Gemini: Googles KI-Assistent wird persönlicher – um welchen Preis?
25.01.2026 - 22:24:12Googles KI Gemini lernt aus persönlichen Chat-Verläufen – doch die Kontrolle der Nutzer über ihre Daten hat Grenzen. Ein neues Privacy-Hub soll Transparenz schaffen, doch eine 72-Stunden-Speicherpflicht bleibt unverhandelbar.
Der Motor der Personalisierung: Ihr Chat-Verlauf
Die Intelligenz von Gemini speist sich maßgeblich aus den vergangenen Gesprächen der Nutzer. Ist die „Gemini Apps-Aktivität“ in den Einstellungen aktiviert, analysiert die KI den Chat-Verlauf. So erkennt sie Vorlieben, merkt sich Details und kann mit der Zeit immer präzisere Antworten geben. Aus einem simplen Frage-Antwort-Tool wird so ein kontextbewusster Gesprächspartner.
Die Kehrseite: Für diese Personalisierung nutzt Gemini auch sensible Informationen, die Nutzer in Chats preisgeben. Die Standard-Speicherdauer für diese Daten liegt bei 18 Monaten. Nutzer können sie aber auf zwischen drei und 36 Monaten anpassen.
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Kontrolle in Nutzerhand? Die Privacy-Einstellungen
Google betont die Nutzerkontrolle. Der zentrale Hebel ist die bereits erwähnte „Gemini Apps-Aktivität“. Ist sie an, werden Chats gespeichert, zur Personalisierung genutzt und dürfen von menschlichen Prüfern zur Verbesserung der Dienste eingesehen werden – laut Google jedoch in anonymisierter Form.
Wer das nicht möchte, kann die Funktion abschalten. Dann fließen neue Gespräche nicht mehr in das Modell-Training ein. Alte Chats lassen sich zudem jederzeit manuell aus der Aktivitätschronik löschen. Eine Suchfunktion hilft, spezifische Unterhaltungen wiederzufinden.
Die unumstößliche 72-Stunden-Frist
Doch selbst bei deaktivierter Aktivitätsaufzeichnung gilt eine wichtige Ausnahme: Alle Chats werden für bis zu 72 Stunden gespeichert. Google begründet diese Pflicht mit Service-Stabilität, Sicherheit und der Verarbeitung von Nutzer-Feedback. In dieser Zeit dienen die Daten ausdrücklich nicht dem KI-Training.
Diese Regelung markiert den grundlegenden Kompromiss. Nutzer können die langfristige Datennutzung verhindern, eine sofortige und vollständige Löschung ist jedoch technisch nicht möglich. Diese kurzfristige Speicherung ist für Google nicht verhandelbar.
„Temporärer Chat“: Das Incognito-Mode für Gemini
Als direkte Reaktion auf Privatsphären-Bedenken bietet Google den „Temporären Chat“ an. Dieser funktioniert wie ein Inkognito-Modus. Die geführten Gespräche landen nicht in der Aktivitätschronik und werden weder personalisiert noch zum Training genutzt.
Die Funktion ist ideal für sensible Themen oder einmalige Brainstormings. Allerdings gilt auch hier die 72-Stunden-Speicherpflicht zu Sicherheitszwecken. Es ist ein Werkzeug für mehr Privatsphäre in Einzelfällen, ohne die globalen Einstellungen ändern zu müssen.
Die große Abwägung: Personalisierung vs. Datenschutz
Googles Vorgehen spiegelt ein branchenweites Dilemma wider. Die Nutzer erwarten einerseits smarte, auf sie zugeschnittene KI-Helfer. Andererseits wächst das Bedürfnis nach Datenkontrolle. Die geschichteten Einstellungen und der temporäre Chat zeigen, dass ein einheitliches Privacy-Modell nicht mehr genügt.
Die obligatorische 72-Stunden-Frist unterstreicht die betrieblichen und sicherheitstechnischen Zwänge, denen KI-Anbieter unterliegen. Die Klarheit, mit der Google diese Politik im neuen Privacy Hub kommuniziert, ist ein Schritt zu mehr Vertrauen. Letztlich wird der Erfolg persönlicher KI nicht nur von ihrer Leistungsfähigkeit abhängen, sondern davon, wie sehr sie die Nutzer zu Herren ihrer eigenen Daten macht.
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