Hirundo und Musical AI: Technologie soll KI-Musik-Konflikt lösen
18.01.2026 - 21:51:12Maschinelles Verlernen und präzise Zuschreibung sollen die Urheberrechtskrise bei KI-generierter Musik beenden.
Die KI-Musikbranche steckt in einem juristischen Dauerstreit. Doch statt weiter nur vor Gericht zu kämpfen, setzen Unternehmen nun auf technologische Lösungen. Neue Firmen entwickeln Werkzeuge für maschinelles Verlernen und präzise Attribution, um KI-Modelle von urheberrechtlich geschützten Inhalten zu „reinigen“. Können Algorithmen die Branche aus der Sackgasse führen?
Die Lage ist verfahren: KI-Musikgeneratoren wie Udio oder Suno wurden oft mit Millionen Songs trainiert – meist ohne Erlaubnis der Künstler oder Labels. Große Plattenfirmen wie Universal Music und Warner Music reagierten mit Klagen. Doch der Trend dreht sich. Statt nur zu prozessieren, schließen Labels nun Lizenzverträge. Das Grundproblem bleibt: Was ist mit den bereits illegal trainierten Modellen?
Hier setzen die neuen Technologien an. Das israelische Unternehmen Hirundo arbeitet an „Machine Unlearning“. Die Idee: Spezifische Daten – wie das Werk eines bestimmten Künstlers – sollen aus einem bereits trainierten KI-Modell entfernt werden können. Bisher war dafür nur eine komplette Neuentwicklung des Modells möglich, ein kostspieliger und aufwändiger Prozess.
Passend zum Thema KI-Regulierung: Seit die EU-KI-Verordnung in Kraft ist, stehen Entwickler und Anbieter von KI-Systemen vor klaren Dokumentations- und Kennzeichnungspflichten – und das betrifft auch Anbieter von Tools zum Verlernen und zur Attribution. Ein kostenloses Umsetzungs-E-Book erklärt praxisnah, welche Pflichten, Risikoklassen und Fristen jetzt gelten und wie Sie Ihre Modelle rechtssicher aufstellen. Jetzt KI-Verordnung-Leitfaden herunterladen
So funktioniert das „Verlernen“
Die Technologie ist komplex. Ein KI-Modell lernt aus Milliarden Datenpunkten. Einzelne Inhalte einfach zu löschen, war bisher unmöglich. Die Algorithmen von Hirundo zielen darauf ab, den spezifischen „Einfluss“ urheberrechtlich geschützter Musik im Modell zu identifizieren und zu neutralisieren. Das Modell soll sich so verhalten, als hätte es diese Daten nie gesehen.
Das Ziel ist klar: KI-Firmen sollen nachträglich auf Abmahnungen reagieren können, ohne ihr gesamtes System zu gefährden. Künstler erhalten ein Werkzeug, um die Löschung ihrer Werke aus Trainingsdatensätzen durchzusetzen. Es ist ein pragmatischer Ansatz zwischen rechtlicher Konfrontation und wirtschaftlicher Kooperation.
Transparenz durch Attribution: Musical AI sammelt 4,5 Millionen Euro
Parallel zum Verlernen gewinnt eine zweite Technologie an Bedeutung: die präzise Zuschreibung (Attribution). Das Unternehmen Musical AI sicherte sich am 13. Januar 2026 frisches Kapital in Höhe von 4,5 Millionen Euro. Ihre Plattform analysiert, welche Trainingsdaten ein konkretes KI-Musikstück beeinflusst haben – bis hin zu prozentualen Anteilen.
Diese Transparenz ändert alles. Rechteinhaber können endlich nachvollziehen, ob und wie ihre Werke genutzt wurden. KI-Firmen hingegen erhalten eine klare Basis für Lizenzvereinbarungen und faire Vergütung. Es ist die Grundlage für ein nachhaltiges Geschäftsmodell, das menschliche Kreativität wertschätzt, statt sie zu untergraben.
Skepsis und technische Hürden bleiben
Doch die Sache hat einen Haken. Maschinelles Verlernen ist kein Wundermittel. Forschungsergebnisse aus dem Jahr 2025 zeigen: Die Methoden sind bei komplexen Musikmodellen schwierig anzuwenden und können die allgemeine Leistungsfähigkeit der KI verschlechtern. Wo hört das „Verlernen“ auf, wo beginnt die Zerstörung des kreativen Kerns?
Experten wie Forscher von Google DeepMind mahnen zudem, dass die Technik allein rechtliche Fragen nicht lösen kann. Wie beweist man, dass ein Modell etwas wirklich „vergessen“ hat? Die EU-KI-Verordnung mit ihren Transparenzvorgaben wird hier zusätzlichen Druck aufbauen. Der Weg von der Theorie zur praxistauglichen, verifizierbaren Lösung ist noch lang.
Ausblick: Ein neues Fundament für KI-Musik
Die Entwicklung markiert eine Reifung der gesamten Branche. Nach der Phase der rücksichtslosen Expansion und der darauf folgenden Rechtskämpfe baut die Industrie nun die nötige Infrastruktur für Compliance und Ethik.
Das Jahr 2026 wird entscheidend sein. Wird maschinelles Verlernen robust und bezahlbar funktionieren? Setzt sich Attribution als Standard durch? Die Antworten darauf werden bestimmen, ob KI-Musik in einer Grauzone bleibt oder auf einem fairen, transparenten Fundament wachsen kann. Die Technologie bietet den Bauplan für eine Zukunft, in der KI Partner der Kreativen ist – und nicht ihr Gegner.
PS: Die Diskussion um Verifizierbarkeit, Transparenz und Haftung zeigt: Wer KI-Modelle entwickelt oder einsetzt, sollte jetzt die Umsetzungspflichten der EU-KI-Verordnung kennen. Dieses kostenlose E-Book fasst die Anforderungen, Risikoklassen und praktischen Schritte zusammen, damit Sie Ihre KI-Anwendungen rechtssicher dokumentieren und betreiben können. Kostenfreies KI-Umsetzungs-E-Book sichern


