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Goldman Sachs Group: Investmentbank trotzt Zinswende – wie viel Potenzial steckt noch in der Aktie?

30.12.2025 - 05:07:43

Die Goldman-Sachs-Aktie hat ein starkes Jahr hinter sich und profitiert von wiederbelebten Kapitalmärkten. Doch nach kräftigen Kursgewinnen stellt sich die Frage: Einstieg, Halten – oder Gewinne sichern?

Die Aktie der Goldman Sachs Group hat sich im zu Ende gehenden Börsenjahr vom Sorgenkind zur Comeback-Story entwickelt. Nach einer schwächeren Phase im Investmentbanking und kräftigem Gegenwind durch hohe Zinsen signalisieren die jüngsten Kursbewegungen: Die Wall Street setzt wieder stärker auf das traditionelle Handels- und Beratungsgeschäft der US-Großbank – und damit auf steigende Erträge aus Börsengängen, Fusionen und Anleiheemissionen.

Goldman Sachs Group: Informationen zum Konzern, Geschäftsmodell und Investor-Relations

Das Sentiment rund um die Goldman-Sachs-Aktie hat sich zuletzt deutlich aufgehellt. Der Kurs notiert in der Nähe seiner 52-Wochen-Höchststände, die Markterwartungen an wieder anziehende Kapitalmarktaktivitäten steigen. Die Aktie profitiert davon, dass Anleger erneut Qualitätswerte im Finanzsektor suchen – insbesondere solche Institute, die sowohl vom Handel als auch vom Beratungsgeschäft und vom Vermögensmanagement profitieren.

Ein-Jahres-Rückblick: Das Investment-Szenario

Wer vor rund einem Jahr bei Goldman Sachs eingestiegen ist, hat heute guten Grund zur Zufriedenheit. Ausgehend von den Schlusskursen zum Jahreswechsel liegt die Rendite im deutlich zweistelligen Prozentbereich. Die Aktie hat sich damit besser entwickelt als viele breite Bankenindizes und bewegt sich im oberen Mittelfeld der großen US-Finanzwerte.

Die Volatilität war dabei keineswegs zu unterschätzen: In den vergangenen zwölf Monaten pendelte das Wertpapier zwischen einem 52-Wochen-Tief im Bereich deutlich unterhalb der aktuellen Notierungen und einem frischen Hoch, das nur knapp unter den Pandemie- und Vorzinsschock-Spitzenkursen liegt. Wer Kursrücksetzer im späten Frühjahr und Sommer für Zukäufe nutzte, kann inzwischen überproportionale Buchgewinne verbuchen. Die Kursentwicklung spiegelt dabei eine Neubewertung des Geschäftsmodells wider: Nach einer Phase, in der schwächere Erträge im Handel und im klassischen Investmentbanking die Stimmung drückten, spielt nun das strukturelle Ertragspotenzial bei wiederbelebten Kapitalmärkten eine größere Rolle.

Auch im kurzfristigen Bild präsentiert sich die Aktie robust. In den vergangenen fünf Handelstagen zeigte sich ein leicht aufwärts gerichteter Trend mit zwischenzeitlichen Konsolidierungen. Auf Sicht von rund drei Monaten überwiegt klar die positive Tendenz: Eine Serie höherer Tiefs und höherer Hochs deutet auf ein konstruktives Chartbild hin. Aus technischer Sicht ist der übergeordnete Trend damit als aufwärtsgerichtet einzustufen, auch wenn das Papier nach der jüngsten Rally phasenweise überkaufte Zonen berührt.

Aktuelle Impulse und Nachrichten

Für frischen Rückenwind sorgten zuletzt mehrere Nachrichten aus dem operativen Geschäft. Vor wenigen Tagen machten neue Meldungen zu einer wieder deutlich fülligeren Transaktionspipeline im Investmentbanking die Runde. Nach der Phase hoher Zinsen, in der viele Börsengänge und Übernahmen verschoben wurden, kehren Emittenten und Finanzinvestoren schrittweise an den Markt zurück. Goldman Sachs gilt traditionell als einer der ersten Profiteure eines solchen Stimmungsumschwungs, da der Konzern in zentralen Segmenten – von US-Börsengängen über große M&A-Transaktionen bis hin zur strukturierten Finanzierung – zu den tonangebenden Häusern gehört.

Hinzu kommt: Anfang der Woche hatten Unternehmensvertreter auf Investorenkonferenzen und in Interviews betont, dass der Konzern seine Strategie nach den Fehlversuchen im Massengeschäft (Stichwort Konsumentenkredite und Digitalbanking für Privatanleger) weiter fokussiert. Die Abschreibungen und strategischen Korrekturen in diesem Bereich sind weitgehend verarbeitet, der Schwerpunkt liegt nun wieder auf den traditionellen Stärken: globales Investmentbanking, Handel mit Wertpapieren und Derivaten sowie Vermögens- und Asset-Management für wohlhabende Kunden und institutionelle Anleger. Diese klarere strategische Ausrichtung wird an der Börse positiv aufgenommen, weil sie die Ergebnisqualität erhöhen und die Kapitaleffizienz verbessern soll.

Vor wenigen Tagen signalisierten zudem Medienberichte, dass Goldman Sachs im Asset-Management stärker auf alternative Anlagen wie Private Equity, Private Credit und Infrastruktur setzen will. In einem Umfeld, in dem sich viele institutionelle Investoren nach stabileren Renditequellen abseits klassischer Anleihen umsehen, könnte dies langfristig eine wichtige Wachstumssäule sein. Ergänzend kursierten Spekulationen über mögliche Stellenanpassungen in weniger profitablen Bereichen, was die Hoffnung auf eine weiterhin strikte Kostenkontrolle befeuert.

Das Urteil der Analysten & Kursziele

Die Analystengemeinde zeigt sich jüngst wieder deutlich konstruktiver gegenüber der Goldman-Sachs-Aktie. In den vergangenen Wochen haben mehrere große Häuser ihre Einschätzungen aktualisiert. Insgesamt überwiegen Kaufempfehlungen deutlich, während neutrale Einstufungen vor allem auf Bewertungsfragen nach der starken Kursrally verweisen. Verkaufsempfehlungen sind im Marktbild derzeit eher die Ausnahme.

Ein großes US-Haus wie JPMorgan bewertet die Aktie weiterhin mit "Overweight" beziehungsweise einer Kaufempfehlung und sieht den fairen Wert oberhalb der aktuellen Notierung. Das Kursziel wurde im Zuge der jüngsten Quervergleiche mit Wettbewerbern leicht angehoben. Begründung: Goldman Sachs könne bei einer anhaltenden Belebung im Emissions- und Fusionsgeschäft überproportional profitieren, weil das Institut in mehreren hochmargigen Nischen führend sei.

Auch andere Häuser – darunter Morgan Stanley und Bank of America – äußerten sich zuletzt positiv und sprechen von einem attraktiven Chancen-Risiko-Profil. Kursziele großer Wall-Street-Banken liegen häufig im Bereich eines mittleren bis hohen einstelligen Prozentsatzes über dem aktuellen Kurs, einige Institute trauen dem Wertpapier mittelfristig sogar zweistellige prozentuale Aufschläge zu. Deutsche Bank und andere europäische Analysehäuser zeigen sich im Grundton ebenfalls optimistisch, verweisen jedoch stärker auf zyklische Risiken, etwa bei einer unerwartet starken Abkühlung der US-Konjunktur.

Das durchschnittliche Konsenskursziel der maßgeblichen Analysten – gemittelt über die jüngsten Studien der vergangenen Wochen – liegt spürbar über der aktuellen Marktbewertung, was in Summe auf ein überwiegend bullisches Sentiment schließen lässt. Gleichzeitig mahnen einige Analysten zur Vorsicht: Nach der kräftigen Kursrally seien Rückschläge bei Enttäuschungen im Quartalsbericht oder bei einer abrupten Sentimentdrehung an den Kapitalmärkten keineswegs ausgeschlossen.

Ausblick und Strategie

Der Blick nach vorn dreht sich im Wesentlichen um drei Fragen: Wie stark beleben sich die globalen Kapitalmärkte? Kann Goldman Sachs seine Kostenbasis weiter verschlanken, ohne Wachstumschancen zu gefährden? Und wie gut gelingt es, das Geschäftsmodell breiter aufzustellen, um zyklische Schwankungen im Investmentbanking zu glätten?

Im Basisszenario vieler Marktteilnehmer dürfte die geplante Zinsentwicklung der US-Notenbank eine Schlüsselfunktion einnehmen. Eine Phase moderater, aber nicht dramatisch fallender Zinsen wäre für Goldman Sachs ideal: Sie könnte die Risikobereitschaft an den Kapitalmärkten fördern, ohne die Zinsmargen im Kredit- und Einlagengeschäft abrupt zu verschlechtern. In einem solchen Umfeld würden vor allem Börsengänge, Fremdkapitalfinanzierungen und komplexe Unternehmensübernahmen wieder stärker in Gang kommen – alles Ertragsquellen, bei denen Goldman Sachs traditionell zu den ersten Adressen gehört.

Strategisch setzt das Institut auf mehrere Säulen: Zum einen auf eine Stärkung des stabileren Vermögensverwaltungs- und Asset-Management-Geschäfts, das planbare Gebühreneinnahmen generiert. Hier spielen alternative Anlagen eine immer größere Rolle. Zum anderen auf die Nutzung technologischer Vorteile im Handel, etwa beim elektronischen Market-Making in Anleihen und Derivaten sowie bei riskoarmen, volumengetriebenen Geschäftsmodellen.

Für Anleger stellt sich die Frage, wie sie die Bewertung einordnen. Nach dem Kursanstieg ist der Bewertungsabschlag gegenüber einigen Wettbewerbern im US-Bankensektor geschrumpft, aber nicht vollständig verschwunden. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis bewegt sich auf einem historisch eher moderaten Niveau, solange die Gewinnerwartungen für die nächsten Jahre eintreten. Entscheidend wird sein, ob Goldman Sachs in den kommenden Quartalen beweisen kann, dass die Rückkehr zum Kerngeschäft – flankiert von effizientem Kostenmanagement – tatsächlich zu nachhaltig höheren Renditen auf das Eigenkapital führt.

Langfristig orientierte Investoren könnten die Aktie als Hebel auf die Entwicklung der globalen Kapitalmärkte betrachten: Läuft das Umfeld für Deals und Börsengänge, dürften Ertrag und Bewertung von Goldman Sachs überproportional profitieren. Kurzfristig orientierte Marktteilnehmer sollten hingegen die erhöhte Zyklik und die Abhängigkeit vom Sentiment im Hinterkopf behalten. Nach der jüngsten Rally könnte eine technische Verschnaufpause mit Seitwärtsbewegungen oder moderaten Rücksetzern jederzeit einsetzen, ohne dass der übergeordnete Aufwärtstrend damit zwangsläufig gebrochen wäre.

Unterm Strich gilt: Die Goldman-Sachs-Aktie ist zurück im Fokus institutioneller Anleger. Wer an eine Fortsetzung der Erholung an den Kapitalmärkten glaubt und einen gewissen Konjunktur- und Zinszyklus-Risikoanteil im Portfolio akzeptiert, findet in dem Wertpapier einen qualitativ hochwertigen, aber keineswegs risikolosen Hebel auf die globalen Finanzströme.

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