Hyundai-Gewerkschaft, Roboter

Hyundai-Gewerkschaft blockiert humanoide Roboter in Werken

22.01.2026 - 19:10:12

Die Hyundai-Gewerkschaft verweigert den Einsatz humanoider Roboter ohne Vereinbarung und löst einen Grundsatzstreit über Automatisierung und Jobverluste aus.

Die mächtige Hyundai-Gewerkschaft stellt sich gegen den Einsatz humanoider Roboter auf den Werksbändern. Ohne eine formelle Vereinbarung werde kein einziger neuer Roboter die Fabrikhallen betreten, erklärte sie am Donnerstag. Diese klare Ansage markiert den Beginn eines grundsätzlichen Konflikts zwischen der Automatisierungsstrategie des Konzerns und den Ängsten der Belegschaft um ihre Arbeitsplätze.

Atlas-Roboter als Zündstoff für Arbeitskampf

Der Konflikt eskalierte nur Wochen, nachdem die Hyundai Motor Group auf der Technikmesse CES 2026 in Las Vegas den serienreifen Atlas-Roboter präsentierte. Der humanoide Roboter des Tochterunternehmens Boston Dynamics soll ab 2028 in der neuen US-Fabrik in Georgia in Serie gehen – mit einer geplanten Kapazität von 30.000 Einheiten pro Jahr. Während Investoren begeistert reagierten und die Aktie stieg, löste der Plan bei den Beschäftigten in Südkorea blankes Entsetzen aus.

Die Gewerkschaft sieht in den hoch entwickelten Maschinen eine direkte Bedrohung für menschliche Arbeitsplätze. Ihrer Ansicht nach will der Konzern mit den Robotern langfristig Lohnkosten sparen und Gewinne maximieren. „Die Kosten eines Roboters sind vor allem einmalig, die eines Menschen laufen kontinuierlich weiter“, so die Befürchtung. Zudem kritisiert die Gewerkschaft, dass über die Automatisierung und die steigenden Auslandsinvestitionen – wie das Metaplant America – einseitig entschieden werde.

Hyundais Vision einer Kollaboration

Hyundai argumentiert dagegen, der Atlas-Roboter solle vor allem repetitive, gefährliche und körperlich belastende Aufgaben übernehmen, für die sich kaum Menschen fänden. Das Ziel sei eine verbesserte Sicherheit und Effizienz durch Kollaboration von Mensch und Maschine. Die „Physical AI“-Strategie des Konzerns sieht vor, menschliche Fähigkeiten zu erweitern, nicht zu ersetzen. Erste Tests für Materialtransport und Teilebereitstellung im US-Werk verliefen vielversprechend.

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Doch diese Vision überzeugt die Belegschaft nicht. Für die Gewerkschaft sind die vielseitigen Fähigkeiten des Atlas – fortgeschrittene Mobilität, Balance und autonome Aufgabenbewältigung – kein Werkzeug für Teamarbeit, sondern ein potenzieller Ersatz. Der Disput bei Hyundai spiegelt eine globale Herausforderung wider: Wie lassen sich technischer Fortschritt und der Schutz von Arbeitsplätzen in Einklang bringen?

Präzedenzfall für die globale Industrie

Der Machtkampft bei Hyundai könnte zum Präzedenzfall für die Arbeitsbeziehungen im Zeitalter von KI und Robotik werden. Die Gewerkschaft hat eine klare rote Linie gezogen: Keine Roboter ohne Abkommen. Damit stehen schwierige Verhandlungen bevor, während Hyundai auf sein Ziel der Markteinführung 2028 hinarbeitet. Die gesamte Branche wird beobachten, wie der Konzern auf die Forderungen reagiert.

Bisher hat das Management nicht offiziell auf die Gewerkschaftserklärung geantwortet. Ein längerer Streit könnte die Produktion stören und Hyundais Schlüsselstrategien verzögern. Der Weg nach vorn wird wahrscheinlich einen intensiven Dialog erfordern – über Umschulungsprogramme, neue Aufgabenprofile und klare Regeln für den Technologieeinsatz. Die Hyundai-Auseinandersetzung zeigt: Die Automatisierung ist keine rein technische, sondern vor allem eine soziale Frage.

@ boerse-global.de