HR-Strategien 2026: Zwischen Mindestlohn und Kompetenzrevolution
07.01.2026 - 04:55:12Deutsche Personalabteilungen starten mit verschärften Gesetzen und einer strategischen Neuausrichtung ins neue Jahr. Während seit Januar höhere Ausbildungsvergütungen gelten, rückt der „Skills First“-Ansatz in den Fokus.
Mindestvergütung steigt – Planungssicherheit bleibt
Zum Jahresbeginn trat die neue gesetzliche Mindestausbildungsvergütung in Kraft. Für neu abgeschlossene Verträge im ersten Lehrjahr sind nun 724 Euro monatlich fällig – ein Plus von 6,2 Prozent. Die Erhöhung soll die duale Ausbildung für Schulabgänger attraktiver machen und setzt HR-Abteilungen unter Budgetdruck. Parallel bleibt die maximale Bezugsdauer für Kurzarbeitergeld bei 24 Monaten. Diese bereits Ende 2025 beschlossene Regelung gibt Unternehmen in volatilen Branchen wie der Automobilindustrie Planungssicherheit.
„Skills First“: Der Paradigmenwechsel in der Qualifizierung
Jenseits gesetzlicher Pflichten dominiert eine strategische Debatte. Experten mahnen: Der reine Fokus auf formale Abschlüsse löst den Fachkräftemangel nicht mehr. Stattdessen setzt sich der „Skills First“-Ansatz durch. Unternehmen sollen Bewerber konsequent nach Fähigkeiten statt nach Zeugnissen bewerten und interne Mobilität durch gezieltes Upskilling fördern. Eine weitere Kernkompetenz wird die verantwortungsvolle Integration von Künstlicher Intelligenz (KI). Es reicht nicht mehr, Tools bereitzustellen; eine „KI-Alphabetisierung“ der gesamten Belegschaft ist gefordert. „Wertschätzung und Beteiligung“ seien entscheidend, um Fachkräfte langfristig zu binden, so eine KOFA-Expertin.
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Doppelbelastung: Entgelttransparenz und Betriebsratswahlen
Ein weiterer Großbrocken für die Personalabteilungen ist die EU-Entgelttransparenzrichtlinie. Bis zum 7. Juni 2026 muss sie in nationales Recht umgesetzt sein. Unternehmen müssen dann Gehaltsbänder offenlegen und geschlechtsspezifische Lohngefälle statistisch nachweisen und korrigieren. Das bedeutet erheblichen administrativen Aufwand, bietet aber die Chance für fairere Vergütungssysteme.
Zusätzlich wirft ein weiteres Ereignis seine Schatten voraus: die Betriebsratswahlen im Frühjahr 2026. Personalabteilungen und Wahlvorstände befinden sich bereits in der heißen Vorbereitungsphase. Die rechtssichere Durchführung und die Schulung neuer Gremienmitglieder stehen ganz oben auf der Agenda.
Chance im „War for Talents“
Die Kombination aus steigenden Fixkosten und neuen Transparenzpflichten setzt Unternehmen unter Druck. Doch Branchenbeobachter sehen darin eine klare Chance: Wer jetzt in faire Vergütung und kompetenzbasierte Entwicklung investiert, kann sich im anhaltenden Wettbewerb um Talente entscheidende Vorteile sichern. Der Fokus verschiebt sich endgültig vom Personalverwalten zum Potenzialentwickeln – ein längst überfälliger Schritt, der 2026 gesetzlich erzwungen wird.


