Fünftelregelung, Steuererleichterung

Fünftelregelung: Steuererleichterung jetzt nur noch auf Antrag

01.02.2026 - 11:53:12

Seit 2025 gilt die Fünftelregelung nicht mehr in der Lohnabrechnung. Arbeitnehmer erhalten Abfindungen nun mit höherem Steuerabzug und müssen die Erstattung über die Steuererklärung beantragen.

Die Abschaffung der Fünftelregelung in der Lohnabrechnung trifft Arbeitnehmer jetzt mit voller Wucht. Seit Januar 2025 müssen sie auf die sofortige Steuerentlastung bei Abfindungen verzichten – ein Systemwechsel mit erheblichen finanziellen Folgen.

Die Liquiditätslücke für Arbeitnehmer

Die größte Veränderung ist spürbar: Das Netto-Abfindungsgeld auf dem Konto schrumpft zunächst deutlich. Früher konnten Arbeitgeber die Steuervergünstigung direkt in der Gehaltsabrechnung anwenden. Das sorgte für eine sofortige höhere Auszahlung. Seit der Reform im Wachstumschancengesetz ist das nicht mehr möglich.

Jetzt wird die Abfindung zunächst wie normales Einkommen besteuert. Die eigentlich zustehende Steuerentlastung nach § 34 EStG muss der Arbeitnehmer erst im Nachhinein über die Einkommensteuererklärung beim Finanzamt zurückfordern. Die Folge? Betroffene leihen dem Staat für Monate mehrere tausend Euro – eine massive Belastung in der oft schon unsicheren Phase nach der Kündigung.

Anzeige

Viele Arbeitnehmer müssen jetzt erst über die Einkommensteuererklärung ihre Abfindungs‑Steuerentlastung beantragen – und machen dabei oft Fehler, die Erstattungen verzögern. Unser kostenloses MeinElster‑E‑Book erklärt Schritt für Schritt, wie Sie die Abfindung korrekt in der Steuererklärung angeben, welche Belege nötig sind, wie Fristen zu beachten sind und welche Dokumente das Finanzamt erwartet. So reduzieren Sie Fehlerquellen und beschleunigen die Rückzahlung. Jetzt MeinElster-Leitfaden herunterladen

Bürokratie wandert vom Betrieb zum Finanzamt

Der Gesetzgeber wollte den Unternehmen die Bürokratie erleichtern. Tatsächlich entfällt für Arbeitgeber das komplizierte „Schattenrechnen“ der Fünftelregelung und damit ein Haftungsrisiko. Sie müssen die Brutto-Abfindung nur noch korrekt auf der Lohnsteuerbescheinigung als „Entschädigung für mehrere Jahre“ ausweisen.

Die administrative Last liegt nun beim einzelnen Steuerzahler. Wer keine Steuererklärung einreicht, verzichtet endgültig auf die Erstattung. Für viele wird die Erklärung damit erstmals zur Pflicht.

Betriebsräte müssen umdenken

Für laufende Sozialplan-Verhandlungen hat der Wandel erhebliche Konsekquenzen. Arbeitsrechtsexperten raten Betriebsräten zu klarer Kommunikation: Die in Musterrechnungen genannten Nettobeträge werden nicht mehr auf dem Konto ankommen.

In Verhandlungen gewinnt daher die Liquiditätsfrage an Bedeutung. Zwar lehnen viele Arbeitgeber eine pauschale Aufstockung der Abfindung ab. Immer öfter werden jedoch beschleunigte Auszahlungsmodalitäten oder Schuldnerberatung als Verhandlungsziel gesetzt. Auch Aufhebungsverträge müssen angepasst werden: Klauseln zur Anwendung der Fünftelregelung in der Lohnabrechnung sind obsolet.

Was Betroffene jetzt wissen müssen

Mit Beginn der Steuererklärungssaison 2026 für das Jahr 2025 wird die Praxis auf die Probe gestellt. Die Finanzämter erwarten einen Anstieg komplexer Veranlagungen. Arbeitnehmer müssen Geduld haben: Bis zur endgültigen Erstattung können 12 bis 18 Monate vergehen.

  • Höhere Vorauszahlung: Rechnen Sie mit einem deutlich höheren Steuerabzug auf der Abrechnung.
  • Steuererklärung ist Pflicht: Nur so holen Sie sich die zu viel gezahlte Steuer zurück.
  • Dokumente prüfen: Kontrollieren Sie, ob die Abfindung auf der Lohnsteuerbescheinigung korrekt gekennzeichnet ist.
  • Finanzen planen: Kalkulieren Sie mit einem geringeren sofortigen Netto und planen Sie die späte Steuerrückzahlung ein.

Die Reform entlastet die Unternehmen, belastet aber die Arbeitnehmer – sowohl finanziell als auch bürokratisch. Die Verantwortung für die Liquidität liegt nun ganz bei denen, die ihren Job verlieren.

Anzeige

PS: Planen Sie Ihre Liquidität nach einer Kündigung schon konkret? Der kostenlose MeinElster‑Guide hilft beim schnellen Ausfüllen der Einkommensteuererklärung, bietet praktische Ausfüllhilfen und Checklisten für Abfindungen sowie Hinweise, welche Nachweise Finanzämter häufig anfordern. Besonders nützlich für Beschäftigte und Betriebsräte, die mit langen Erstattungsfristen (12–18 Monate) rechnen müssen und ihre finanzielle Planung sichern wollen. MeinElster-Guide gratis herunterladen

@ boerse-global.de