Ghana, KI-Zollsystem

Ghana startet KI-Zollsystem am Hafen Tema

01.02.2026 - 08:00:12

Ghana führt an seinem wichtigsten Seehafen eine KI-gestützte Zollplattform ein, um Steuerbetrug zu bekämpfen und die Abfertigung zu beschleunigen. Das System soll die Einnahmen um bis zu 45 Prozent steigern.

Die Ghana Revenue Authority (GRA) hat am Hafen Tema mit dem Rollout einer künstlichen Intelligenz für die Zollabfertigung begonnen. Die als Publican AI Trade Solution bezeichnete Plattform analysiert Handelsdaten in Echtzeit, erkennt Unregelmäßigkeiten und priorisiert risikobehaftete Sendungen für Kontrollen. Für den Staat geht es um viel: Die Regierung erhofft sich durch die Automatisierung der Wertermittlung bis zu 45 Prozent mehr Zolleinnahmen.

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Hinter dem Projekt steht der harte Kampf gegen systematischen Steuerbetrug. Jahrzehntelang kosteten Unterbewertungen und falsche Deklarationen von Importen den ghanaischen Staat Milliarden. „Das System ist darauf ausgelegt, Handelsunregelmäßigkeiten aufzuspüren, die bisher schwer zu erkennen waren“, erklärte Vize-Finanzminister Thomas Nyarko Ampem vor dem Start. Die KI soll keine zusätzlichen Kosten für regelkonforme Importeure schaffen, sondern für ein faireres Wettbewersumfeld sorgen.

Erste Pilotversuche zeigen bereits Wirkung. Dabei konnten durch die Erkennung gefälschter Daten bereits zusätzliche Millionenbeträge an Steuern eingetrieben werden. Finanzminister Dr. Cassiel Ato Forson hatte das Projekt im Haushalt 2026 als zentralen Baustein zur Schließung von Einnahmelücken vorgestellt.

Schnellere Abfertigung für den Handel

Neben höheren Einnahmen verspricht die Technologie auch massive Effizienzgewinne für den Handel. Indem die KI Warenströme noch vor ihrer Ankunft analysiert, können geringriskante Sendungen deutlich schneller abgefertigt werden. Das entlastet die chronisch überlasteten Kaianlagen in Tema, einem der wichtigsten Handelsknotenpunkte Westafrikas.

„Die Plattform dient als wichtiges Unterstützungswerkzeug für unsere Beamten“, betonte GRA-Commissioner-General Anthony Sarpong. Die Behörde stellt klar, dass die KI die Zollbeamten nicht ersetzen, sondern mit Echtzeit-Analysen unterstützen soll. Parallel zum Start läuft eine umfangreiche Schulungskampagne für Importeure, Spediteure und andere Hafennutzer.

Kritik am Vergabeverfahren

Trotz der ambitionierten Ziele war das Projekt nicht unumstritten. Die Importers and Exporters Association of Ghana (IEAG) kritisierte Ende 2025 die Vergabe an Truedare Investments Limited. Das auf Zypern registrierte Unternehmen habe kaum Erfahrung mit KI-gesteuerter Hafenautomatisierung, so der Verband. Er forderte mehr Transparenz im Vergabeprozess.

Die Regierung setzte sich über die Bedenken hinweg und sieht in der KI einen unverzichtbaren Schritt zur Modernisierung. Die Einführung fällt in eine breitere nationale Digitalisierungsstrategie, mit der Ghana Korruption bekämpfen und seine Position als führender Logistikstandort in der Region ausbauen will.

Pilotphase mit Weichenstellung für Afrika

In den kommenden Monaten wird die Pilotphase in Tema genau beobachtet. Sie dient dazu, operative Herausforderungen zu identifizieren und die Algorithmen zu verfeinern. Bei Erfolg ist die landesweite Ausweitung auf andere Häfen und Grenzübergänge geplant.

Kann das System die erhofften Einnahmesteigerungen von 40 bis 45 Prozent realisieren, würde Ghana eine neue, verlässliche Finanzierungsquelle für Infrastruktur und öffentliche Dienstleistungen erschließen. Das langfristige Ziel ist ein vollständig integriertes und automatisiertes Zollumfeld. Sollte das gelingen, würde Ghana nicht nur seine Haushaltslage stärken, sondern auch eine Blaupause für den digitalen Handel in Afrika liefern.

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