Ford setzt auf eigene KI und Supercomputer für erschwingliche Autos
14.01.2026 - 13:30:12Der US-Autokonzern will mit einer neuen Strategie Spitzentechnologie für die breite Masse zugänglich machen. Kernstücke sind ein smarter KI-Assistent und ein selbst entwickelter Hochleistungsrechner.
Ford vollzieht einen strategischen Schwenk. Statt Hightech nur für Luxusmodelle zu reservieren, will der Hersteller hochautonomes Fahren und digitale Intelligenz demokratisieren. Auf der Technikmesse CES 2026 stellte das Unternehmen den Fahrplan vor: Ein neuer generativer KI-Assistent und ein hauseigenes „Supercomputer“-Modul sollen ab 2027 in einem erschwinglichen Elektroauto debütieren.
Im Zentrum der Digitalisierungsoffensive steht der „Ford AI Assistant“. Diese KI wurde in Zusammenarbeit mit Google Cloud entwickelt. Der entscheidende Unterschied zu simplen Sprachassistenten: Sie hat privilegierten Zugriff auf die Fahrzeugsensoren und die Betriebsanleitung.
Das ermöglicht kontextuelle Antworten, die normale Chatbots nicht liefern können. Ein Beispiel der CES-Demonstration: Ein Nutzer fotografiert eine Palette Rindenmulch im Baumarkt. Die KI analysiert das Bild, gleicht es mit den Ladeflächenmaßen des spezifischen Pick-ups ab und gibt eine präzise Antwort, ob alles passt.
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Die Einführung erfolgt in zwei Phasen. Ab Frühjahr 2026 startet der Assistent in den Ford- und Lincoln-Apps. Ab 2027 wird er fest ins Fahrzeug-Betriebssystem integriert. Dann sind Echtzeit-Interaktionen möglich – von der Reifendruckkontrolle bis zur Routenplanung unter Berücksichtigung des Akkustands.
Der hauseigene „Fahrzeug-Hirn“: Mehr Kontrolle, weniger Kosten
Die Software braucht leistungsfähige Hardware. Hier setzt Ford auf Eigenentwicklung. Das neue „High Performance Compute Center“ (HPCC) ist ein zentraler Rechnermodul, den Fords eigene Elektronikingenieure entwickelt haben. Das ist ein Bruch mit der Industrienorm, die auf viele Steuergeräte verschiedener Zulieferer setzt.
Das HPCC bündelt vier bisher getrennte Bereiche – Infotainment, Fahrerassistenzsysteme (ADAS), Audio und Vernetzung – in einer Einheit. Laut Paul Costa, Fords Leiter für Elektronikplattformen, ist das Modul dadurch 44 Prozent kleiner und 30 Prozent günstiger in der Produktion. Durch die Inhouse-Entwicklung hat Ford zudem eine fünfmal höhere Kontrolle über die Integration kritischer Halbleiter. Ein strategischer Schachzug, um unabhängiger von Lieferketten zu werden und Software-Updates zu beschleunigen.
Dieses „Fahrzeughirn“ soll die Grundlage für Fords nächste Generation softwaredefinierter Fahrzeuge sein. Die Architektur ist für die gewaltigen Datenmengen künftiger Autonomiefunktionen ausgelegt.
Der Weg zum „Eyes-Off“-Autopiloten für alle
Ford verknüpft diese Entwicklungen direkt mit seiner Autonomie-Roadmap. Die nächste Generation des BlueCruise-Systems soll bis 2028 „Eyes-Off“-Autonomie der Stufe 3 erreichen. Fahrer dürften dann auf bestimmten Autobahnen legal die Augen von der Straße nehmen.
Träger dieser Technik wird die erste Modellreihe auf Fords neuer „Universal Electric Vehicle“ (UEV)-Plattform sein – ein elektrischer Mittelklasse-Pick-up, der 2027 in Produktion gehen soll. Mit einem geplanten Startpreis von umgerechnet rund 30.000 Euro zielt Ford bewusst auf den Massenmarkt, nicht auf Luxussegmente.
Die Tochterfirma Latitude AI entwickelt die Softwarelogik für das neue HPCC. Sie konzentriert sich darauf, die ermüdendsten Fahranteile wie Autobahnfahrten und Stop-and-go-Verkehr zu automatisieren.
Eine Wette auf die persönliche Mobilität
Branchenbeobachter deuten Fords Strategie als bewusste Abkehr vom „Robotaxi-first“-Ansatz vieler Tech-Firmen. Stattdessen setzt der Konzern auf „persönlich besessene Autonomie“. Level-3-Autobahnfahren adressiert ein konkretes Kundenproblem – Müdigkeit auf langen Strecken – und umgeht das regulatorische Minenfeld vollständig fahrerloser Stadttaxis.
Die Inhouse-Entwicklung des HPCC spiegelt einen Trend wider: Etablierte Autobauer wollen die Kontrolle über ihre digitale Wertschöpfungskette zurückgewinnen. Ähnlich wie bei Teslas vertikaler Integration reduziert dies die Abhängigkeit von Zulieferern und ermöglicht eine optimierte Abstimmung von Hard- und Software.
Der Zeitplan bleibt jedoch eine Herausforderung. Konkurrenten wie General Motors und Mercedes-Benz testen oder deployen bereits Level-3-Systeme in bestimmten Regionen. Fords Zielmarke 2028 lässt den Konzern leicht hinter den Pionieren zurückfallen – könnte ihn aber beim Preisvorteil für den Massenmarkt vorne bringen.
Die nächsten Monate werden zeigen, wie gut die erste App-basierte KI beim Kunden ankommt. Das Feedback wird entscheidend für die optimierte Fahrzeugintegration 2027 sein. Gelingt es Ford, einen Elektro-Pick-up für 30.000 Euro mit der Rechenkraft für „Eyes-Off“-Fahren auf den Markt zu bringen, könnte das die Spielregeln in einer Branche verändern, in der solche Technik bisher ein teures Premium-Privileg war.
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