Homeoffice, Psychische

Homeoffice: Psychische Belastung wird zum Chefsache

01.02.2026 - 03:31:11

Verschärfte Regeln verpflichten Unternehmen, psychische Belastungen im Homeoffice systematisch zu analysieren und zu bekämpfen. Die Gefährdungsbeurteilung wird strenger kontrolliert.

Die psychische Gesundheit im Homeoffice rückt mit verschärften Regeln und neuen Warnungen ganz oben auf die Agenda der Personalabteilungen. Arbeitgeber stehen unter doppeltem Druck: Sie müssen die Risiken der digitalen Dauerbelastung nicht nur erkennen, sondern auch systematisch bekämpfen – und das nachweisen.

Gefährdungsbeurteilung wird zur Pflichtübung

Seit Jahresbeginn gehen die Aufsichtsbehörden deutlich strenger vor. Zwar müssen Unternehmen psychische Belastungen schon seit 2013 im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung berücksichtigen. Doch jetzt wird die Umsetzung konsequent überprüft. Eine Schlüsselrolle spielt die überarbeitete Vorschrift 2 der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV). Sie öffnet die sicherheitstechnische Fachkunde explizit für Psychologen und Ergonomie-Experten. Die Botschaft ist klar: Oberflächliche Checklisten reichen nicht mehr aus. Gefragt sind interdisziplinäre Teams, die die komplexen Wechselwirkungen zwischen Arbeitsorganisation und psychischer Gesundheit fundiert analysieren können.

Die stille Gefahr: Isolation und Digital Overload

Aktuelle Warnungen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) unterstreichen die Dringlichkeit. Experten sehen besonders in der dunklen Jahreszeit erhöhte Risiken durch mangelndes Tageslicht und soziale Isolation im Homeoffice. Diese Faktoren verschärfen das ohnehin präsente Problem des Digital Overload. Ständige Erreichbarkeit, eine Flut an Nachrichten und die zunehmende Entgrenzung von Beruf und Privatleben führen bei vielen zu Stress und Erschöpfung. Das Gefühl, nie richtig abschalten zu können, kann im schlimmsten Fall in einem Burn-out münden.

Klare Schritte für Arbeitgeber

Für Unternehmen ergeben sich daraus konkrete Handlungspflichten. Wer seine Pflicht zur Gefährdungsbeurteilung vernachlässigt, riskiert Bußgelder. Ein strukturierter Prozess nach den Empfehlungen der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie (GDA) ist unerlässlich:
1. Analyse der Arbeitsbedingungen, insbesondere bei hybriden Modellen.
2. Systematische Ermittlung von Stressfaktoren wie Isolation oder unklare Aufträge.
3. Bewertung der konkreten Risiken für die psychische Gesundheit.
4. Umsetzung präventiver Maßnahmen – von klaren Erreichbarkeitsregeln bis zu Schulungen für Führungskräfte.
5. Regelmäßige Überprüfung und lückenlose Überprüfung aller Schritte.

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Vom Notbehelf zur strategischen Aufgabe

Die Pandemie hat das Homeoffice etabliert. Jetzt zeigt sich: Während die Technik funktioniert, bleiben die psychosozialen Folgen eine große Herausforderung. Die Gestaltung gesunder mobiler Arbeit ist keine kurzfristige Krisenreaktion mehr, sondern eine strategische Daueraufgabe. Unternehmen, die das vernachlässigen, gefährden nicht nur die Gesundheit ihrer Mitarbeiter, sondern auch ihre eigene Produktivität und Attraktivität als Arbeitgeber.

Die Investition in eine präventive Kultur des psychischen Gesundheitsschutzes wird sich als wirtschaftlich klug erweisen. In Zeiten des Fachkräftemangels wird die Fähigkeit, ein leistungsförderndes und gleichzeitig gesundes Arbeitsumfeld zu schaffen, zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil.

@ boerse-global.de