Hinge-Dating-App, Schaltzentrale

Hinge-Dating-App als versteckte Schaltzentrale für Malware missbraucht

05.01.2026 - 22:40:12

Sicherheitsforscher zeigen, wie Kriminelle die legitime API der Dating-Plattform nutzen, um Schadsoftware zu steuern und Firewalls zu umgehen.

Sicherheitsforscher zeigen, wie Kriminelle die beliebte Dating-Plattform zur Steuerung von Schadsoftware umfunktionieren – und damit Firewalls umgehen.

Die Dating-App Hinge kann von Cyberkriminellen als getarnte Kommandozentrale für Malware genutzt werden. Das belegt ein neuer Sicherheitsfund vom Montag. Forscher Matt Wiese demonstrierte, wie die legitimen Funktionen der App – Profilbilder und Textfelder – für versteckte Befehle und Schadcode missbraucht werden, ohne herkömmliche Sicherheitssysteme auszulösen.

Legitime API wird zur Waffe umfunktioniert

Der Kern des Problems liegt in der Handhabung nutzergenerierter Inhalte durch Hinge. Wie Wiese in einer auf GitHub veröffentlichten Analyse zeigt, erlaubt die Programmierschnittstelle (API) der App das Speichern und Abrufen von Daten auf eine Weise, die Standard-Content-Prüfungen umgeht. Angreifer können bösartige Binärdaten in Bilder einbetten – eine Technik namens Steganographie – und diese auf Hinge-Server hochladen.

Wiese bewies mit einem Python-Skript, dass sich Malware-Befehle in abstrakte Digitalkunst-Bilder kodieren lassen. Diese werden auf einem Hinge-Profil gespeichert. Infizierte Geräte können dann gezielt diese Profile abfragen, die Bilder herunterladen und die versteckten Anweisungen decodieren. Auch die Textfelder für Persönlichkeitsfragen ließen sich missbrauchen, etwa zur Speicherung von Verschlüsselungsschlüsseln.

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Das „Tote-Briefkasten“-Dilemma für die Abwehr

Diese Methode stellt eine gefährliche Weiterentwicklung sogenannter „Dead Drop“-Architekturen dar. Dabei nutzen Angreifer legitime Dienste Dritter für ihre Kommunikation. Die Abwehr ist besonders schwierig, weil der Datenverkehr nicht von normaler Nutzeraktivität zu unterscheiden ist.

Firewalls blockieren typischerweise bekannte bösartige Domains. Hinge ist jedoch eine global geschätzte 30 Millionen Mal genutzte Consumer-App. Ihre Domains sind in den meisten Unternehmens- und Privatfirewalls vertrauenswürdig eingestuft. Eine Sperrung des Verkehrs zu Hinges Content Delivery Network (CDN) würde die App für legitime Nutzer unbrauchbar machen – ein echtes Dilemma für Netzwerkadministratoren.

Der Datenverkehr ist zudem HTTPS-verschlüsselt. Ohne Deep-Packet-Inspektion mit SSL-Entschlüsselung, die gezielt nach anomalen Bildmustern sucht, geht der bösartige Traffic im Datenstrom von Mitarbeitern unter, die in der Pause Dating-Profile durchstöbern.

Trendwende hin zu Social-Apps als Angriffsvektor

Die Ausnutzung legitimer Webdienste für Kommando- und Kontroll-Infrastruktur (C2) ist nicht gänzlich neu. Bisher nutzten Angreifer Plattformen wie Google Drive, X (ehemals Twitter) oder Telegram. Der gezielte Missbrauch einer Dating-App mit ihrem Fokus auf visuelle Inhalte markiert jedoch eine besorgniserregende Trendwende.

Experten sehen hierin ein grundsätzliches Risiko öffentlicher APIs, die nutzergenerierte Inhalte ohne strenge Bereinigung oder Verhaltensanalyse akzeptieren. Hinge betont zwar einen „Privacy-by-Design“-Ansatz und unterhält ein Bug-Bounty-Programm. Dieser Angriffsvektor nutzt jedoch die grundlegende Funktionalität des Dienstes aus, nicht eine klassische Software-Schwachstelle.

Ausblick: Strengere Policies und neue Algorithmen nötig

Sicherheitsverantwortliche in Unternehmen raten nun zur Überprüfung der Nutzungsrichtlinien für Dating-Apps auf Firmengeräten. In BYOD-Umgebungen (Bring Your Own Device) ist ein komplettes Verbot oft unpraktikabel. Striktere Überwachung des Datenverkehrs zu unerwarteten API-Endpunkten könnte jedoch Anomalien aufdecken.

Es wird erwartet, dass Hinge und ähnliche Plattformen fortschrittlichere Bildanalyse-Algorithmen implementieren müssen, um steganographische Muster zu erkennen. Zudem könnten Rate-Limiting und strengere API-Authentifizierung eingeführt werden, um das automatisierte Abrufverhalten für einen funktionierenden C2-Kanal zu unterbinden.

Die Veröffentlichung des Proof-of-Concept-Codes dürfte die Verbreitung dieser Technik unter Bedrohungsakteuren beschleunigen – und gleichzeitig die Entwicklung von Gegenmaßnahmen. Analysten prognostizieren für 2026 einen Anstieg „parasitärer“ Malware, die vollständig auf legitime Social-Infrastruktur angewiesen ist. Das zwingt zu einer Neubewertung, wie vertrauenswürdige Domains in Zero-Trust-Netzarchitekturen behandelt werden.

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