Holocaust-Gedenken: KI-Fälschungen bedrohen historische Wahrheit
27.01.2026 - 23:39:14KI-generierte Falschbilder und erfundene Geschichten überschwemmen soziale Medien und verzerren die Erinnerung an den Holocaust. Anlässlich des Internationalen Gedenktags warnen Gedenkstätten und Politiker vor einer gefährlichen Welle digitaler Geschichtsfälschung.
Die sogenannten „AI-Slop“-Inhalte – massenhaft produzierte, emotionale KI-Fälschungen – verbreiten sich rasant. Sie zeigen nie dagewesene Szenen oder erfundene Opfer-Schicksale, die historische Fakten verwässern. Für Historiker wie Iris Groschek von Hamburger Gedenkstätten ist klar: „Das Phänomen explodierte Ende 2025.“ Einige Accounts verbreiten minütlich neue Fälschungen.
Gedenkstätten fordern Plattformen zum Handeln auf
Bereits am 13. Januar 2026 schlugen führende deutsche und österreichische Erinnerungsorte Alarm. In einem offenen Brief forderten sie Tech-Konzerne zum entschlossenen Kampf gegen die digitale Geschichtsklitterung auf. Zu den Unterzeichnern gehören die KZ-Gedenkstätten Dachau, Buchenwald, Bergen-Belsen und Neuengamme.
Ihre zentralen Forderungen:
* Kein Geld für Fälschungen: Accounts, die historische KI-Fälschungen verbreiten, sollen von allen Werbeprogrammen ausgeschlossen werden.
* Klare KI-Kennzeichnung: Alle KI-generierten Inhalte müssen verpflichtend und eindeutig gekennzeichnet werden.
* Zusammenarbeit mit Experten: Plattformen sollen mit Historikern und Archiven zusammenarbeiten, um ihre Erkennungssysteme zu verbessern.
Kulturminister Wolfram Weimer unterstützt diese Forderungen. Er verweist auf die Verantwortung der Plattformen gemäß dem EU-Digital Services Act (DSA) und mahnt: „Es geht um den Respekt vor den Millionen Opfern.“
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Schweigen der Tech-Giganten – nur TikTok reagiert
Die Reaktion der großen Plattformen bleibt bisher verhalten. US-Konzerne wie Meta (Mutter von Facebook und Instagram) haben auf den Brief der Gedenkstätten bis zum 27. Januar nicht geantwortet. Besorgniserregend: Einige längst widerlegte Falschmeldungen über erfundene Opfer waren am Vorabend des Gedenktags auf Facebook noch abrufbar.
Pawel Sawicki, Sprecher der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau, spricht von „Fake History“ und sieht Meta-Plattformen als Hauptverbreitungsweg. Einzig die chinesische Plattform TikTok reagierte. Sie kündigte an, betroffene Accounts aus Monetarisierungsprogrammen zu entfernen und an automatisierten Verifikationssystemen zu arbeiten.
Eine neue Front im Kampf um die historische Wahrheit
Die KI-Revolution eröffnet Revisionisten eine gefährliche neue Möglichkeit. Organisationen wie die UNESCO warnen: Unregulierte KI könnte Holocaust-Leugnung automatisieren und das Vertrauen in belegte Fakten weiter untergraben. Die „Kitschifizierung“ der Gräuel – die Darstellung als sentimentalisierte Fiktion – verharmlost die historische Realität und schürt Misstrauen gegenüber echten, oft brutalen Dokumenten.
Die Herausforderung geht über einfaches Löschen hinaus. Es braucht neue ethische und technologische Standards für den Umgang von KI mit Geschichte. Während einige Institutionen vorsichtig pädagogische Anwendungen prüfen, liegt die Hauptverantwortung bei den Plattformen. Ohne ihr entschlossenes Handeln, so die einhellige Warnung der Experten, droht die digitale Erinnerung an eines der dunkelsten Kapitel der Geschichte nachhaltig beschädigt zu werden.
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