Frankreich schaltet US-Konferenz-Tools ab
30.01.2026 - 17:23:12Frankreich verbannt Microsoft Teams und Zoom aus der Verwaltung und setzt auf die eigene Plattform Visio. Bis 2027 soll der gesamte öffentliche Dienst umgestellt sein – ein Paukenschlag für die digitale Souveränität Europas.
Der Schritt ist weit mehr als eine technische Migration. Er ist eine klare politische Antwort auf wachsende Sicherheitsbedenken gegenüber ausländischer Tech-Dominanz. „Wir beenden strategische Abhängigkeiten von externen Infrastrukturen“, erklärt Digitalminister David Amiel. Die Nutzung verschiedener US-Tools habe die Datensicherheit geschwächt, Kosten erhöht und die Zusammenarbeit behindert.
Einheitliche Plattform für sichere Kommunikation
Hinter der Order steckt eine langfristige Strategie. Die Regierung will die Kommunikation auf einer einzigen, staatlich kontrollierten Plattform bündeln. So soll die Vertraulichkeit des Regierungshandelns gewährleistet werden.
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Die Lösung Visio wurde von der französischen Digitalagentur DINUM entwickelt und läuft seit einem Jahr im Test. Bereits 40.000 Mitarbeiter nutzen sie. Bis 2027 sollen es bis zu 250.000 werden. Um den Wechsel durchzusetzen, könnte der Datenverkehr nicht autorisierter Tools im Regierungsnetz blockiert werden. Ein ähnlicher Schritt gelang bereits mit der Messaging-App Tchap, die WhatsApp und Telegram ersetzen musste.
Aufbau eines souveränen Tech-Ökosystems
Die Plattform ist ein reines französisches Produkt. Sie läuft auf der Cloud-Infrastruktur von Outscale, einer Tochter des Software-Riesen Dassault Systèmes, die die höchste Sicherheitszertifizierung der französischen Cybersicherheitsbehörde ANSSI trägt.
Auch bei den Features setzt Paris auf heimische Innovation: KI-gestützte Transkription liefert das Startup Pyannote. Echtzeit-Untertitel sollen noch 2026 folgen, basierend auf Technologie des KI-Labors Kyutai. Neben mehr Sicherheit verspricht sich der Staat erhebliche Einsparungen: Bis zu eine Million Euro pro Jahr für jede 100.000 Nutzer.
Signalwirkung für Europa und den Markt
Frankreichs Entscheidung ist der bisher konkrete Schritt im europäischen Ringen um digitale Souveränität. Die Dominanz amerikanischer und chinesischer Konzerne in kritischer Infrastruktur bereitet EU-Staaten seit langem Kopfzerbrechen. Gesetze wie der US CLOUD Act, der amerikanischen Behörden Zugriff auf in Europa gespeicherte Daten geben kann, schüren diese Ängste.
Die Order trifft US-Tech-Giganten wie Microsoft, Google und Zoom direkt, die lukrative Verträge mit dem französischen Staat haben. Das finanzielle Volumen ist zunächst überschaubar, die politische Botschaft hingegen gewaltig. Sie setzt ein Präzedenz, das andere EU-Länder ermutigen könnte, bei öffentlichen Aufträgen europäische Lösungen zu priorisieren. Damit könnte sich der Wettbewerb um Unternehmenssoftware auf dem Kontinent grundlegend verändern.
Ambitionierte Ziele und große Hürden
Bis 2027 bleibt viel zu tun. Die Migration Hunderttausender Nutzer, umfangreiche Schulungen und die Gewährleistung einer ebenso leistungsfähigen wie benutzerfreundlichen Plattform sind eine logistische Herkulesaufgabe. Die Ambitionen gehen zudem weit über Videokonferenzen hinaus: Langfristig sollen auch Plattformen wie Slack oder Gmail durch souveräne Alternativen ersetzt werden.
Der Erfolg des Visio-Rollouts wird in ganz Europa und von globalen Tech-Konzernen genau beobachtet. Kann Frankreich beweisen, dass eine staatlich entwickelte Lösung sicher, effizient und akzeptiert ist, entsteht ein Blaupause für andere Nationen. Die Botschaft ist klar: In der digitalen Ära ist die Kontrolle über die eigenen Daten und Kommunikationskanäle keine technische Frage, sondern eine Grundlage nationaler Souveränität.
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