GDL, Doppel-Offensive

GDL: Doppel-Offensive mit Betriebsratswahl und Tarifrunde

17.01.2026 - 09:26:12

Die Gewerkschaft GDL kämpft parallel in Tarifverhandlungen mit der Deutschen Bahn und um mehr Einfluss in den Betriebsräten. Der neue Vorsitzende Mario Reiß steht vor einer ersten Bewährungsprobe.

Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) startet mit neuem Vorsitzenden in ein entscheidendes Jahr. Sie will mit einer disziplinierten Kampagne bei den Betriebsratswahlen ihre Macht in den Unternehmen ausbauen – parallel zu laufenden Tarifverhandlungen mit der Deutschen Bahn (DB).

Wahlkampf für die Betriebsräte beginnt

Ab dem 1. März 2026 werden in deutschen Bahnunternehmen die Betriebsräte neu gewählt. Die GDL hat ihre Kampagne offiziell gestartet. Unter dem Motto „Ihr GDL-Betriebsrat – Stimme der Eisenbahner im Unternehmen“ will sie die Dominanz der größeren Konkurrenzgewerkschaft EVG brechen. Ein zentrales Mittel: strikte Disziplin. GDL-Mitgliedern ist es untersagt, auf sogenannten „Freien Listen“ zu kandidieren. Alle Stimmen sollen den offiziellen GDL-Listen zugutekommen.

Für den neuen Bundesvorsitzenden Mario Reiß ist dies die erste große Bewährungsprobe. Er folgte auf den als konfrontativ bekannten Claus Weselsky. Mit einer großen Auftaktveranstaltung am 24. Februar, kurz vor Beginn der Wahlphase, will die Gewerkschaft zusätzlichen Schwung holen. Der Termin ist klug gewählt: Er fällt in die heiße Phase der parallel laufenden Tarifgespräche.

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Tarifrunde: Gemäßigter Ton, harte Forderungen

Seit dem 8. Januar verhandelt die GDL mit der Deutschen Bahn. Der Tonfall sei bisher sachlicher als in früheren Runden, berichten Beobachter. Die Forderungen der Gewerkschaft sind jedoch substantiell:
* Eine Erhöhung der Vergütungssumme um 8 Prozent.
* Eine Einmalzahlung von 1.000 Euro als Inflationsausgleich.
* Strukturelle Verbesserungen der Entgelttabellen.
* Eine Laufzeit des Tarifvertrags von zwölf Monaten.

Bis zum 28. Februar herrscht Friedenspflicht, Streiks sind also ausgeschlossen. Die nächste Verhandlungsrunde am 22. Januar wird zeigen, ob der konstruktive Kurs hält. Bahn-Vorständin Evelyn Palla warnte bereits, 2026 bleibe ein „schwieriges Jahr“ für die Bahn. Sie setzt auf Pünktlichkeit und nennt eine Zielmarke von 70 Prozent Zuverlässigkeit bis 2029 – räumt aber ein, dass das marode Netz sofortige Verbesserungen blockiere.

Krisen-Kontext: Chaos und Vertrauensverlust

Die Verhandlungen finden vor einem denkbar ungünstigen Hintergrund statt. Norddeutschland war zuletzt drei Tage lang von einem Wintereinbruch lahmgelegt, mit Massenausfällen im Fernverkehr. Zudem überschlagen sich Skandale.

Die Süddeutsche Zeitung berichtete von einer angeblichen „Schummel-Sanierung“ auf der Strecke Hagen-Wuppertal-Köln. Die DB wies den Vorwurf, der Umfang der Arbeiten sei gekürzt worden, entschieden zurück. Gleichzeitig kam ein Datenschutzskandal ans Licht: Persönliche Daten von Bürgern, die den Bahnausbau zwischen Hamburg und Hannover ablehnen, waren aufgrund einer Sicherheitslücke auf der Bundestags-Website einsehbar. Solche Vorfälle nähren den Unmut in der Belegschaft und spielen den betrieblichen Interessenvertretern in die Hände.

Reiß auf dem Drahtseil

Mario Reiß muss einen schwierigen Spagat meistern. Er will die GDL als konstruktive, aber bestimmte Kraft etablieren – und gleichzeitig ihre betriebliche Macht ausbauen. Die Betriebsratswahlen sind dafür ein Schlüsselinstrument. Ein wildcard bleibt die GDL-nahe Personalleasing-Genossenschaft „Fair Train“. Sie bietet frustrierten Lokführern eine Alternative und hält so den Druck auf die Staatsbahn hoch.

Die kommenden Wochen sind entscheidend. Scheitern die Tarifgespräche am 22. Januar, könnte die Stimmung vor Ende der Friedenspflicht am 28. Februar kippen. Die Betriebsratswahlen im März würden dann zu einem Referendum über die DB-Führung. Der deutsche Schienenverkehr steuert auf einen potenziell explosiven Frühling zu.

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