Graz, Immobilien-Trick

Graz beendet Immobilien-Trick und holt 103 Millionen Euro zurück

01.01.2026 - 16:02:13

Die Stadt Graz hat ihre Auslagerungspraxis beendet und alle verbliebenen Liegenschaften aus einer Tochtergesellschaft zurückgeführt. Dies erhöht die Transparenz im Haushalt und beendet eine über 20 Jahre alte Finanzpolitik.

Graz vollzieht einen historischen Schritt in der Finanzpolitik. Die Stadt holt Liegenschaften im Wert von 103 Millionen Euro aus einer Tochtergesellschaft zurück. Damit beendet sie eine über zwei Jahrzehnte alte Praxis der Budgetkosmetik.

Finaler Schlussstrich unter den “Budget-Trick”

Mit dem heutigen Neujahrstag kehren die letzten ausgelagerten Immobilien in das direkte Eigentum der Stadt zurück. Das Paket umfasst einen Buchwert von 103 Millionen Euro. Betroffen sind Amtshäuser, Schulen, Kindergärten, Sportplätze und kulturelle Wahrzeichen wie die Oper. Sogar städtische Waldflächen sind Teil der Transaktion.

Finanzstadtrat Manfred Eber (KPÖ) sieht darin mehr als einen Verwaltungsakt. Der Schritt stelle die “Budgetwahrheit” wieder her. Schulden und Vermögen werden nun wieder dort abgebildet, wo die politische Verantwortung liegt: im städtischen Haushalt.

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Vom Verkauf an die Tochter zur Rückkehr

Um die Tragweite zu verstehen, lohnt ein Blick zurück. In den Jahren 2002 und 2012 verkaufte Graz massiv eigenes Eigentum an die städtische Tochter GBG. Diese nahm Kredite auf, um die Gebäude zu kaufen, und vermietete sie zurück an die Stadt.

Kritiker nannten das ein “Nullsummenspiel”. Der Zweck: Den offiziellen Schuldenstand der Stadt optisch zu senken. Die Verbindlichkeiten der GmbH tauchten nicht im Stadtbudget auf.

Eine erste große Rückführung gab es bereits 2018 mit einem Volumen von 413 Millionen Euro. Auslöser waren geänderte EU-Regeln, die solche Tricks nutzlos machten. Mit dem heutigen Schritt ist die Bereinigung nun vollständig abgeschlossen.

Mehr Transparenz, weniger Bürokratie

Ein Hauptargument für die Rückführung ist die administrative Effizienz. Das komplexe Miet-Karussell entfällt. Bisher zahlte die Stadt Miete an ihre eigene Tochter, damit diese Kredite tilgen konnte.

Die direkte Eigentümerschaft ermöglicht nun eine einfachere Steuerung. Die GBG bleibt als Dienstleister für Betrieb und Instandhaltung erhalten, ist aber kein künstlicher “Zwischen-Eigentümer” mehr.

Die Transaktion ist auch ein politisches Signal der aktuellen Koalition. Sie betont den Kurs, städtisches Eigentum transparent im Kernhaushalt abzubilden – selbst wenn das die ausgewiesenen Schulden kurzfristig erhöht.

Was ändert sich für den Haushalt?

Die Rückbuchung der 103 Millionen Euro hat direkte bilanzielle Folgen:
* Der ausgewiesene Schuldenstand der Stadt steigt, weil die Verbindlichkeiten der GBG übernommen werden.
* An der realen wirtschaftlichen Lage der “Konzern Stadt Graz” ändert sich nichts.

Finanzexperten bewerten den Schritt positiv. Er beseitigt bürokratische Reibungsverluste und schafft Klarheit. Da den Schulden reale Immobilienwerte gegenüberstehen, bleibt die Substanz erhalten. Ratingagenturen honorieren solche Bereinigungen oft als gute Governance.

Blick nach vorn: Sanieren und modernisieren

Mit dem Abschluss der Rückführungen richtet sich der Fokus auf die Zukunft. Die Stadt kann nun leichter in die Sanierung und den Ausbau ihrer Infrastruktur investieren.

Die vereinfachte Struktur könnte Entscheidungen beschleunigen – etwa bei der thermischen Sanierung von Schulen. In den kommenden Monaten werden detaillierte Pläne erwartet, wie Graz seinen Gebäudebestand klimafit machen will.

Das Kapitel der budgetären Auslagerungen ist in Graz damit Geschichte. Ab heute gilt wieder: Was der Stadt gehört, wird auch von der Stadt verwaltet und bilanziert.

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