Experten fordern radikale Reform des EU-Klimazolls
13.01.2026 - 09:53:12Führende Wirtschaftsforscher schlagen einen Systemwechsel vor: Statt des aktuellen CO₂-Grenzausgleichs (CBAM) soll eine einfache Klimaabgabe auf Produkte treten. Die heute vorgelegte Studie warnt vor Bürokratie und Handelskriegen.
Vom Grenzausgleich zur Produktsteuer
Die Stiftung Familienunternehmen und das Österreichische Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) stellen den seit Jahresbeginn geltenden EU-Klimazoll fundamental infrage. Ihr Vorschlag: eine Klimaabgabe als Verbrauchssteuer auf kohlenstoffintensive Güter. Diese würde gleichermaßen für in der EU produzierte und importierte Waren gelten. „Das wäre unbürokratisch, WTO-konform und klimapolitisch wirksam“, so die Autoren um WIFO-Chef Gabriel Felbermayr. Für EU-Produzenten blieben die kostenlosen Zertifikate erhalten – ein entscheidender Wettbewerbsvorteil.
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Bürokratie-Albtraum und Handelskonflikte
Der aktuelle CBAM gilt seit dem 1. Januar 2026 in seiner endgültigen Form. Importeure von Stahl, Aluminium, Zement, Dünger, Strom und Wasserstoff müssen seither Zertifikate für den CO₂-Fußabdruck ihrer Ware erwerben. Die Studie kritisiert diesen Ansatz als praxisfern. Vor allem mittelständische Unternehmen seien mit der lückenlosen Nachverfolgung von Emissionen in globalen Lieferketten überfordert. Die geforderten Daten seien oft gar nicht verfügbar.
Die vorgeschlagene Produktsteuer würde diesen Aufwand radikal reduzieren. Statt komplexer Einzelprüfungen würde pauschal auf bestimmte Warengruppen bei ihrem Verkauf in der EU eine Abgabe erhoben. Ein weiterer Vorteil: Das Risiko von Handelskonflikten sinkt. Der aktuelle CBAM wird von Handelspartnern wie den USA als protektionistisch kritisiert. Eine neutrale Verbrauchssteuer, die auch EU-Ware trifft, wäre weniger angreifbar und hätte ein „geringes Risiko für Vergeltungsmaßnahmen“.
Wettbewerbsfähigkeit im Fokus
Neben der Produktsteuer prüfte die Studie auch ein alternatives „Leakage Border Adjustment Mechanism“ (LBAM). Dieses Modell kombiniert Importzölle mit Exportsubventionen. Die Forscher kommen jedoch zum Schluss: Die Klimaabgabe plus kostenlose Zertifikate bietet den besten Schutz für den Industriestandort Europa. Sie sei die beste erreichbare Lösung, solange ein global einheitlicher CO₂-Preis nicht durchsetzbar ist.
Für energieintensive Branchen ist der Vorschlag besonders relevant. Sie fürchten den bereits beschlossenen Auslauf der kostenlosen Emissionsrechte im EU-Emissionshandel (ETS). Die Studie empfiehlt, diese Zuteilungen beizubehalten – ein klares Signal an die Politik.
Druck auf Brüssel wächst
Trotz anfänglicher Übergangshilfen herrscht unter Importeuren zwei Wochen nach CBAM-Start Verunsicherung. Die Stiftung Familienunternehmen bezeichnet die aktuelle Umsetzung als „unbefriedigend“. Die vereinfachten Standardwerte der EU böten keinen ausreichenden Schutz vor unfairem Wettbewerb.
Die EU-Kommission betont zwar, es gehe beim CBAM primär um Klimaschutz, nicht um Einnahmen. Die WIFO-Studie macht jedoch kein Hehl daraus: Eine Produktsteuer würde Haushaltsmittel generieren. Diese könnten für Klimaprojekte oder Steuerentlastungen verwendet werden.
Mit den ersten Fälligkeitsterminen des neuen Systems rückt nun der Reformdruck auf Brüssel. Sollten die USA oder andere Partner Klage bei der Welthandelsorganisation einreichen, gewinnt der Vorschlag der Wirtschaftsexperten schnell an Bedeutung. Die Debatte ist eröffnet – es geht nicht mehr um das Ob, sondern um das Wie eines wirksamen und wirtschaftsverträglichen Klimaschutzes an den Grenzen Europas.
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