Frankreich verbannt Teams und Zoom aus Behörden
04.02.2026 - 14:39:12Frankreich schafft digitale Unabhängigkeit: Bis 2027 müssen alle staatlichen Stellen US-Videokonferenzdienste durch die Eigenentwicklung Visio ersetzen. Das ist Europas bisher entschiedenster Schritt gegen die Dominanz amerikanischer Tech-Konzerne.
Sicherheit und Sparzwang als Treiber
Hinter dem radikalen Schritt stehen handfeste Sicherheitsbedenken. Die französische Regierung fürchtet den Zugriff US-Behörden auf sensible Daten durch Gesetze wie den US CLOUD Act. „Wir können nicht riskieren, dass unsere wissenschaftlichen Austäusche und strategischen Innovationen nicht-europäischen Akteuren ausgesetzt sind“, begründete Staatssekretär David Amiel die Entscheidung.
Doch es geht auch ums Geld. Das zuständige Amt für Digitales (DINUM) rechnet mit erheblichen Einsparungen: Pro 100.000 Nutzer soll der Staat jährlich etwa eine Million Euro an Lizenzkosten sparen. Bei Millionen öffentlich Bediensteten summiert sich das zu einem beachtlichen Betrag.
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„Visio“: Made in France mit KI-Unterstützung
Die Alternative heißt Visio. Die Plattform wurde staatlich entwickelt und läuft ausschließlich auf französischer Infrastruktur – konkret auf der zertifizierten Cloud des Anbieters Outscale. Diese hält das französische IT-Sicherheitsgütesiegel SecNumCloud, das vor extraterritorialen Zugriffen schützt.
Für moderne Funktionen setzt Paris auf heimische KI-Startups. Die Software Pyannote sorgt für automatische Transkriptionen, während das Labor Kyutai an Echtzeit-Untertiteln arbeitet. Letztere sollen schon im Sommer 2026 verfügbar sein.
Ambitionierter Zeitplan bis 2027
Die Umsetzung läuft bereits auf Hochtouren und folgt einem strikten Fahrplan:
* Bis März 2026 wechselt das nationale Forschungszentrum CNRS mit zehntausenden Mitarbeitern.
* 2026-2027 folgen Schlüsselministerien wie Verteidigung und Finanzen.
* Spätestens 2027 ist die Nutzung von Teams, Zoom und Google Meet in der Zentralverwaltung verboten.
Ein Erlass des Premierministers, der in Kürze erwartet wird, wird diese Vorgabe rechtsverbindlich festschreiben.
Signalwirkung für Europa und die Industrie
Die Ankündigung aus Paris sendet deutliche Signale. Microsoft betonte zwar seine enge Partnerschaft mit Frankreich, doch der Schritt fällt in eine europäische Trendwende. Immer mehr Staaten wollen sich digital von den USA unabhängiger machen.
Deutschland debattiert ähnliche Restriktionen, besonders im Bildungsbereich, wo Datenschützer Microsoft 365 wiederholt kritisierten. Gelingt Frankreichs Vorstoß, könnte er zum Blaupause für eine gesamteuropäische Infrastruktur werden.
Zunächst gilt aber: In französischen Ministerien und Behörden wird künftig nur noch auf heimischer Technik kommuniziert. Die Ära der amerikanischen Standard-Tools in Europas Verwaltungen könnte damit zu Ende gehen.
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