Gesundheitsbonus, Anwesenheitsprämien

Gesundheitsbonus: Warum Anwesenheitsprämien oft kontraproduktiv sind

07.02.2026 - 18:43:12

Studien zeigen, dass Geldprämien für geringe Fehlzeiten kontraproduktiv sind und Präsentismus fördern. Nachhaltige Gesundheitsförderung und transparente Kommunikation erweisen sich als wirksamere Alternativen.

Anwesenheitsprämien sollen Krankenstände senken, fördern aber oft Präsentismus und schaden dem Betriebsklima. Neue Studien zeigen bessere Wege.

Angesichts hoher Fehlzeiten setzen manche deutsche Unternehmen auf finanzielle Boni für geringe Krankmeldungen. Doch dieses umstrittene Instrument steht zunehmend in der Kritik. Arbeitsrechtler warnen vor rechtlichen Fallstricken, während neue Erkenntnisse die Wirksamkeit solcher Prämien infrage stellen. Stattdessen rücken nachhaltige Gesundheitsförderung und intelligente Kommunikationsstrategien in den Fokus.

Die engen rechtlichen Grenzen der Prämie

Die rechtliche Grundlage bildet § 4a des Entgeltfortzahlungsgesetzes (EFZG). Es erlaubt Arbeitgebern, freiwillige Sonderzahlungen für jeden Krankheitstag zu kürzen – maximal jedoch um ein Viertel des durchschnittlichen Tagesentgelts. Entscheidend ist die Ausgestaltung: Eine reine „Anwesenheitsprämie“, die auch Urlaubstage bestraft, ist unzulässig. Die Regelung muss klar in Vertrag, Betriebs- oder Tarifvereinbarung stehen.

Doch selbst legale Modelle bergen Risiken. „Solche Prämien schüren Misstrauen und signalisieren den Mitarbeitenden, dass man ihnen Krankheitsvorwände unterstellt“, erklärt eine Arbeitsrechtsexpertin. Das kann die Beziehung zwischen Führung und Belegschaft nachhaltig belasten.

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Der fatale Effekt: Präsentismus statt Gesundheit

Die Hauptgefahr von Gesundheitsboni ist offensichtlich: Sie belohnen Präsentismus. Aus Angst vor finanziellen Einbußen schleppen sich Mitarbeiter mit Infekten zur Arbeit. Die Folge? Verzögerte Genesung und ein erhöhtes Ansteckungsrisiko für das ganze Team. Eine Erkältungswelle im Büro kostet am Ende mehr Produktivität als die ursprüngliche Krankmeldung.

Hinzu kommen ethische Bedenken. Chronisch Kranke oder Menschen mit schwächerem Immunsystem haben kaum eine Chance auf den Bonus. Diese indirekte Benachteiligung kann als diskriminierend wahrgenommen werden und das Betriebsklima vergiften. Gewerkschaften lehnen solche Modelle daher traditionell ab – sie erhöhten den Druck, statt Ursachen zu bekämpfen.

Studie: Information wirkt besser als Geld

Aktuelle Forschungsergebnisse stellen den Nutzen finanzieller Anreize fundamental infrage. Eine Anfang Februar 2026 diskutierte Studie zeigt: Geldprämien senkten Fehlzeiten entweder gar nicht oder ließen sie sogar steigen.

Viel wirksamer war ein simpler Informationsansatz. In einem Feldexperiment erhielten Beschäftigte mit überdurchschnittlichen Fehlzeiten einen Brief, der ihre persönliche Quote mit dem firmeninternen Median verglich. Diese transparente Kommunikation allein reduzierte kurzfristige, eintägige Krankmeldungen hochgerechnet um etwa 44 Prozentpunkte pro Jahr.

Der psychologische Effekt ist klar: Das „Anstupsen“ (Nudging) appelliert an das soziale Normempfinden, ohne den bestrafenden Charakter einer gekürzten Prämie. Es ist kostengünstiger und fördert eine Kultur der Eigenverantwortung.

Der nachhaltige Weg: Echte Gesundheitsförderung

Zukunftsorientierte Unternehmen setzen daher auf präventive betriebliche Gesundheitsförderung (BGF). Der Gesetzgeber unterstützt dies: Nach § 3 Nr. 34 EStG können Arbeitgeber pro Mitarbeiter und Jahr bis zu 600 Euro für zertifizierte Maßnahmen steuerfrei bereitstellen.

Dieses Budget kann für Kurse zur Stressbewältigung, Rückentraining, Ernährungsberatung oder Yoga fließen. Im Gegensatz zur Strafprämie investiert die BGF in das Wohlbefinden. Sie stärkt die physische und psychische Gesundheit, erhöht die Mitarbeiterbindung und macht das Unternehmen als Arbeitgeber attraktiver.

Kulturwandel statt Kontrolle

Die Debatte um den Gesundheitsbonus spiegelt einen größeren Trend wider. Im Fachkräftemangel können sich Unternehmen ein Klima des Misstrauens nicht mehr leisten. Eine wertschätzende Kultur ist entscheidend, um Talente zu halten.

Anwesenheitsprämien senden das falsche Signal. Investitionen in echte Gesundheitsangebote demonstrieren dagegen Fürsorge. Der nachweislich geringe Nutzen von Boni im Vergleich zu transparenten Informationen und Prävention sollte alle Personalverantwortlichen zum Umdenken bewegen. Langfristig zahlt sich nicht die Kontrolle der Anwesenheit, sondern die Förderung der Gesundheit aus.

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