IAASB, KI-Leitlinien

IAASB setzt auf KI-Leitlinien statt neue Prüfungsstandards

11.02.2026 - 19:42:12

Das internationale Prüfungsgremium entwickelt Praxishilfen für KI-Anwendungen, um den raschen Technologiewandel zu bewältigen. Ein detaillierter Aktionsplan wird für März 2026 erwartet.

Das International Auditing and Assurance Standards Board (IAASB) verzichtet vorerst auf starre Regeln für Künstliche Intelligenz in der Wirtschaftsprüfung. Stattdessen entwickelt das Gremium flexible Praxishilfen – eine Reaktion auf den rasanten Technologiewandel.

Flexibler Ansatz für schnelle Technologie-Adaption

Angesichts der dynamischen Entwicklung von KI-Systemen hat sich das IAASB gegen die sofortige Schaffung neuer, verbindlicher Standards entschieden. Nach Konsultationen mit über 240 Experten setzt das Gremium nun auf nicht-autoritative Leitlinien. Diese sollen Prüfungsgesellschaften weltweit helfen, bestehende Regelwerke auf KI-Anwendungen anzuwenden.

„Der risikobasierte Ansatz der neuen Qualitätsmanagementstandards ISQM bietet bereits ein robustes Fundament“, erklärt eine IAASB-Sprecherin. Die geplanten Hilfestellungen konkretisieren nun, wie die Prinzipien auf KI-spezifische Herausforderungen übertragen werden können. Ein detaillierter Aktionsplan wird für die Vorstandssitzung im März 2026 erwartet.

Black-Box-Systeme fordern professionelle Skepsis heraus

Die Konsultationen offenbarten praktische Probleme. Wie bewertet man die Eignung komplexer KI-Systeme, deren Entscheidungswege oft intransparent bleiben? Wie dokumentiert und überwacht man laufend lernende Algorithmen?

Besonders kritisch ist die Frage der professionellen Skepsis. Die Leitlinien müssen Prüfern klare Kriterien an die Hand geben: Wann können sie sich auf KI-Ergebnisse verlassen, und wann ist manuelle Nachprüfung unerlässlich? „Die finale Verantwortung muss beim menschlichen Prüfer bleiben“, betont ein deutscher Berufspraktiker. „Das ist eine Kernfrage für das Vertrauen in jede Abschlussprüfung.“

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ISQM-Reform erweist sich als zukunftsfähig

Die Entscheidung bestätigt indirekt die jüngsten Reformen. Die 2022 eingeführten ISQM-Standards ersetzten die alten Qualitätskontrollregeln durch einen proaktiven, risikobasierten Ansatz. Genau dieser Rahmen erweist sich nun als tragfähig für neue Technologien.

Statt für jede Innovation eigene Standards zu schaffen, können KI-Risiken im bestehenden System bewertet und gemanagt werden. „Das spart Zeit und gibt den Kanzleien die nötige Flexibilität“, kommentiert eine Partnerin einer mittelständischen Prüfungsgesellschaft.

Deutsche Prüfer warten auf nationale Umsetzung

Für Deutschland beobachten das Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) und die Wirtschaftsprüferkammer (WPK) die Entwicklungen genau. Sie werden die internationalen Leitlinien voraussichtlich in nationale Verlautbarungen und die Berufspraxis überführen.

Die Branche steht vor einem Balanceakt: Sie muss die Effizienzvorteile der KI nutzen, ohne die fundamentalen Säulen der Prüfung – Qualität, Unabhängigkeit und Skepsis – zu beschädigen. Die März-Entscheidung des IAASB wird die Weichen für diesen Weg stellen.

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