Grüne verbannen Homöopathie aus der Krankenkasse
29.11.2025 - 16:29:11Die Grünen ziehen einen Schlussstrich: Auf dem Bundesparteitag in Hannover stimmten die Delegierten am späten Freitagabend dafür, homöopathische Behandlungen vollständig aus dem Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung zu streichen. Ein klarer Sieg für den wissenschaftsorientierten Flügel der Partei – und eine schallende Ohrfeige für die eigene Führung.
Der Beschluss markiert einen radikalen Kurswechsel. Jahrelang lavierte die Partei in dieser Frage zwischen Esoterik-Sympathisanten und Evidenz-Verfechtern. Damit ist jetzt Schluss. Die Solidargemeinschaft, so der Wortlaut des Antrags aus Berlin-Tempelhof-Schöneberg, solle nicht länger für Therapien zahlen, deren Wirksamkeit über den Placebo-Effekt hinaus wissenschaftlich nicht belegt ist.
Besonders pikant: Die Parteispitze um Franziska Brantner und Felix Banaszak wollte diese Debatte eigentlich vermeiden. Zu groß die Sorge, traditionelle Wähler zu verprellen, die auf alternative Heilmethoden schwören. Die Ko-Vorsitzenden hatten auf einen Kompromiss gesetzt, ähnlich wie 2020: Homöopathie sollte zumindest in selbstfinanzierten Wahltarifen weiterhin möglich bleiben.
Werden Ihre Blutwerte falsch interpretiert? Viele Menschen fühlen sich mit vagen Befunden und uneindeutigen Laborberichten allein gelassen — gerade wenn es um Cholesterin, TSH oder Vitalstoffe geht. Der kostenlose 25‑seitige PDF‑Report „Laborwerte‑Selbstcheck“ erklärt verständlich, welche Werte wirklich zählen, wann Nachtests sinnvoll sind und wie Sie gezielte Fragen an den Arzt stellen. Holen Sie sich praktische Checklisten und Handlungsempfehlungen per E‑Mail. Jetzt Laborwerte-Report sichern
Doch die Basis pfiff die Führung zurück. Die Delegierten lehnten diese Verwässerung ab und stimmten für das strikte Verbot. Ein deutliches Zeichen, dass sich die Partei gewandelt hat – weg von anthroposophischen Wurzeln, hin zu klaren wissenschaftlichen Standards.
„Gesundheit ist keine Glaubensfrage, sondern eine Frage von Evidenz und Verantwortung”, argumentierte ein Berliner Delegierter während der hitzigen Debatte. Die Grünen-Abgeordnete und Ärztin Paula Piechotta, die seit Jahren gegen die Homöopathie-Finanzierung kämpft, feierte den Beschluss als überfällig: „Wir können nicht in der Klimapolitik strenge wissenschaftliche Maßstäbe fordern und sie in der Gesundheitspolitik ignorieren.”
Kehrtwende in der Opposition
Der Zeitpunkt ist bemerkenswert. Nach dem Absturz auf 11,6 Prozent bei der Bundestagswahl im Februar 2025 nutzen die Grünen den Hannoveraner Parteitag zur Neupositionierung als Oppositionspartei. Auch wenn der Beschluss zunächst keine direkte gesetzliche Wirkung hat – er sendet ein klares Signal für die künftige Ausrichtung.
Interessant dabei: Die Grünen bewegen sich damit auf die Positionen von FDP und Teilen der SPD zu. Ex-Gesundheitsminister Karl Lauterbach war Anfang 2024 noch am Widerstand des damals grün geführten Wirtschaftsministeriums gescheitert, als er die Homöopathie-Finanzierung streichen wollte. Ein solches Veto würde die Parteibasis heute wohl nicht mehr mittragen.
Protest aus der Alternativmedizin-Szene
Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Die Gesellschaft Anthroposophischer Ärzte in Deutschland (GAÄD) kritisierte den Beschluss noch am Freitag scharf. „Diese Entscheidung ignoriert die Versorgungsrealität”, empörte sich Vorstandsmitglied Martin-Günther Sterner. Der Verband warnte vor eingeschränkter Therapievielfalt und verunsicherten Patienten, die bei chronischen Erkrankungen auf integrative Ansätze setzen.
Tatsächlich ist die finanzielle Dimension überschaubar: Homöopathische Mittel kosten die gesetzlichen Kassen jährlich etwa 10 bis 20 Millionen Euro – bei Gesamtausgaben von über 300 Milliarden Euro ein Tropfen auf den heißen Stein. Doch darum ging es den Delegierten in Hannover nicht. Es ging ums Prinzip.
Neue Wähler, alte Freunde?
Mit dieser Entscheidung schließen die Grünen ein Kapitel, das die Partei jahrzehntelang begleitete. Die klare Absage an unwissenschaftliche Heilversprechen könnte jüngere, wissenschaftsorientierte Wähler ansprechen – birgt aber das Risiko, die anthroposophische Gründergeneration zu verprellen.
Der Parteitag dauert noch bis Sonntag an. Doch die Homöopathie-Abstimmung dürfte bereits jetzt als eines der markantesten Ergebnisse in Erinnerung bleiben. Der Beschluss soll ins Grundsatzprogramm aufgenommen werden und die Politik der Grünen in der laufenden Legislaturperiode prägen. Ob das Bekenntnis zur Evidenz der Partei neue Türen öffnet oder alte zuschlägt? Das wird sich spätestens bei der nächsten Wahl zeigen.
PS: Endlich Klarheit bei TSH, Cholesterin & Co. — der kostenlose Laborwerte‑Selbstcheck liefert auf 25 Seiten leicht verständliche Erklärungen, einen Selbstcheck und konkrete Tipps, wann weitere Spezialtests Sinn machen. Ideal für alle, die fundierte Entscheidungen statt Ratlosigkeit wollen und ihre Versorgung selbstbewusst begleiten möchten. Sofort per E‑Mail. Kostenlosen Labor‑Guide jetzt anfordern


