Excel, Microsofts

Excel: Microsofts KI-Agent durchsucht jetzt das Internet

29.11.2025 - 10:09:12

Microsoft läutet eine neue Ära für Excel ein. Was jahrzehntelang eine reine Tabellenkalkulation war, wird zum autonomen Recherche-Assistenten. Der “Agent Mode” der neuesten Copilot-Generation kann selbstständig das Web durchforsten, Daten abrufen und strukturiert in die Arbeitsmappe einfügen – inklusive Quellenangaben.

Die am Mittwoch vorgestellten November-Updates markieren einen fundamentalen Wandel: Erstmals agiert eine KI in Excel nicht nur reaktiv, sondern proaktiv. Statt nur vorhandene Daten zu analysieren, beschafft sie fehlende Informationen eigenständig. Für Finanzanalysten und Marktforscher könnte das das Ende mühsamer Copy-Paste-Orgien bedeuten.

Der neue Agent Mode versteht komplexe Anweisungen in natürlicher Sprache. Ein Befehl wie “Recherchiere die BIP-Wachstumsraten der G20-Staaten für 2024-2025 und erstelle eine Vergleichstabelle” genügt – die KI durchsucht das Web, identifiziert vertrauenswürdige Quellen und füllt die Tabelle mit verifizierten Daten.

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Das Feature adressiert einen der größten Zeitfresser im Arbeitsalltag: das permanente Wechseln zwischen Browser und Tabelle. Microsoft spricht von einer “dynamischen Recherche-Engine” statt einem reinen Kalkulationswerkzeug. Die Funktion fügt automatisch Zitationslinks hinzu, sodass Nutzer die Datenherkunft nachvollziehen können.

Aktuell steht der Agent Mode Teilnehmern des “Frontier”-Programms und Windows Beta Channel Insiders zur Verfügung. Der Rollout für alle Enterprise-Kunden dürfte Anfang 2026 erfolgen.

Wahlfreiheit bei der KI: OpenAI oder Anthropic?

Überraschend öffnet Microsoft seine Plattform für konkurrierende KI-Modelle. Nutzer können künftig zwischen den Standard-Modellen von OpenAI und Claude von Anthropic wählen. Ein simpler Toggle ermöglicht den Wechsel je nach Aufgabenstellung.

Diese Multi-Modell-Strategie ist bemerkenswert: Microsoft räumt ein, dass kein einzelnes KI-Modell für alle Excel-Szenarien optimal ist. Während OpenAI-Modelle bei der direkten Code-Generierung punkten, könnte Claude bei der strukturierten Aufbereitung unstrukturierter Textdaten überlegen sein.

Die Entscheidung positioniert Microsoft 365 als neutralen Orchestrator verschiedener KI-Technologien – ein strategischer Schachzug, um Enterprise-Kunden langfristig zu binden.

Modernisierte Datenanbindung für Power-User

Jenseits der KI-Features überarbeitet Microsoft grundlegend die “Daten abrufen”-Funktion. Der Dialog für Power Query erhält ein aufgeräumtes Interface, das den Zugriff auf SQL-Datenbanken, CSV-Dateien und Web-Quellen deutlich vereinfacht.

Jahrelang galt das Menü als überladen und wenig intuitiv. Die neue Oberfläche reduziert die kognitive Last beim Aufsetzen von Daten-Pipelines erheblich – ein wichtiger Schritt, um fortgeschrittene Automatisierungsfunktionen auch mittelmäßig versierten Nutzern zugänglich zu machen.

Parallel dazu optimiert Microsoft die mobile Erfahrung: Unter iOS wandert die Suchleiste an den unteren Bildschirmrand, ergänzt um das neue “Liquid Glass”-Styling für nahtlose Integration ins Apple-Ökosystem.

Geschützte Dokumente: Kommentare ohne Umwege

Eine subtile, aber wirkungsvolle Verbesserung betrifft die Zusammenarbeit bei geschützten Dateien. Bisher mussten Nutzer umständliche Entsperr-Prozeduren durchlaufen, um Kommentare zu gesperrten Arbeitsmappen einzusehen.

Künftig zeigt die E-Mail-Benachrichtigung den Kommentartext direkt an – auf Windows, Web und iOS. Für Organisationen mit streng regulierten Tabellen wie Finanzberichten oder HR-Daten eliminiert das einen erheblichen Reibungspunkt, ohne die Sicherheitsarchitektur zu kompromittieren.

Die Funktion entstand als “#FIA” (Feedback in Action), basierend auf direkten Nutzeranfragen.

Von generativer zu agentischer KI

Die November-Updates spiegeln einen Paradigmenwechsel wider: 2023 und 2024 dominierten KI-Systeme, die generieren konnten – Texte, Code, Bilder. Ende 2025 steht das Ausführen von Workflows im Fokus.

Mit dem Agent Mode konkurriert Microsoft direkt mit spezialisierten Finanzrecherche-Plattformen. Die Integration von Web-Retrieval und Zitatfunktion direkt in die Tabelle stellt den Mehrwert eigenständiger Market-Intelligence-Tools infrage.

Besonders interessant wird die Kombination mit Python in Excel, das Enterprise-Nutzern seit diesem Jahr zur Verfügung steht. Theoretisch könnte ein Nutzer bald sagen: “Lade die Wetterdaten der letzten fünf Jahre für London herunter und nutze Python, um die Korrelation mit lokalen Einzelhandelsumsätzen zu visualisieren” – alles in einem einzigen Befehl.

Was kommt als Nächstes?

Die allgemeine Verfügbarkeit der Beta-Features dürfte im ersten Quartal 2026 erfolgen, basierend auf Microsofts typischen Rollout-Zyklen. Die größere Frage lautet: Wie weit geht die Autonomie der Agenten?

Excel transformiert sich vom statischen Legacy-Tool zum dynamischen Kommandozentrum für Datenarbeit. Mit KI-Agenten, die das Web durchsuchen, und der Wahlfreiheit zwischen konkurrierenden KI-Modellen hat Microsoft die Messlatte für produktivitätsorientierte KI deutlich angehoben.

Für deutsche Unternehmen, die auf SAP-Integration und DSGVO-konforme Datenverarbeitung angewiesen sind, wird entscheidend sein, wie Microsoft die europäischen Datenschutzanforderungen bei der Web-Recherche-Funktion umsetzt. Bleibt die KI auf europäischen Servern, oder werden sensible Rechercheanfragen über US-Infrastruktur geleitet?

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