EUDI-Wallet, EU-Projekt

EUDI-Wallet: Vom EU-Projekt zum globalen Reisepass

10.01.2026 - 21:13:12

Die europäische digitale Identität gewinnt mit Amadeus an Fahrt für den globalen Luftverkehr, während gleichzeitig heikle Verhandlungen mit den USA über den Zugriff auf biometrische Daten laufen.

Die europäische digitale Identität (EUDI-Wallet) wird zum internationalen Spieler. Nach dem erfolgreichen Startschuss in Brüssel drängt das Projekt nun in die globale Luftfahrt und steht gleichzeitig vor heiklen Datenschutz-Verhandlungen mit den USA.

Luftfahrt setzt auf digitale Standards

Ein entscheidender Durchbruch gelang im Bereich Reisen. Der Reise-Technologiekonzern Amadeus gab bekannt, sich einer Initiative der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) anzuschließen. Ziel ist die Förderung digitaler Reiseausweise (DTC), die Kernstück der EUDI-Wallet sein sollen.

Diese Integration ist zentral für die EU-Vision: Bürger sollen künftig mit ihrem Smartphone grenzüberschreitend reisen können – ohne physischen Pass. Amadeus will mit der ICAO die technische Infrastruktur für diese digitalen Credentials verfeinern. Das entspricht dem Plan der EU-Kommission für ein „Wallet-basiertes“ Reisen, bei dem die Identität biometrisch schon vor Ankunft am Flughafen geprüft wird.

Die Beteiligung des Marktführers gibt dem Projekt den nötigen Schub, um von Pilotversuchen in den weltweiten Masseneinsatz an Flughäfen zu kommen. Grundlage sind Tests im abgeschlossenen „POTENTIAL“-Großpiloten.

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Transatlantischer Konflikt um Biometrie-Daten

Während die Technik voranschreitet, wachsen die politischen Spannungen. Die EU verhandelt offenbar mit den USA über einen umstrittenen Deal zum Zugriff auf biometrische Daten. Dieser soll Voraussetzung für den Erlass der Visumpflicht bleiben.

Die USA fordern demnach erweiterten Zugang zu europäischen Biometrie-Datenbanken. Für die „privacy-first“ konzipierte EUDI-Wallet, die auf selektive Offenlegung und Nutzerkontrolle setzt, ist das ein Problem. Eine Zustimmung der EU könnte technische Anpassungen erfordern, um Interoperabilität mit Systemen des US-Heimatschutzministeriums herzustellen.

Datenschützer warnen: Eine Verknüpfung mit US-Datenbanken könnte das „selbstbestimmte“ Wesen der Wallet aushöhlen. Befürworter argumentieren, ein vertraglich gesicherter Austausch sei besser als der aktuelle Flickenteppich – und für transatlantisches Reisen unverzichtbar.

Countdown zur verbindlichen Einführung

Die neuen Entwicklungen folgen kurz auf das „EUDI Wallets Launchpad“ im Dezember in Brüssel. Dort wurde der Übergang von der Pilot- in die Umsetzungsphase eingeläutet. Der Fokus liegt nun auf der „Ecosystem Readiness“: Nicht nur Behörden, auch Banken, Telekom-Anbieter und Airlines müssen die Wallet akzeptieren.

Deutschland geht hier voran. Eine im November 2025 unterzeichnete Absichtserklärung mit über 75 Unternehmen soll die Einführung beschleunigen. Diese öffentlich-private Partnerschaft arbeitet an der Integration in deutsche Geschäftsprozesse – ein Blaupause für andere Mitgliedstaaten im Jahr 2026.

Die doppelte Herausforderung: Technik und Politik

Die parallelen Meldungen zeigen das Dilemma für 2026: Die Technologie reift schneller als die Politik. Während Amadeus die „Schienen“ für digitales Reisen baut, zeigen die EU-US-Verhandlungen die Reibungsverluste zwischen verschiedenen Rechtsräumen.

Für den Erfolg der Wallet ist ein Netzwerkeffekt entscheidend. Sie muss nicht nur von EU-Behörden, sondern von globalen Plattformen akzeptiert werden. Die Beteiligung von Amadeus signalisiert, dass die Wirtschaft in der Wallet mehr sieht als lästige Pflicht. Das Ergebnis der US-Datengespräche wird jedoch bestimmen, ob sie ein europäisches Nischenprodukt oder ein globaler Reisepass wird.

Die Frist drängt: Bis Ende 2026 sind die Mitgliedstaaten verpflichtet, ihren Bürgern mindestens eine Version der digitalen Wallet anzubieten. Die ersten Quartale des Jahres werden von der Finalisierung der technischen Standards für den digitalen Reiseausweis und der hitzigen Debatte um den Biometrie-Deal geprägt sein. Die Zukunft der Identitätsprüfung wird nun in Check-in-Systeme codiert – und auf transatlantischer Diplomatieebene verhandelt.

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