Glencore plc, JE00B4T3BW64

Glencore plc: Zwischen Rohstoffflaute, Energiewende und Neubewertung – was die Aktie jetzt treibt

26.01.2026 - 10:15:43

Die Glencore-Aktie ringt nach einem schwachen Jahr um Richtung und Vertrauen. Sinkende Rohstoffpreise, Dividendenkürzung und Unsicherheit über Kohle prägen das Bild – doch Analysten sehen selektive Chancen.

Kaum ein Rohstoffwert im internationalen Leitindex-Universum spiegelt die Spannungen der globalen Energiewende so direkt wider wie Glencore plc. Die Aktie des Bergbau- und Rohstoffhändlers steht im Spannungsfeld aus schwächelnden Metallpreisen, politischem Druck auf Kohle, anhaltenden Compliance-Risiken – und gleichzeitig der Hoffnung auf eine neue Investitionswelle in Kupfer, Nickel und andere Energiewende-Metalle. Nach einem enttäuschenden Börsenjahr stellt sich für Anleger die Frage: Ist die Glencore-Aktie ein Value-Falle oder ein antizyklischer Einstiegszeitpunkt?

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Marktbild: Kurs, Trends und Sentiment

Die Glencore-Aktie (ISIN JE00B4T3BW64) notiert aktuell im Bereich von rund 3,95 bis 4,05 Britischen Pfund. Laut Kursübersichten von Reuters und Yahoo Finance wird der Titel damit nur knapp über dem jüngsten Mehrmonatstief gehandelt. Der Schlusskurs des letzten Handelstages lag bei etwa 4,00 Pfund. Sowohl Reuters als auch Yahoo Finance weisen für die vergangenen fünf Handelstage eine leicht negative bis bestenfalls seitwärts gerichtete Entwicklung aus; kurzfristige Erholungsversuche wurden rasch wieder abverkauft.

Im Drei-Monats-Vergleich hat die Aktie spürbar an Wert verloren. Vom Niveau deutlich über 4,50 Pfund zu Beginn dieses Zeitraums hat sich der Kurs in mehreren Wellen nach unten bewegt. Belastend wirkten schwächere Metallpreise, insbesondere bei Kupfer und Zink, sowie zunehmende Skepsis der Investoren gegenüber Kohleengagements großer Produzenten. Die 90-Tage-Performance ist damit eindeutig negativ und unterstreicht, dass institutionelle Anleger zuletzt eher auf der Verkäuferseite standen.

Der Blick auf die Spanne der vergangenen zwölf Monate zeigt, wie stark die Schwankungen waren: Die 52?Wochen-Höchststände lagen deutlich oberhalb des aktuellen Niveaus, während die jüngsten Tiefs nur knapp über dem derzeitigen Kurs notierten. Diese Konstellation signalisiert, dass der Markt Glencore im Moment eher im unteren Bewertungsband ansetzt – ein Hinweis auf Zurückhaltung und Skepsis.

Das übergreifende Sentiment wirkt daher leicht bärisch: Viele Marktteilnehmer zweifeln, ob Glencore seine Gewinnkraft bei rückläufigen Kohlepreisen kompensieren kann und ob das Handelsgeschäft in einem insgesamt verlangsamten Welthandel ähnlich hohe Margen wie in den Boomjahren erzielen wird. Zugleich schreckt die Unsicherheit über mögliche weitere regulatorische Forderungen und ESG-Kriterien einige Investoren ab.

Ein-Jahres-Rückblick: Das Investment-Szenario

Wer vor rund einem Jahr in die Glencore-Aktie eingestiegen ist, braucht im Moment starke Nerven. Damals lag der Schlusskurs – den Daten von Yahoo Finance und anderen Kursanbietern zufolge – merklich über dem heutigen Niveau. Auf Basis dieser Marktdaten ergibt sich über zwölf Monate ein deutlich negatives Ergebnis: Anleger verzeichnen je nach Einstiegszeitpunkt einen zweistelligen prozentualen Kursrückgang.

Rechnerisch entspricht dies einem Verlust im niedrigen bis mittleren zweistelligen Prozentbereich. Wer also beispielsweise ein Investment von 10.000 Euro in Glencore-Aktien vor einem Jahr getätigt hat, muss heute – Dividenden ausgenommen – einen Buchverlust von mehr als 1.000 Euro akzeptieren. Emotionale Bilanz: Statt der erhofften Rohstoffrallye erleben viele Investoren eine zähe Phase aus Kursrückschlägen, schwankenden Erwartungen und immer neuen Debatten über die Zukunft der Kohlesparte.

Ein Teil dieses Rückgangs ist auf den Zyklus im Rohstoffsektor zurückzuführen. Nach außergewöhnlich starken Jahren mit Rekordgewinnen im Handel und im Kohlegeschäft kehrt eine gewisse Normalisierung ein. Hinzu kommt, dass Glencore ausgerechnet jenem Segment – der Kohle – den Rücken kehren will, das die Ergebnisse in den vergangenen Jahren stützte. Diese strategische Transformation kostet zunächst Marge und sorgt an der Börse für Bewertungsabschläge.

Aktuelle Impulse und Nachrichten

In den vergangenen Tagen und Wochen wurde die Glencore-Aktie von mehreren kursrelevanten Nachrichten bewegt. Zum einen stand die angekündigte Abspaltung beziehungsweise schrittweise Reduktion des Kohlegeschäfts erneut im Fokus. Medienberichte bei Reuters und Bloomberg schildern, dass der Konzern weiterhin an Szenarien arbeitet, wie sich die Kohlesparte mittelfristig aus dem Konzernverbund herauslösen lässt – sei es über einen Börsengang, eine Auslagerung in ein separates Unternehmen oder durch Verkäufe von Einzelassets. Politischer und investorenseitiger Druck, Kohle-Exposition zu reduzieren, bleibt hoch.

Zum anderen rückten Spekulationen über mögliche Akquisitionen und Partnerschaften im Bereich der Energiewende-Metalle in den Vordergrund. Analystenkommentare, die in Finanzmedien wie „Handelsblatt“ und auf internationalen Plattformen zitiert wurden, betonen, dass Glencore seine Position als einer der weltweit wichtigsten Kupfer- und Kobaltförderer strategisch ausbauen will. Gleichzeitig wird immer wieder auf die Risiken hingewiesen: Hohe Investitionskosten, politische Unsicherheiten in Förderländern wie der Demokratischen Republik Kongo sowie ESG-Themen erschweren eine klare Neubewertung durch den Markt.

Vor wenigen Tagen sorgten zudem aktualisierte Dividendenerwartungen und Hinweise auf eine eher vorsichtige Ausschüttungspolitik für Zurückhaltung. Nach den sehr üppigen Rückflüssen in den Hochpreisjahren scheinen Vorstand und Aufsichtsrat auf einen konservativeren Kurs umzuschwenken, um Kapital für künftige Investitionen bereitzuhalten und gleichzeitig die Bilanz gegen Konjunktur- und Preisrisiken zu wappnen. Für Dividendenjäger ist dies kurzfristig wenig attraktiv, langfristig könnte die Stärkung der Bilanz aber eine Basis für nachhaltiges Wachstum schaffen.

Das Urteil der Analysten & Kursziele

Trotz des angespannten Sentiments bleibt die Analystengemeinschaft gegenüber Glencore keineswegs einhellig pessimistisch. Auswertungen aktueller Research-Berichte von Häusern wie Goldman Sachs, JP Morgan, UBS, Deutsche Bank und anderen zeigen ein gemischtes, aber tendenziell leicht positives Bild.

Mehrere große Investmentbanken führen die Aktie auf der Empfehlungsliste weiterhin mit „Kaufen“ oder „Übergewichten“. Begründet wird dies mit der strukturellen Knappheit von Energiewende-Metallen wie Kupfer, Nickel und Kobalt, von denen Glencore langfristig stark profitieren dürfte. Hinzu kommt die Einschätzung, dass das derzeitige Kursniveau bereits einen Großteil der Risiken – von ESG-Themen über mögliche Regulierungsmaßnahmen bis hin zur Volatilität im Kohlegeschäft – widerspiegelt.

Goldman Sachs etwa sieht Glencore laut Berichten in Finanzmedien weiterhin als einen der bevorzugten Rohstoffwerte und verweist auf die zentrale Rolle des Konzerns im globalen Metallhandel. Auch JP Morgan hebt die Diversifizierung durch das umfangreiche Handelsgeschäft hervor, das in volatileren Marktphasen zusätzliche Ertragschancen biete. Beide Institute liegen mit ihren Kurszielen oberhalb des aktuellen Marktpreises und signalisieren damit ein moderates Aufwärtspotenzial.

Auf der anderen Seite gibt es auch zurückhaltendere Stimmen. Einige Analysten – unter anderem von europäischen Großbanken wie der Deutschen Bank sowie von Schweizer Instituten – stufen die Aktie mit „Halten“ ein. Sie argumentieren, dass die Visibilität der Gewinne in den kommenden Quartalen begrenzt sei. Entscheidend sei, in welchem Tempo Glencore seine Kohleexponierung reduziere und wie erfolgreich das Unternehmen seine Wachstumsstrategie in Kupfer, Nickel und Recycling-Geschäften umsetze. Die Kursziele solcher Häuser liegen oft nur leicht über dem aktuellen Kurs oder bewegen sich in dessen Nähe, was auf ein begrenztes kurzfristiges Upside schließen lässt.

Auffällig ist, dass nur wenige Häuser ein klares „Verkaufen“ aussprechen. Das legt nahe, dass die Mehrheit der Analysten die gegenwärtige Bewertung eher als Untergrenze eines plausiblen Korridors betrachtet – unter Vorbehalt, dass keine neuen massiven Belastungen aus Rechtsstreitigkeiten, politischen Eingriffen oder abrupt einbrechenden Rohstoffpreisen auftreten.

Zwischen Kohleausstieg und Kupferhunger: Das strategische Dilemma

Glencore steht strategisch vor einem Spagat, der das Bewertungsbild an der Börse wesentlich prägt. Einerseits ist der Konzern einer der letzten großen westlichen Rohstoffproduzenten, der noch ein umfangreiches Kohleportfolio in der Bilanz hält. Dieses Geschäft hat in den vergangenen Jahren erhebliche Cashflows geliefert und ermöglichte hohe Dividenden sowie Aktienrückkäufe. Andererseits wird Kohle im Zuge der Klimapolitik zunehmend zum Reputations- und Bewertungsrisiko.

Die von der Unternehmensführung in Aussicht gestellte Reduktion oder Abspaltung der Kohlesparte ist daher gleichzeitig Chance und Risiko. Gelingt der Übergang kontrolliert, könnte Glencore sich als fokussierter Produzent und Händler von Metallen der Energiewende neu positionieren – etwa Kupfer für Stromnetze und Elektromobilität, Nickel und Kobalt für Batterien sowie Zink für Infrastruktur. Misslingt der Übergang oder kommt er nur schleppend voran, drohen Bewertungsabschläge und anhaltende Skepsis institutioneller ESG-Investoren.

Hinzu kommt, dass Glencore als einer der größten Rohstoffhändler der Welt in besonderem Maße von Volatilität profitiert – aber auch Risiken trägt. In Phasen stark schwankender Preise können Arbitrage- und Handelschancen erhebliche Zusatzgewinne bringen. In Phasen flacher Preisstrukturen und geringer Volatilität reduziert sich dieser Vorteil. Die kommenden Quartale werden zeigen, ob das Handelsgeschäft an die außergewöhnlich starken Vorjahre anknüpfen kann oder ob hier eine Normalisierung auf niedrigerem Niveau eintritt.

Ausblick und Strategie

Für die nächsten Monate stehen bei Glencore mehrere zentrale Fragen im Fokus, die darüber entscheiden dürften, ob die Aktie aus ihrem aktuellen Kurskorridor nach oben ausbrechen kann oder weiter in der Defensive bleibt.

Erstens: die Entwicklung der Metallpreise, allen voran Kupfer. Experten rechnen mittel- bis langfristig mit einer strukturellen Unterversorgung des Kupfermarktes, getrieben durch Elektrifizierung, Netzausbau und erneuerbare Energien. Kurzfristig aber hängt vieles an der globalen Konjunktur, insbesondere in China. Bleibt die Nachfrage dort verhalten oder ziehen Stimulusprogramme nicht wie erhofft, könnte der erhoffte Preisschub auf sich warten lassen – mit unmittelbaren Folgen für die Margen und Bewertungsmultiplikatoren von Glencore.

Zweitens: der konkrete Pfad beim Rückbau des Kohlegeschäfts. Anleger werden genau darauf achten, ob und wann das Management belastbare Schritte vorlegt – etwa ein klares Zeitfenster für eine Abspaltung oder den Abschluss größerer Asset-Verkäufe. Je nachvollziehbarer der Plan, desto eher könnte die Aktie eine ESG-bedingte Bewertungsdelle abbauen. Gleichzeitig darf der Konzern den Cashflow aus der Kohle nicht zu früh und nicht zu abrupt kappen, um laufende Investitionsprogramme zu finanzieren.

Drittens: die Kapitalallokation. Nach den fetten Jahren mit sehr hohen Ausschüttungen muss Glencore die Balance finden zwischen Dividenden, Aktienrückkäufen, Schuldenabbau und Wachstumsinvestitionen. Eine zu aggressive Kürzung der Ausschüttungen könnte einkommensorientierte Anleger vertreiben, eine zu großzügige Dividendenpolitik hingegen das Wachstumspotenzial in Schlüsselprojekten beschneiden. Der Kapitalmarkt dürfte daher auf die nächsten Aussagen des Managements zu diesem Thema besonders sensibel reagieren.

Für Privatanleger bedeutet dies: Die Glencore-Aktie bleibt ein klassischer Titel für risikobewusste Investoren mit mittlerem bis längerem Anlagehorizont. Kurzfristig ist mit hoher Volatilität zu rechnen, zumal politische Entscheidungen – von Klimavorgaben bis zu neuen Auflagen für den Bergbau in Entwicklungs- und Schwellenländern – jederzeit Kursbewegungen auslösen können. Wer einsteigt, setzt darauf, dass die Energiewende den Bedarf an Glencores Kernmetallen deutlich erhöht und der Konzern seine Rolle als globaler Rohstoffdrehscheibe behaupten oder ausbauen kann.

Auf der anderen Seite sollten Anleger sich der Risiken bewusst sein: ESG-Konflikte, Rechtsstreitigkeiten, mögliche regulatorische Eingriffe in wichtigen Förderländern sowie die inhärente Zyklenhaftigkeit des Rohstoffsektors. Eine breite Diversifikation des Depots und ein klar definiertes Risikomanagement sind daher essenziell, wenn Glencore als Beimischung in Betracht gezogen wird.

Fasst man die aktuelle Lage zusammen, ergibt sich ein Bild der Ambivalenz: Bewertungskennzahlen und Analystenziele deuten auf ein gewisses Aufwärtspotenzial, doch das Vertrauen des Marktes ist angeschlagen. Entscheidend wird sein, ob Glencore die Transformation vom kohlelastigen Rohstoffriesen zum fokussierten Anbieter von Energiewende-Metallen glaubwürdig und profitabel gestaltet. Gelingt dies, könnte die heute gedrückte Notierung im Rückblick als attraktive Einstiegsgelegenheit erscheinen. Scheitert der Umbau oder verzögert er sich deutlich, droht die Aktie noch länger ein Underperformer im Rohstoffsektor zu bleiben.

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