Experten fordern Ende der Selbstoptimierung bei Mental Health
03.01.2026 - 20:23:12Die psychische Belastung in Deutschland und Österreich hat einen historischen Höchststand erreicht. Experten fordern zum Jahresauftakt 2026 deshalb eine radikale Abkehr vom Prinzip der individuellen Selbstoptimierung. Die Lösung sehen sie nicht in privatem Stressmanagement, sondern in der strukturellen Resilienz von Unternehmen, Schulen und der Politik.
Rekordjahr 2025: Eine Generation unter Dauerstress
Die Bilanz des vergangenen Jahres ist alarmierend. Die österreichische Notrufberatung „Rat auf Draht“ verzeichnete 2025 mit rund 40.500 Beratungsgesprächen einen neuen Rekord. Besonders auffällig: Die Beratungen rund um Angstgefühle stiegen im Vergleich zum Vorjahr um fast 30 Prozent.
Die klassische Zukunftsangst ist einer akuten „Belastungs-Angst“ gewichen. Es geht nicht mehr um die ferne Zukunft, sondern um die Unfähigkeit, den aktuellen psychischen Druck zu bewältigen. Verantwortlich sind eine Kumulation von Faktoren:
- Eskalierende familiäre Konflikte
- Wirtschaftliche Unsicherheit
- Gewaltsame Ereignisse, die das Sicherheitsgefühl erschüttern
Suizidalität und schwere psychische Krisen nahmen laut Berichten zweistellig zu. Das unterstreicht den dringenden Handlungsbedarf für 2026.
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Digitale Überforderung als Ursache
Parallel zu den Akutkrisen rückt eine tiefere Ursache in den Fokus: die digitale Überlastung. Experten wie Alexandra Schiefen warnen vor den Folgen eines unregulierten Medienkonsums auf die kindliche Entwicklung.
Das Problem: Das menschliche Gehirn reift erst mit etwa 24 Jahren vollständig aus. Kinder und Jugendliche fehlen daher oft die neurologischen Voraussetzungen, um zwischen virtueller Fiktion und Realität zu unterscheiden. Die ständige Konfrontation mit unfiltrierten Inhalten – von Kriegsbildern bis hin zu Pornografie – versetzt das kindliche Gehirn in einen Dauerstresszustand.
Dieser chronische Stress sabotiert die Entwicklung psychischer Widerstandskraft an der Wurzel. Die Forderung für 2026 ist klar: Medienkompetenz und digitale Hygiene müssen integraler Bestandteil der Gesundheitserziehung werden.
Paradigmenwechsel: Vom Ich zum Wir
Die wichtigste Entwicklung ist ein theoretischer Paradigmenwechsel. Weg von Yoga-Kursen und Achtsamkeits-Apps als Allheilmittel, hin zur „Verhältnisprävention“. Resilienz wird neu definiert: Nicht als psychischer „Panzer“ des Einzelnen, sondern als Fähigkeit eines Systems, Belastungen abzufedern.
Für die Arbeitswelt bedeutet das eine Abkehr von reiner Symptombekämpfung. Obstkörbe reichen nicht, wenn die strukturellen Arbeitsbedingungen krank machen. Eine resiliente Unternehmenskultur muss stattdessen das Kohärenzgefühl stärken: Mitarbeitende müssen ihre Aufgaben als verstehbar, handhabbar und sinnhaft erleben.
In Zeiten des Fachkräftemangels werden jene Organisationen überleben, die ihre Strukturen so anpassen, dass sie als „gute Schwimmer“ in der Krise fungieren – und ihre Teams aktiv über Wasser halten.
Wachstumsmarkt trifft auf Versorgungslücke
Die Dringlichkeit des Umdenkens wird auch ökonomisch untermauert. Der deutsche Markt für mentale Gesundheit wächst dynamisch und bewegt sich auf prognostizierte 25,79 Milliarden Dollar bis 2033 zu.
Treibende Kräfte sind die steigende Zahl der Diagnosen und die Akzeptanz digitaler Lösungen. Telemedizin und Online-Therapieplattformen sind heute eine feste Säule der Versorgung. Doch kann Technologie die Lücke im System wirklich schließen?
Laut RKI-Daten wiesen zuletzt rund 25 Prozent der Erwachsenen Symptome von Angststörungen oder Depressionen auf. Diese Zahlen erfordern Investitionen in physische Infrastruktur und Fachpersonal – nicht nur in Apps.
Mentale Gesundheit wird politisch
Betrachtet man die Lage zu Beginn des Jahres, zeigt sich eine ambivalente Situation. Einerseits ist die Belastung durch „Polykrise“ aus geopolitischen Spannungen und Klimawandel so hoch wie nie. Andererseits war das Bewusstsein für psychische Gesundheit nie geschärfter.
Mentale Gesundheit ist 2026 keine Privatsache mehr. Sie ist ein harter Standortfaktor und ein Indikator für die Stabilität der Demokratie. Wenn Studien nahelegen, dass fast drei Viertel der Bevölkerung Angst vor einer gesellschaftlichen Spaltung haben, wird psychische Stabilisierung zur demokratischen Pflichtaufgabe.
Für den weiteren Verlauf des Jahres 2026 erwarten Analysten gesetzgeberische Initiativen. Der Fokus liegt auf der psychischen Gefährdungsbeurteilung am Arbeitsplatz und strengeren Regulierungen für soziale Medien zum Schutz Minderjähriger. Die Frage lautet nicht mehr, wie der Einzelne besser funktionieren kann, sondern wie wir unsere Gemeinschaft so gestalten, dass sie weniger krank macht.
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