Großbritannien, Arbeit

Großbritannien macht flexible Arbeit zum Standard

29.12.2025 - 04:22:12

Großbritannien etabliert mit einem neuen Gesetz flexible Arbeitsmodelle als Standard, während in Deutschland trotz positiver Studienergebnisse nur wenige Unternehmen die 4-Tage-Woche anbieten.

Großbritannien verankert flexible Arbeitsmodelle gesetzlich. Das neue „Employment Rights Act 2025“ erhebt Anträge auf kürzere Wochenarbeitszeit zum Standard. Arbeitgeber müssen solche Wünsche nun ernsthaft prüfen und können sie nur noch aus triftigen Gründen ablehnen. Damit schafft die britische Regierung kurz vor Jahresende Fakten und setzt einen Kontrapunkt zu zögerlichen Entwicklungen anderswo in Europa.

Deutschland: Große Kluft zwischen Theorie und Praxis

Während in London gehandelt wird, zeigt sich in Deutschland ein widersprüchliches Bild. Einerseits hallen die Erfolge des großen Pilotprojekts der Universität Münster nach: 94 Prozent der Teilnehmer fühlten sich deutlich weniger gestresst, die Produktivität blieb stabil.

Andererseits dämpft eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung die Erwartungen. Demnach wirbt nur in 0,12 Prozent der deutschen Stellenanzeigen explizit mit einer 4-Tage-Woche. Die Diskrepanz zwischen wissenschaftlich belegten Vorteilen und der tatsächlichen Umsetzung am Markt könnte kaum größer sein. Viele Unternehmen scheuen offenbar die organisatorische Herausforderung – trotz des offensichtlichen Nutzens für die Mitarbeiterbindung.

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Europa sucht den richtigen Weg

Der Blick über die Grenzen zeigt: Eine einheitliche europäische Linie gibt es nicht. Jedes Land geht seinen eigenen Weg.

  • Belgien führte bereits Ende 2022 ein Recht auf die 4-Tage-Woche ein, doch die Resonanz bleibt verhalten. Kritiker monieren, dass die Verdichtung der Wochenstunden auf vier Tage für viele zu belastend ist.
  • Griechenland schlug sogar einen gegensätzlichen Weg ein und erlaubt in bestimmten Branchen eine 6-Tage-Woche. Die Regierung verteidigt dies als Mittel gegen Fachkräftemangel und Schwarzarbeit.

Diese extremen Gegensätze unterstreichen, wie uneinig Europa in der Arbeitszeitfrage ist.

Was treibt die Unternehmen um?

Hinter der zögerlichen Haltung vieler Firmen steckt vor allem eine Sorge: die Angst vor Produktivitätsverlusten in unsicheren wirtschaftlichen Zeiten. Die positiven Pilot-Ergebnisse scheinen gegen die betriebswirtschaftliche Vorsicht anzukommen.

Doch der Druck wächst von anderer Seite. Personalexperten warnen: Unternehmen, die flexible Modelle kategorisch ablehnen, könnten im Wettbewerb um junge Talente bald das Nachsehen haben. Die britische Gesetzgebung setzt genau hier an. Indem sie Flexibilität als Rechtsanspruch und nicht als freiwilligen Benefit definiert, zwingt sie die Wirtschaft zum Umdenken.

Wohin steuert die Arbeitswelt 2026?

Für das kommende Jahr zeichnen sich klare Konfliktlinien ab. In Großbritannien werden mit dem neuen Gesetz zahlreiche Anträge und wohl auch erste gerichtliche Auseinandersetzungen erwartet. Die Frage lautet: Was ist ein „triftiger geschäftlicher Ablehnungsgrund“?

In Deutschland richten sich die Blicke auf die anstehenden Tarifverhandlungen, etwa in der Metall- und Elektroindustrie. Werden die Gewerkschaften die Arbeitszeitverkürzung jetzt offensiv auf die Agenda setzen? Das Jahr endet mit einer Gewissheit: Die klassische 5-Tage-Woche verliert weiter an Boden. Die Form der Arbeitswelt von morgen ist jedoch noch längst nicht ausgefochten.

@ boerse-global.de