Führungskräfte-Mangel bedroht Deutschlands Wirtschaft
18.01.2026 - 15:13:12Deutsche Unternehmen suchen verzweifelt nach Managern – doch immer weniger Mitarbeiter wollen führen. Eine neue Studie zeigt das alarmierende Ausmaß der Krise.
Berlin – Deutschlands Wirtschaft steuert auf eine Führungslücke zu. Laut einer Studie des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (KOFA) am Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln) blieben 2025 durchschnittlich 28.180 Führungspositionen unbesetzt. Die Untersuchung, die am 18. Januar 2026 veröffentlicht wurde, offenbart eine wachsende Ablehnung gegenüber Management-Aufgaben. Für Unternehmen, die bereits mit wirtschaftlichen Herausforderungen kämpfen, wird die Suche nach qualifizierten Köpfen zum existenziellen Problem.
Die Angst vor der Verantwortung
Der Kern des Problems liegt in einem fundamentalen Wertewandel. Status, Macht und höheres Gehalt locken kaum noch. Nur 14 Prozent der befragten Nicht-Führungskräfte würden ein Angebot sofort annehmen. Ganze 43 Prozent lehnen Personalverantwortung kategorisch ab.
„Die hohe Belastung schreckt ab“, erklärt Studienautorin und IW-Ökonomin Regina Flake. Die Daten sind eindeutig: 77 Prozent der Zögernden nennen die hohe Arbeitsintensität als Grund, 75 Prozent fürchten die Verantwortungslast. Für 73 Prozent ist die gefühlte Unvereinbarkeit von Beruf und Privatleben ein entscheidendes Hindernis.
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Geld allein ist keine Lösung
Strukturelle Probleme in den Unternehmen verschärfen die Situation. Fast die Hälfte der Befragten (48 Prozent) hält die finanziellen Anreize für unattraktiv – der Preis an Freiheit und Stress scheint zu hoch. Ebenso viele fürchten, dass der Aufstieg ihr soziales Gefüge im Team zerstören könnte.
Besonders hart trifft es den Mittelstand. Diese Unternehmen können oft nicht mit den umfangreichen Unterstützungssystemen oder Gehaltspaketen großer Konzerne mithalten. Die Lösung liegt laut KOFA-Analyse nicht primär im Geld. Flexible Arbeitsmodelle für Führungskräfte könnten die Attraktivität der Jobs deutlich steigern.
Wirtschaft im Teufelskreis
Die Führungslücke trifft die Wirtschaft in einer ohnehin angespannten Phase. Der DIHK berichtete bereits im Dezember 2025, dass 36 Prozent aller Unternehmen offene Stellen nicht besetzen können. Bei mittelständischen Betrieben sind es sogar über 40 Prozent.
Diese Personalnot verstärkt den Pessimismus. Eine Ifo-Umfrage zeigte, dass 26 Prozent der Unternehmen 2026 eine Verschlechterung ihrer Geschäftslage erwarten. Ohne fähige Köpfe an der Spitze werden Innovationen gebremst und strategische Anpassungen verzögert. Unbesetzte Führungsposten führen regelmäßig zu stockenden Prozessen und liegengebliebenen Projekten.
Braucht Deutschland eine neue Führungskultur?
Experten fordern ein radikales Umdenken. Das traditionelle Bild des allgegenwärtigen, alleinverantwortlichen Managers ist überholt. Die KOFA-Studie schlägt vor: Teilzeit-Führungspositionen und Job-Sharing in der Chefetage könnten die Rollen attraktiver machen – besonders für Frauen und jüngere Mitarbeiter, die Flexibilität schätzen.
Aktuell ist die Führungsbereitschaft bei Männern nur geringfügig höher als bei Frauen, doch beide Gruppen zögern stark. Mentoring-Programme und Testphasen in Stellvertreter-Positionen könnten die Hürde senken. So könnten potenzielle Führungskräfte Erfahrung sammeln, ohne sofort unter der vollen Last der Verantwortung zu stehen.
Demografie verschärft das Problem langfristig
Die Aussichten sind düster. Die Demografie spielt gegen den Arbeitsmarkt: Die Generation der „Baby Boomer“ geht in Rente und hinterlässt eine Lücke, die die zahlenmäßig schwächeren nachrückenden Jahrgänge nicht füllen können. Zwar ist die Zahl der offenen Führungsposten seit dem Höchststand von 34.600 im Jahr 2022 gesunken. Doch der aktuelle Wert von über 28.000 bleibt im Vergleich zum Niveau vor zehn Jahren alarmierend hoch.
Ohne entschlossene Maßnahmen zur Modernisierung von Führungsstrukturen und zur Verbesserung der Work-Life-Balance für Manager riskiert die deutsche Wirtschaft einen langfristigen Führungsvakuum. Analysten sind sich einig: 2026 wird zum Schicksalsjahr. Die Unternehmen, die ihre Kultur erfolgreich anpassen, werden im Wettbewerb um die nächste Führungsgeneration einen entscheidenden Vorteil haben.
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