GovTech, Kommunal

GovTech Kommunal startet digitale Offensive für Deutschlands Rathäuser

03.01.2026 - 06:31:12

Die neue Initiative GovTech Kommunal will mit einer zentralen Plattform und Umsetzungshilfe den Digitalisierungsstau in Deutschlands Städten und Gemeinden beenden.

Deutschlands Kommunen erhalten eine zentrale Schaltstelle für ihre digitale Modernisierung. Die Initiative GovTech Kommunal hat ihre operative Arbeit aufgenommen und will mit 13 Gründungskommunen den Flickenteppich lokaler Softwarelösungen beenden. Das Ziel: eine einheitliche, skalierbare Infrastruktur für alle 11.000 Städte und Gemeinden.

Die digitale Baustelle der Kommunen

Das Problem ist bekannt, die Lösung blieb bisher aus: Während Bund und Länder unter dem Onlinezugangsgesetz (OZG) Fortschritte machen, hinken die Rathäuser bei der Digitalisierung hinterher. Oft fehlen Ressourcen und technisches Know-how. Die Folge ist ein undurchdringliches Dickicht aus inkompatiblen Systemen. GovTech Kommunal soll nun als zentrale Umsetzungseinheit diese Lücke schließen.

Die Initiative bündelt kommunale Bedarfe und entwickelt skalierbare Standardlösungen. Sie agiert als Brücke zwischen Tech-Branche und Verwaltung. So soll verhindert werden, dass tausende Kommunen einzeln fast identische Software einkaufen. Zu den 13 Gründungsmitgliedern zählen Städte wie Heilbronn und Rüsselsheim am Main, aber auch ländliche Kreise wie Bergstraße. Diese Mischung soll sicherstellen, dass die Lösungen für Metropolen und kleine Gemeinden gleichermaßen funktionieren.

Drei Säulen für die Praxis

Ab dem ersten Quartal 2026 bietet GovTech Kommunal konkrete Unterstützung in drei Kernbereichen an. Der Fokus liegt auf sofort umsetzbaren Hilfen.

1. Die kommunale Technologieplattform
Herzstück ist eine gemeinsame digitale Plattform. Statt eigene Insellösungen zu beschaffen, erhalten Mitgliedskommunen Zugang zu einem geprüften „App-Store“ für die Verwaltung. Das soll Beschaffungszeiten drastisch verkürzen und Kompatibilität sicherstellen. Priorität haben häufig nachgefragte Dienstleistungen wie digitale Bauanträge, Meldeangelegenheiten oder sichere Bürgerkommunikation.

2. Umsetzungsunterstützung und Skalierung
Viele kleine Kommunen scheitern nicht am Softwaremangel, sondern an der Integration in bestehende Systeme. Hier setzt die praktische Hilfe von GovTech Kommunal an. Eigene Teams unterstützen die IT-Abteilungen vor Ort bei der Einführung – inklusive rechtlicher Absicherung. Dies soll die Verbreitung von „Einer für Alle“ (EfA)-Lösungen beschleunigen.

3. Kompetenzaufbau für Verwaltungsmitarbeiter
Die dritte Säule bekämpft den Fachkräftemangel. Mit praxisorientierten Lernprogrammen will die Initiative Verwaltungsmitarbeiter in Zukunftstechnologien wie Künstlicher Intelligenz (KI), Cloud-Computing und Cybersicherheit schulen. Das Ziel: Die digitale Souveränität in den Rathäusern stärken.

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Führung mit Lokal-Know-how

Die Leitung von GovTech Kommunal übernimmt Marian Schreier, ehemaliger Bürgermeister von Tengen. Seine Lokalerfahrung gilt als entscheidender Vorteil, um die bürokratischen und finanziellen Zwänge der Kommunen zu verstehen. „Unsere primäre Aufgabe ist es, innovative Technologie für Kommunen jeder Größe und jedes Budgets zugänglich zu machen“, betont Schreier.

Die Initiative ist eingebettet in GovTech Deutschland, die Dachorganisation, die sich im Oktober 2025 neu aufstellte. Verstärkung erhält die Führungsebene durch die Digitalexpertin und frühere Bundestagsabgeordnete Nadine Schön. Ihre Rolle unterstreicht den politischen Willen, die Lücke zwischen Gesetzgebung und Praxis zu schließen. 2026 soll zum Jahr der Skalierung werden.

Kann die Initiative der „fehlende Baustein“ sein?

Die Gründung kommt zu einem kritischen Zeitpunkt. Obwohl das OZG 2.0 den rechtlichen Rahmen setzte, stockte die Umsetzung in den Kommunen oft an Ressourcen und Koordinationsproblemen. Branchenbeobachter sehen in GovTech Kommunal nun den potenziellen „fehlenden Baustein“. Durch zentrales Prüfen und Beschaffen sinkt das Risiko für Bürgermeister, neue Technologien einzusetzen. Die Einbindung der Privatwirtschaft über das GovTech-Ökosystem soll zudem für moderne, nutzerfreundliche Lösungen sorgen.

Doch die Herausforderungen sind enorm. Der Erfolg hängt von der Geschwindigkeit der Verbreitung ab. Die 13 Gründungskommunen sind nur der Pilot. Um systemische Wirkung zu entfalten, muss die Initiative 2026 aggressiv um Mitglieder werben. Nur mit einer kritischen Masse können Skaleneffekte der Plattformökonomie greifen.

Der Schritt folgt einem europäischen Trend zu engerer GovTech-Zusammenarbeit. Deutschland will so nicht nur seine Verwaltung modernisieren, sondern auch die digitale Souveränität stärken und Abhängigkeiten von nicht-europäischen Softwareanbietern verringern.

Was 2026 zu erwarten ist

Die Arbeit beginnt sofort mit der Integration der Gründungskommunen. Im ersten Quartal stehen Workshops und die Priorisierung erster Pilotanwendungen auf der Agenda. Das Jahr über will die Initiative die Mitgliedschaft für alle deutschen Kommunen öffnen. Ein gestaffelter Beitragssatz soll auch kleinen Gemeinden die Teilnahme ermöglichen.

Technologisch wird später im Jahr der Fokus auf KI-Integration in Verwaltungsabläufen liegen. Die Lernprogramme laufen an, und erste Pilotprojekte für Dokumentenverarbeitung oder Bürgeranfragen mit KI-Unterstützung sind geplant.

GovTech Kommunal markiert einen pragmatischen Wechsel von der Strategie zur Umsetzung. Gelingt der Vorstoß, könnten Bürger 2026 endlich einheitliche, digitale Schnittstellen zu ihrem Rathaus erleben — und das Ende der analogen Ära in Deutschlands Verwaltungen.

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