Hochschulstreik: Zehntausende fordern Ende der Wissenschafts-Prekarität
28.01.2026 - 01:48:12Deutschlands Hochschulen stehen still – aus Protest. Zehntausende Beschäftigte und Studierende demonstrieren heute bundesweit für sichere Jobs und eine bessere Grundfinanzierung. Der massive Hochschulaktionstag erhöht den Druck auf die Politik, das umstrittene Befristungsrecht endlich grundlegend zu reformieren.
System unter Dauerstress: Die Forderungen
Die Proteste an über 100 Unis und Forschungseinrichtungen richten sich gegen ein Bündel struktureller Probleme. Im Zentrum steht die Praxis der Kettenbefristungen, die für den wissenschaftlichen Nachwuchs massive Unsicherheit schafft. Die Gewerkschaften ver.di und GEW prangern zudem die chronische Unterfinanzierung an. Die Folge: marode Gebäude, überlastetes Personal und ausgegliederte Dienstleistungen. Zusätzlich fordern die Beschäftigten spürbare Gehaltserhöhungen, um Reallohnverluste auszugleichen. „Unter diesen Bedingungen wird Wissenschaft zum Armutsrisiko“, lautet ein zentraler Vorwurf der Organisatoren. Kundgebungen finden unter anderem in Potsdam, Konstanz und mehreren Städten Hessens statt.
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Das Gesetz, das Karrieren beendet
Herzstück der Kritik ist das Wissenschaftszeitvertragsgesetz (WissZeitVG). Es erlaubt Hochschulen, Forschende bis zu zwölf Jahre lang befristet zu beschäftigen. Das Gesetz sollte eigentlich Innovation fördern, doch es hat einen fatalen Nebeneffekt: Nach Ablauf der Fristen warten kaum Dauerstellen unterhalb der Professur. Viele hochqualifizierte Köpfe müssen die Wissenschaft daher verlassen. Ein brain drain, der Deutschlands Innovationskraft langfristig schwächt, so die Aktivisten.
Von #IchBinHanna zur Massenbewegung
Die heutigen Proteste sind auch ein Erbe der #IchBinHanna-Kampagne. Der Hashtag ging 2021 viral, als das Bundesforschungsministerium ein Erklärvideo mit der fiktiven „Hanna“ veröffentlichte. Tausende Wissenschaftler teilten daraufhin ihre prekären Realitäten und widerlegten die offizielle Darstellung. Die Bewegung erzwang eine Debatte und leitete die – bis heute als unzureichend kritisierten – Reformbemühungen ein.
Reform auf halber Strecke?
Die Bundesregierung arbeitet zwar an einer Novelle des WissZeitVG, doch die Entwürfe stoßen auf scharfe Kritik. Netzwerke wie NGAWiss monieren, die Pläne seien halbherzig. Sie fordern stattdessen echte Karriereperspektiven mit Dauerstellen für langfristige Aufgaben und verbindliche Regeln statt unklarer Leitlinien. Die Kluft zwischen den Erfahrungen der Betroffenen und dem politischen Reformwillen scheint tief.
Eskalation angekündigt
Der heutige Aktionstag ist keine Eintagsfliege, sondern der Start einer verschärften Mobilisierung. Die Gewerkschaften signalisieren deutlich: Sollten die Forderungen nach sicheren Jobs, besserer Finanzierung und fairer Bezahlung in den laufenden Tarifverhandlungen und der Gesetzesreform nicht erfüllt werden, folgen weitere Streiks. Die kommenden Wochen entscheiden, ob der Druck der Straße die Politik zu einem echten Systemwechsel bewegen kann.


