Humanoid setzt auf Radroboter für europäische Fabriken
11.01.2026 - 21:25:12Ein Londoner Start-up revolutioniert mit einer pragmatischen Strategie den Markt für humanoide Roboter. Statt auf akrobatische Zweibeiner setzt das Unternehmen auf radbasierte Systeme für sofortigen industriellen Einsatz – und hat bereits über 20.000 Vorbestellungen.
London – Im Wettrennen um praktikable Fabrikautomation geht das Londoner Start-up Humanoid einen überraschend bodenständigen Weg. Statt mit tanzenden Humanoiden zu glänzen, setzt das Unternehmen von Seriengründer Artem Sokolov auf radgetriebene Industrieroboter. Diese sollen bereits heute in Fabriken arbeiten, nicht erst in ferner Zukunft. Kern der Strategie ist eine drastisch beschleunigte Entwicklung: Mit einer „Simulation-zuerst“-Pipeline hat Humanoid die Hardware-Entwicklungszeit von üblichen zwei Jahren auf nur sieben Monate komprimiert.
Digitale Zwillinge beschleunigen die Entwicklung
Der Geschwindigkeitsvorteil entsteht im virtuellen Raum. Humanoid nutzt die Simulationsplattformen NVIDIA Isaac Lab und Isaac Sim, um digitale Zwillinge der Roboter millionenfach trainieren zu lassen. In diesen hochdetaillierten virtuellen Fabriken absolvieren die Roboter das Äquivalent von Millionen Trainingsstunden – in nur einem Bruchteil der Zeit, die physische Tests benötigen würden.
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Dieser „Simulation-to-Reality“-Ansatz (Sim2real) löst ein Kernproblem der Branche: den Mangel an Trainingsdaten für unstrukturierte Umgebungen. Neue Steuerungsalgorithmen für Bewegung und Greifen entwickelt das Team so innerhalb von etwa 24 Stunden. Ein eigens entwickeltes Hardware-in-the-Loop-System testet die Software anschließend an einem digitalen Zwilling, bevor sie auf den physischen Roboter überspielt wird. Das minimiert das Ausfallrisiko im realen Einsatz.
Stabilität vor menschlicher Nachahmung
Während die öffentliche Wahrnehmung oft bei zweibeinigen, menschenähnlichen Robotern verharrt, trennt Humanoid klar zwischen Forschungsvision und heutigen Kundenbedürfnissen. Das Unternehmen entwickelt zwar einen bipedalen Roboter für langfristige Haushaltsanwendungen. Für den sofortigen Fabrikeinsatz setzt es jedoch auf eine radbasierte Variante.
„Stabilität und Batterieeffizienz sind für die kurzfristige Wirtschaftlichkeit entscheidend“, so die Unternehmensphilosophie. Der radgetriebene HMND 01 Alpha ist für repetitive Transport- und Handhabungsaufgaben konzipiert. Angetrieben wird er von NVIDIA Jetson Thor-Computern, die als Edge-Plattform direkt auf dem Roboter leistungsstarke KI-Modelle ausführen.
Diese Fähigkeit ist zentral: Vision-Language-Action-Modelle (VLA) ermöglichen es dem Roboter, komplexe Befehle zu interpretieren und neue Objekte zu erkennen – ohne ständige Cloud-Anbindung. Die Verkabelung wurde vereinfacht, die Wartung erleichtert. Nach dem Training dauert die Anpassung an neue Aufgaben nur noch wenige Stunden, was den Iterationszyklus stark verkürzt.
Große Marktnachfrage und laufende Pilotprojekte
Die pragmatische Ausrichtung trifft auf enorme Marktnachfrage. Bis zum 9. Januar 2026 meldete Humanoid 20.500 Vorbestellungen für seine Systeme. Drei aktive Pilotprogramme testen die HMND 01 Alpha-Roboter bereits in operativen Umgebungen.
Die Nachfrage spiegelt den akuten Arbeitskräftemangel in europäischer Fertigung und Logistik wider. Das inzwischen über 200 Mitarbeiter starke Unternehmen mit Standorten in London, Boston und Vancouver versteht seine Technologie ausdrücklich als Unterstützung, nicht als Ersatz für menschliche Arbeiter. „Roboter sollen die repetitive schwere Arbeit übernehmen, damit sich Menschen auf komplexe Entscheidungen konzentrieren können“, betont Gründer Sokolov. Dieser menschenzentrierte Ansatz soll die Integration in bestehende Belegschaften – besonders in stark regulierten europäischen Märkten – erleichtern.
Branche shiftet von „tanzenden“ zu „arbeitenden“ Robotern
Humanoids Ankündigung fällt in eine dynamische Phase. Erst Mitte dieser Woche kündigte der autonome Fahrpionier Mobileye die Übernahme von Mentee Robotics an – ein Zeichen für die Konvergenz von Computer-Vision und „physischer KI“.
Beobachter konstatieren einen Branchenwandel: Die Aufmerksamkeit verlagert sich von viralen Parkour-Videos hin zur Frage der täglichen Zuverlässigkeit. Investoren und Industriekunden fragen zunehmend nach messbarer Rentabilität (ROI) heute, nicht nach Versprechungen für das nächste Jahrzehnt. Auf der gerade beendeten Consumer Electronics Show (CES) war diese Ungeduld deutlich spürbar.
Humanoid antwortet genau auf diese Stimmung. Mit dem radbasierten System umgeht das Unternehmen die komplexen Balance-Herausforderungen zweibeiniger Roboter. Die Wette lautet: Fabrikleiter priorisieren Betriebszeit und Nutzlast höher als menschenähnliches Aussehen.
Ausblick: Der Praxistest in Q1 2026 entscheidet
Die Zukunft des Unternehmens hängt nun von den Daten der laufenden Pilotprojekte ab. Die Sim2real-Pipeline soll weiterhin als Wachstumsmotor dienen und schnelle Software-Updates ermöglichen, die den Robotern neue Fähigkeiten geben – ohne Hardware-Nachrüstungen.
Kann das Londoner Start-up seine 20.500 Vorbestellungen in den nächsten 12 bis 18 Monaten in installierte Einheiten umwandeln, würde es sich in einem auf 38 Milliarden Dollar projizierten Markt fest etablieren. Der Fokus bleibt auf dem Fabrikboden, wo der praktische Nutzen von Edge-Computing und synthetischen Trainingsdaten den entscheidenden Test besteht. Während die Pilotprogramme im ersten Quartal 2026 voranschreiten, wird die Branche genau beobachten: Hält die Zuverlässigkeit der Roboter mit der atemberaubenden Entwicklungsgeschwindigkeit Schritt?
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