt jedoch.

Für die deutsche Wettbewerbsfähigkeit ist das ein alarmierendes Signal. Bleibt die Nutzungsquote so niedrig, drohen die von Ökonomen prognostizierten Effizienzgewinne auf der Makroebene auszubleiben.

Schatten-IT: Mitarbeiter gehen in Eigenregie

Besorgniserregend für IT- und Compliance-Abteilungen: Zwei Drittel aller KI-Anwendungen werden von Mitarbeitern eigeninitiativ genutzt – ohne offizielle Einführung oder Freigabe durch den Arbeitgeber. Nur in jedem dritten Fall hat das Unternehmen das Tool formal eingeführt.

„Die Belegschaft erkennt das Potenzial der KI schneller, als die Organisationen genehmigte Lösungen bereitstellen können“, erklärt Ifo-Experte Oliver Schlenker. Diese Graswurzel-Bewegung birgt erhebliche Risiken.

Nutzen Beschäftigte private Accounts oder nicht geprüfte öffentliche Tools, können sie unwissentlich sensible Unternehmensdaten preisgeben. Datenschutzverstöße nach DSGVO oder Verletzungen von Urheberrechten sind wahrscheinlich. Die hohe Schatten-Nutzung ist laut Studie ein Symptom unternehmerischer Trägheit.

Text-Bastelei statt Prozess-Revolution

Die Studie zeigt auch, wie KI genutzt wird – und das ist wenig tiefgreifend. Die meisten regelmäßigen Nutzer beschränken sich auf einfache Text-Tools. E-Mails entwerfen oder Dokumente zusammenfassen mit großen Sprachmodellen sind typische Anwendungen.

Komplexe Unternehmenslösungen hingegen erreichen die Breite der Belegschaft nicht. KI, die Lieferketten optimiert, Finanzanalysen automatisiert oder vorausschauende Wartung in der Fertigung steuert, bleibt die Ausnahme.

„Echte B2B-Integration, bei der KI in Kernprozesse eingebettet ist, ist noch selten“, so die Forscher. Deutsche Unternehmen verharren im „Copilot“-Modell. Die produktiveren „agentischen“ Systeme, die eigenständig komplexe Arbeitsabläufe steuern, sind kaum verbreitet.

Strategische Illusionen der Chefetagen

Die Ifo-Daten stellen optimistische Branchenberichte infrage. Ende Dezember 2025 meldete der Digitalverband Bitkom noch einen „Durchbruch“: 36 Prozent der Unternehmen gaben an, KI zu nutzen. Die Realität in den Belegschaften sieht anders aus.

Diese Diskrepanz offenbart ein strategisches Missverständnis. Das Management mag glauben, fortschrittlich zu sein, weil Lizenzen gekauft oder Pilotprojekte gestartet wurden. Doch die Praxis sieht anders aus.

Die Schatten-KI-Statistik bedeutet: Selbst in Unternehmen, die offiziell keine KI nutzen, arbeiten Mitarbeiter heimlich damit. Es entsteht eine unsichtbare digitale Schicht, die das Management weder messen noch optimieren kann.

Ausblick: Der Druck zur Formalisierung steigt

Für das Jahr 2026 wächst der Druck auf deutsche Führungsetagen, die KI-Landschaft in ihren Unternehmen zu formalisieren. Das Schatten-KI-Phänomen ist langfristig wegen der Sicherheitsimplikationen nicht haltbar.

Experten rechnen im ersten und zweiten Quartal 2026 mit einer Welle neuer Richtlinien und Beschaffungsinitiativen. Ziel ist es, die „wilden“ Nutzer in eine managed Umgebung zu holen.

Die Kluft zwischen den 64 Prozent Neugierigen und den 20 Prozent Regelmäßignutzern stellt eine riesige ungenutzte Ressource dar. Mit den richtigen Schulungen und genehmigten Tools könnten Unternehmen ihre KI-fähige Belegschaft potenziell verdreifachen.

Die Herausforderung der kommenden Monate wird sein, dieses latente Interesse in strukturierte Produktivität zu überführen. Erst dann könnte Deutschland von einer experimentierenden zu einer führenden Industrie-KI-Nation werden. Bis dahin gilt: Der wahre Produktivitätsschub durch KI lässt in der breiten Arbeitswelt noch auf sich warten.

Anzeige

Seit August 2024 gelten neue EU‑Regeln für KI — viele Unternehmen riskieren Bußgelder, weil Kennzeichnungspflichten, Risikoklassen und umfassende Dokumentationsanforderungen noch nicht umgesetzt sind. Ein kostenloser Umsetzungsleitfaden erklärt praxisnah, welche Pflichten für Entwickler, Anbieter und Anwender gelten, wie Sie KI‑Systeme korrekt klassifizieren und welche Nachweise Behörden erwarten. Enthält Checklisten und Vorlagen für IT, Compliance und Datenschutzverantwortliche. Kostenlosen Leitfaden zur EU‑KI‑Verordnung herunterladen

Anzeige

Übrigens: Die geplanten Übergangsfristen und Nachweispflichten betreffen nicht nur Hersteller — auch Nutzer und IT‑Teams müssen Abläufe dokumentieren, um Schatten‑KI und ungeprüfte Tools rechtssicher zu integrieren. Holen Sie sich das kostenlose E‑Book mit klaren Schritten zur Risikoklassifizierung, Kennzeichnung und Dokumentation sowie praktischen Checklisten, damit Ihre Organisation Compliance‑Lücken schnell schließt. Ideal, um Schatten‑KI-Nutzung formal zu regeln und Mitarbeiter sicher einzubinden. Jetzt kostenloses KI‑Umsetzungs‑E‑Book anfordern

@ boerse-global.de