Grippewelle legt deutsche Betriebe lahm
05.02.2026 - 08:33:12Eine massive Krankheitswelle bringt die deutsche Wirtschaft an ihre Belastungsgrenzen. Extreme Personalausfälle zwingen Unternehmen zu Notfallmaßnahmen und stellen die operative Stabilität auf die Probe.
Hohes Infektionsniveau belastet Betriebe
Die Aktivität akuter Atemwegserkrankungen befindet sich auf hohem Niveau. Das belegen aktuelle Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) für die fünfte Kalenderwoche 2026. Verantwortlich sind vor allem Influenza-A-Viren vom Subtyp A(H3N2). Bereits Ende Januar kursierten Berichte von rund 6,5 Millionen Neuerkrankungen innerhalb einer Woche. Diese Welle trifft auf eine Belegschaft, die in vielen Branchen bereits vorher am Limit arbeitete. Die Folge: Ganze Betriebsbereiche stehen still.
Notfallpläne und flexible Personalsteuerung
Unternehmen reagieren mit operativen Krisenstrategien. Der erste Schritt ist die Identifizierung betriebskritischer Funktionen. Welche Aufgaben sind unerlässlich, welche können pausieren? Darauf aufbauend setzen Personalverantwortliche auf flexible Steuerung. Mitarbeiter mit Zusatzqualifikationen werden umverteilt, um Engpässe zu überbrücken. Cross-Training – das Anlernen von Kompetenzen über den eigenen Bereich hinaus – erweist sich als strategischer Vorteil. In kritischen Fällen ziehen Firmen kurzfristig Zeitarbeitskräfte oder Freelancer hinzu. Eine transparente Kommunikation ist dabei essenziell, um Überlastung und Demotivation der verbleibenden Belegschaft vorzubeugen.
Rechtliche Fallstricke bei Mehrarbeit
In der Hektik der Krisenbewältigung drohen rechtliche Fehler. Die Anordnung von Mehrarbeit unterliegt klaren Regeln. Die tägliche Arbeitszeit darf acht Stunden nur ausnahmsweise überschreiten – und dann maximal auf zehn Stunden. Ein entsprechender Ausgleich ist Pflicht. Besteht ein Betriebsrat, hat dieser ein Mitbestimmungsrecht bei Überstunden. Ein weit verbreiteter Irrtum: Angesammelte Überstunden können nicht mit der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall verrechnet werden. Das Entgeltfortzahlungsgesetz schließt das aus. Personalabteilungen müssen alle Maßnahmen strikt im Einklang mit dem Arbeitszeitgesetz und den Arbeitsverträgen halten.
In der Hektik von Krankheitswellen entstehen schnell Fehler bei der Anordnung von Überstunden – und das kann Arbeitgeber teuer zu stehen kommen. Ein kostenloses E‑Book zeigt, wie Sie die gesetzliche Pflicht zur Arbeitszeiterfassung rechtskonform umsetzen, Muster‑Vorlagen nutzen und Überstunden korrekt dokumentieren. Ideal für Personaler und Geschäftsleitungen, die jetzt schnell rechtssicher handeln müssen. Arbeitszeiterfassung in 10 Minuten rechtssicher umsetzen
Politische Debatte um Krankenstand
Die aktuelle Krise facht eine grundsätzliche Debatte neu an. Zuletzt mahnten Politiker eine höhere Arbeitsbereitschaft an und stellten die dauerhafte telefonische Krankschreibung infrage. Sogar die Streichung der Lohnfortzahlung am ersten Krankheitstag wurde diskutiert. Hintergrund ist die Sorge, hohe Fehlzeiten könnten die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland gefährden. Einige Unternehmen experimentieren bereits mit Anwesenheitsprämien, um Fehlzeiten zu reduzieren – eine ethisch und rechtlich umstrittene Maßnahme. Die Grippewelle wirkt wie ein Brennglas: Sie verbindet operative Notlagen mit grundsätzlichen Fragen zu Arbeitskultur und sozialer Sicherung.
Langfristige Resilienz als Ziel
Da das RKI weiterhin von einer hohen Aktivität ausgeht, reicht kurzfristiges Krisenmanagement nicht aus. Unternehmen müssen die Widerstandsfähigkeit ihrer Personalstrukturen langfristig stärken. Das bedeutet Investitionen in betriebliches Gesundheitsmanagement zur Prävention. Ebenso wichtig ist die beschleunigte Digitalisierung und Automatisierung von Prozessen, um die Abhängigkeit von Einzelpersonen zu verringern. Eine vorausschauende Personalplanung, die saisonale und demografische Ausfallrisiken einkalkuliert, wird zum Wettbewerbsvorteil. Langfristig werden jene Unternehmen bestehen, die flexible, widerstandsfähige und gesundheitsfördernde Arbeitsumgebungen schaffen.


