Gedenkstätten fordern von Social-Media-Riesen Kampf gegen Holocaust-Fakes
16.01.2026 - 18:52:12Eine breite Allianz deutscher Holocaust-Gedenkstätten fordert von Plattformen wie Meta und TikTok entschlossene Maßnahmen gegen historisch verfälschende KI-Bilder. Diese “KI-Schwemme” verzerre die Erinnerung und bedrohe die historische Bildung.
BERLIN – 16. Januar 2026 – Rund 40 deutsche KZ-Gedenkstätten und Dokumentationszentren haben sich zu einer beispiellosen Initiative zusammengeschlossen. In einem offenen Brief fordern sie Social-Media-Konzerne auf, die Flut künstlich generierter Bilder zu stoppen, die die Geschichte des Holocaust verfälschen. Die als “AI slop” bezeichneten Inhalte stellen oft emotional aufgeladene, frei erfundene Szenen aus Konzentrationslagern dar. Sie verwischen die Grenze zwischen historischer Tatsache und Fiktion.
Historische Fälschungen im digitalen Zeitalter
Die Gedenkstätten beschreiben einen alarmierenden Trend: KI-generierte Bilder zeigen erfundene oder irreführende Szenarien zum Holocaust. Diese reichen von kitschigen, emotionalisierten “Wiedersehens”‑Szenen zwischen Häftlingen und Befreiern bis hin zu komplett erdachten Bildern weinender Kinder hinter Stacheldraht.
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Ein konkretes Beispiel betrifft das Lager Sandbostel. Dort kursierten Bilder, die US‑Soldaten beim Tragen von Gefangenen zeigen. Historisch korrekt ist jedoch, dass britische Truppen das Lager 1945 befreiten. “Diese Praxis ist eine Respektlosigkeit gegenüber den Opfern”, sagt Andreas Ehresmann von der Gedenkstätte Sandbostel, eine der treibenden Kräfte hinter dem Brief.
Laut dem Schreiben verfolgen die Urheber zwei Hauptziele. Einerseits nutzen “Content‑Farmen” die emotionale Wucht des Themas für maximale Klicks und Werbeeinnahmen – bei minimalem Aufwand. Andererseits dienen die Fakes böswilliger Geschichtsverfälschung. Sie verwischen die Rollen von Tätern und Opfern und verbreiten revisionistische Narrative. Die Algorithmen der Plattformen, die emotional aufgeladene Inhalte bevorzugen, verstärken die Reichweite dieser Falschinformationen noch.
Angriff auf die authentische Erinnerung
Die Verantwortlichen für die Gedenkstätten warnen vor langfristigen Schäden. “Die KI‑Fälschungen von Holocaust‑Szenen sind wohl erst der Anfang eines größeren Problems mit historischen Fotografien”, sagt Uwe Neumärker, Direktor der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin. Die größte Gefahr sei, dass Menschen nicht mehr zwischen echten Dokumenten und KI‑Fälschungen unterscheiden könnten. Das stelle die Authentizität der gesamten Erinnerungskultur infrage.
Unterzeichnet haben den Brief namhafte Institutionen wie die Gedenkstätten Bergen‑Belsen, Buchenwald, Dachau und Neuengamme. Sie argumentieren, dass die KI‑Inhalte die Arbeit von Gedenkstätten, Museen und Forschungseinrichtungen entwerten. Jeder Fake‑Post untergrabe die Glaubwürdigkeit sorgfältig bewahrter Quellen und ersetze sie durch massenhaft produzierte, emotionalisierte Fiktion.
Konkrete Forderungen an Meta, TikTok & Co.
Die Allianz stellt klare Forderungen an die Plattformbetreiber. Diese trügen eine besondere ethische und historische Verantwortung.
- Proaktive Bekämpfung: Die Plattformen sollen KI‑Inhalte, die Geschichte verzerren, aktiv bekämpfen – und nicht erst auf Meldungen warten.
- Klare Kennzeichnungspflicht: Für alle KI‑generierten Bilder muss es eine verpflichtende und eindeutige Kennzeichnung geben, um Transparenz für Nutzer zu schaffen.
- Spezifische Meldefunktion: Nutzer müssen historisch verfälschende Inhalte als eigene Kategorie von Desinformation melden können.
- Direkte Zusammenarbeit: Die Tech‑Konzerne sollen mit den Gedenkstätten zusammenarbeiten, um Systeme zur Erkennung von Holocaust‑Desinformation zu verbessern.
Internationale Dimension eines deutschen Problems
Die deutsche Initiative spiegelt einen global wachsenden Alarm wider. UNESCO und der Jüdische Weltkongress warnten kürzlich in einem Bericht, KI könne die historische Aufarbeitung des Holocaust massiv verzerren und Antisemitismus schüren, wenn sie nicht ethisch gesteuert werde.
Die Modelle könnten historische Ereignisse “halluzinieren” – also erfinden. Das sei besonders gefährlich, da junge Menschen zunehmend KI‑Tools für Bildung und Informationsbeschaffung nutzten. Vier von fünf Jugendlichen zwischen 10 und 24 Jahren nutzten täglich KI und seien daher besonders anfällig für diese neue Desinformationsquelle.
Bereits zuvor hatte die Gedenkstätte Auschwitz‑Birkenau Alarm geschlagen, als KI‑generierte Bilder von Opfern auf Facebook auftauchten. Die Sorge ist, dass gefälschte Identitäten oder veränderte Bilder realer Opfer das Vertrauen in den historischen Gesamtbestand erodieren und Holocaust‑Leugnung Vorschub leisten könnten.
Der offene Brief der deutschen Erinnerungsinstitutionen markiert eine deutliche Eskalation im Kampf gegen digitalen Geschichtsrevisionismus. Die Technologie selbst sei nicht das Problem, betonen sie. Doch ihr Einsatz erfordere dringend die Entwicklung ethischer und historisch verantwortungsvoller Standards. Der Ball liege nun bei den Social‑Media‑Giganten. Ihr Umgang mit dieser Forderung könnte einen Präzedenzfall dafür setzen, wie historische Wahrheit im Zeitalter der künstlichen Intelligenz geschützt wird.
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