Google-Übernahme, Brüssel

Google-Übernahme: Brüssel verschärft Druck auf Tech-Giganten

08.01.2026 - 13:43:12

Die EU-Behörde stellt Google ein Ultimatum für die Wiz-Übernahme und untersucht KI-Datenpraktiken sowie Metas WhatsApp-Integration. 2026 wird zum Jahr großer Strukturentscheidungen gegen Marktmachtmissbrauch.

Die Europäische Kommission signalisiert zum Jahresbeginn klare Kante gegen die großen Technologiekonzerne. Mit einer Reihe von neuen Ermittlungen und strikten Fristen zeigt Brüssel, dass es die digitalen Spielregeln durchsetzen will – und zwar konsequent. Im Fokus: Googles gigantische Wiz-Übernahme und die umstrittenen Datenpraktiken der KI-Branche.

Wiz-Deal: Kommission setzt klares Ultimatum

Das Wichtigste zuerst: Die Europäische Kommission hat Google eine Frist bis zum 10. Februar 2026 gesetzt. Bis dahin muss die Behörde über die geplante Übernahme des Cybersecurity-Startups Wiz entscheiden – es geht um 32 Milliarden Euro.

Diese Akquisition ist Googles Größte. Und die EU will wissen: Verstärkt sich dadurch die Marktmacht? Wird die Konkurrenz erdrückt? Die Kommission prüft jetzt, ob Googles Cloud-Infrastruktur kombiniert mit Wiz’ Sicherheitsplattform zu einer bedenklichen Konzentration führt – und damit Innovationen bremst.

Die Behörde hat drei Wege: Sie kann den Deal durchwinken, sie kann Auflagen machen oder sie kann eine tiefergehende Prüfung einleiten. Während die USA den Deal schon freigegeben haben, ist Europa deutlich skeptischer. Hier gelten andere Maßstäbe – und die sind strenger.

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KI-Training ohne Erlaubnis: Neue Ermittlungen

Doch damit nicht genug. Die Kommission weitet ihre Untersuchungen auf ein noch heißeres Thema aus: Wie trainieren Tech-Konzerne ihre KI-Modelle?

Das Problem liegt auf der Hand: Google, Meta und Co. nutzen Daten aus dem Internet, ohne die Original-Autoren angemessen zu bezahlen oder um Erlaubnis zu fragen. Artikel von Journalisten, Fotos von Fotografen, Texte von Schreibern – alles wird in riesigen Mengen als Trainingsmaterial geplündert. Besonders Googles neuen KI-Überblick in der Suche unter die Lupe nehmen die Ermittler jetzt.

Die Kommission prüft konkret: Gibt es wirklich echte Opt-out-Möglichkeiten für Verlage und Creator? Oder ist das nur Augenwäsche?

Meta unter Druck: WhatsApp-KI sorgt für Streit

Ein weiterer Brennpunkt ist Meta. Ab dem 15. Januar – also nächste Woche – soll die neue KI-Funktion in WhatsApp starten. Meta integriert seinen eigenen KI-Assistenten und macht es gleichzeitig schwerer für Konkurrenten, ihre Dienste anzubinden.

Das rüttelt der Kommission gewaltig auf. Sie hat eine formelle Ermittlung gestartet: Verstößt Meta damit gegen das neue Digital-Markets-Gesetz (DMA)? Praktisch: Werden europäische Unternehmen gezwungen, Metas eigene KI zu nehmen, statt freie Wahl zu haben?

Das Muster ist klar: Europa sagt Nein zu „Move Fast and Break Things”

Wer die Entwicklung verfolgt hat, sieht ein Muster: 2025 war das Jahr der Strafen. Im September 2,95 Milliarden Euro gegen Google für Werbetrick-Praktiken. Im April über 700 Millionen Euro gegen Apple und Meta für fragwürdige Datenmodelle.

2026 wird das Jahr der großen Strukturentscheidungen. Europa konzentriert sich nicht nur auf Geldstrafen – es denkt über Zerschlagungen nach. Die Frage ist nicht mehr: Wie viel Strafe? Sondern: Muss ein Unternehmen aufgeteilt werden?

Besonders bei der Schnittstelle von künstlicher Intelligenz und Datenschutz zeigt Brüssel Zähne. Der Gedanke dahinter ist konsequent: Wer mit KI die Zukunft kontrolliert, kontrolliert alles. Das lässt sich nicht einfach dem Markt überlassen.

Was kommt jetzt: Die nächsten kritischen Wochen

Der Februar wird entscheidend. Wenn die Kommission die Wiz-Übernahme tiefergehend prüft, ist das ein Signal: Vertikale Fusionen in der Tech-Branche werden nicht automatisch durchgewunken – das Gegenteil ist der Fall.

Gleichzeitig könnte Meta die WhatsApp-Richtlinie schon im nächsten Monat stoppen müssen, wenn die Kommission sofort handelt. Die Folge wäre ein beschleunigtes Verfahren – und dramatische Konsequenzen für Meta.

2026 wird auch das erste Jahr echter Anwendung des EU-KI-Gesetzes. Die neuen Regeln für „hochriskante” KI-Systeme treten in Kraft. Für Silicon Valley eine neue Realität: In Europa gelten andere Regeln als in San Francisco. Und Europa ist bereit, sie durchzusetzen.

Die Botschaft aus Brüssel ist unmissverständlich: Für Tech-Giganten ist Schluss mit dem wilden Westen. Datenraub, Marktmacht-Missbrauch und Nebelkerzen-Compliance funktionieren hier nicht mehr. Die Frage lautet nun: Passen sich die Konzerne an – oder wird es teuer?

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