Gigabit-Deutschland, Glasfaserausbau

Gigabit-Deutschland: Glasfaserausbau zwischen Bürokratie und Kupfer-Abschaltung

21.01.2026 - 06:40:12

Der milliardenschwere Glasfaserausbau stockt durch komplexe Förderverfahren. Experten fordern schnellere Genehmigungen, während der Abschied vom Kupfernetz neue Herausforderungen bringt.

Deutschlands Glasfaserausbau gewinnt an Fahrt, kämpft aber mit bürokratischen Bremsklötzen und dem schwierigen Abschied vom Kupfernetz. Ein Experten-Webinar lotet heute Auswege aus.

Die Bundesregierung treibt den Ausbau mit Milliarden voran, doch die Realität vor Ort ist komplex. Während die Telekommunikationsunternehmen den Großteil der Arbeiten eigenwirtschaftlich stemmen, sollen Fördermilliarden vor allem ländliche Regionen erschließen. Erst vergangene Woche übergab Digitalminister Karsten Wildberger symbolisch Förderurkunden im Wert von 1,8 Milliarden Euro für 536 Projekte. „Der Erfolg misst sich nicht an der Fördersumme, sondern an den realisierten und genutzten Anschlüssen“, betonte er dabei.

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Kritik an Förderprogrammen: Sieben Jahre bis zur Fertigstellung

Doch die milliardenschwere „Gigabitförderung 2.0“ stößt auf massive Kritik. Branchenverbände wie VATM und BREKO monieren überbordende Bürokratie. Vom Antrag bis zur fertigen Leitung vergehen im Förderkontext im Schnitt sieben Jahre – eine Ewigkeit im digitalen Zeitalter. Die Verbände fordern eine radikale Vereinfachung der Verfahren. Nur so ließen sich die bereitgestellten Mittel effizient einsetzen und das ambitionierte Ziel einer flächendeckenden Versorgung bis 2030 noch erreichen.

Die nächste große Hürde: Der Abschied vom Kupfer

Parallel zum Ausbau stellt sich die Frage nach der Zukunft der alten Infrastruktur. Die Bundesnetzagentur hat ein Konzept für die Migration von Kupfer- zu Glasfasernetzen vorgelegt. Es sieht vor, dass die DSL-Netze schrittweise ab 2030 abgeschaltet werden. Von der Ankündigung bis zur Stilllegung sollen Betreiber drei Jahre Zeit haben. Das Konzept befindet sich bis Mitte März in der Konsultation und soll Planungssicherheit schaffen. Doch der Übergang ist heikel. Millionen Haushalte und Unternehmen nutzen noch DSL. Die Deutsche Telekom warnt vor einem regulatorisch erzwungenen Wechsel und plädiert für einen wettbewerblichen Prozess, um Kunden nicht zu vergraulen.

Ein nationales Projekt im Spannungsfeld

Der Glasfaserausbau ist mehr als ein Infrastrukturprojekt. Er gilt als Grundlage für digitale Souveränität und wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit. Die aktuellen Debatten spiegeln das typische Spannungsfeld deutscher Großprojekte: hohe politische Ambitionen prallen auf technische und bürokratische Realitäten. Die heutige Expertenrunde wird klare Handlungsempfehlungen erwarten. Im Fokus steht die Forderung nach schnelleren Genehmigungen und schlankeren Förderrichtlinien.

Die kommenden Monate werden zeigen, ob der Bremsklotz Bürokratie gelöst werden kann. Denn am Ende zählt nicht, wie viele Häuser an das Netz angeschlossen werden können, sondern wie viele Anschlüsse auch aktiv genutzt werden. Nur dann refinanzieren sich die Milliarden-Investitionen – und Deutschland macht den entscheidenden Schritt in die Gigabit-Gesellschaft.

@ boerse-global.de