Globale, Offensive

Globale Offensive gegen Deepfake-Missbrauch erreicht neuen Höhepunkt

18.01.2026 - 08:23:12

Internationale Behörden verschärfen massiv den Druck auf Tech-Plattformen, die für nicht-einvernehmliche pornografische KI-Inhalte genutzt werden. Neue Gesetze und Sperrungen markieren das Ende der Selbstregulierung.

Eine internationale Welle von Regulierungsmaßnahmen erschüttert die KI-Branche. Regulatoren auf mehreren Kontinenten gehen entschlossen gegen Plattformen vor, die zur Erstellung nicht-einvernehmlicher pornografischer Deepfakes genutzt werden. Diese koordinierte Aktion markiert eine neue, aggressive Phase im globalen Ringen um die Kontrolle Künstlicher Intelligenz.

Ungekannter Druck auf Tech-Giganten

Die vergangene Woche brachte einen Kaskadeneffekt behördlicher Eingriffe. Den Auftakt machte die britische Medienaufsicht Ofcom, die am 12. Januar eine formelle Untersuchung gegen die Plattform X und deren KI-Tool Grok einleitete. Geprüft wird ein Verstoß gegen den Online Safety Act, der das Teilen nicht-einvernehmlicher intimer Bilder – auch KI-generierter – verbietet.

Noch drastischer reagierten Malaysia und Indonesien: Als erste Staaten weltweit sperrten sie den Zugang zu Grok komplett. Die Begründung: Die vorhandenen Sicherheitsvorkehrungen gegen schädliche Deepfakes seien unzureichend. Parallel ordnete die EU-Kommission an, alle Grok-relevanten Dokumente bis Ende 2026 aufzubewahren. Auch Frankreich und Indien haben Ermittlungen aufgenommen.

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Unter diesem globalen Druck kündigte X an, Grok so zu modifizieren, dass es keine Bilder realer Personen mehr bearbeiten kann. In den USA verschärfte der Senat den Ton: Acht Senatoren forderten von sechs Tech-Konzernen – darunter Meta und Alphabet – detaillierte Nachweise über ihre Schutzmaßnahmen gegen sexualisierte Deepfakes.

Neue Gesetze schaffen scharfe Werkzeuge

Die Durchsetzungswelle wird durch frisches Recht gestützt. Die britische Regierung setzte am 15. Januar ein neues „Deepfake-Missbrauchs-Delikt“ in Kraft, das klare Strafen für das Erstellen und Verbreiten bösartiger synthetischer Inhalte vorsieht.

In den USA hat der Senat den DEFIANCE Act verabschiedet. Das Gesetz, das nun das Repräsentantenhaus passieren muss, würde Opfern nicht-einvernehmlicher expliziter Deepfakes ein zivilrechtliches Klagerecht gegen Urheber und Verbreiter geben. Bereits im Mai 2025 war der bundesweite TAKE IT DOWN Act beschlossen worden. Er stellt die Verbreitung solcher Inhalte unter Strafe und verpflichtet Plattformen ab dem 19. Mai 2026 zu einem klaren Melde- und Löschverfahren mit 48-Stunden-Frist.

Auf US-Bundesstaatenebene trat zu Jahresbeginn ein Flickenteppich strenger KI-Gesetze in Kraft. Das texanische Responsible AI Governance Act verbietet ausdrücklich die Entwicklung von KI-Systemen, die explizite Deepfakes mit Minderjährigen erstellen sollen. Kaliforniens Transparency in Frontier AI Act zwingt große KI-Entwickler zur Offenlegung ihrer Sicherheitsrahmen und Risikominderungsstrategien.

Von Grundsätzen zur harten Durchsetzung

Die jüngsten Maßnahmen zeigen einen klaren globalen Konsens über eine regulatorische „rote Linie“: den Einsatz von KI zur Erstellung nicht-einvernehmlicher pornografischer Bilder, besonders mit Minderjährigen. Anders als bei komplexen Debatten über KI-Bias oder Transparenz zeigen Regulatoren hier null Toleranz. Sie nutzen bestehende Gesetze zum Jugendschutz, Verbraucherschutz und gegen Obszönität für sofortiges Handeln.

Diese Durchsetzungswelle fällt mit der Reifung breiterer Regulierungsrahmen zusammen. Die EU wird mit ihrem KI-Gesetz ab dem 2. August 2026 strenge Transparenzpflichten einführen, darunter die klare Kennzeichnung und Wasserzeichen für KI-generierte Inhalte. Zur Vorbereitung erarbeitet die EU-Kommission einen freiwilligen Transparenz-Kodex, dessen erster Entwurf Ende 2025 vorlag und der Mitte 2026 finalisiert werden soll. Die Strafen bei Nichteinhaltung des KI-Gesetzes sind massiv: bis zu sieben Prozent des weltweiten Jahresumsatzes eines Unternehmens.

Ausblick: Ein Jahr des verschärften Drucks

Die Ereignisse des frühen 2026 leiten ein Jahr intensiven regulatorischen Drucks ein. Der Fokus verschiebt sich rapide von freiwilligen Selbstverpflichtungen zu rechtlich bindenden Verpflichtungen mit erheblichen finanziellen und juristischen Konsequenzen.

Die internationale Kooperation verdichtet sich. Das Internationale Netzwerk der KI-Sicherheitsinstitute – mit USA, UK und EU – arbeitet an gemeinsamen Testprotokollen und einem einheitlichen wissenschaftlichen Verständnis von KI-Risiken. Ziel sind interoperable Standards, die eine regulatorische Zersplitterung verhindern.

Wenn weitere Teile des EU-KI-Gesetzes und verschiedener US-Gesetze im Laufe des Jahres durchsetzbar werden, steht die Tech-Branche unter wachsendem Druck, „Safety-by-Design“-Prinzipien in ihre Entwicklungsprozesse einzubetten. Die Ära der Selbstregulierung endet entschieden. Sie wird ersetzt durch strikte staatliche Aufsicht und einen globalen Konsens: Den tiefgreifenden Risiken der KI müssen ebenso tiefgreifende Schutzmaßnahmen gegenüberstehen.

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