EUDI-Wallet: Großer Durchbruch für digitale Identität
29.11.2025 - 13:59:12Europa steht vor der Zeitenwende: Am Donnerstag, dem 27. November, präsentierte das POTENTIAL-Konsortium in Luxemburg die Ergebnisse seiner zweijährigen Testphase für die europäische digitale Identität. Die zentrale Botschaft für Deutschland, Österreich und die Schweiz: Die Technik funktioniert – jetzt kommt es auf einheitliche Standards an.
Was bedeutet das konkret? Bürger im DACH-Raum könnten ab 2026 mit einer einzigen digitalen Identität Bankkonten in Frankreich eröffnen, in Italien Autos mieten oder in Spanien Rezepte einlösen. Die Voraussetzung: Alle beteiligten Länder müssen die gemeinsamen technischen Vorgaben konsequent umsetzen.
Das POTENTIAL-Konsortium vereinte 140 öffentliche und private Organisationen aus 19 EU-Mitgliedstaaten – darunter zentrale Akteure aus Deutschland und Österreich. Die beeindruckende Bilanz der Testphase: Über 1.300 durchgeführte Tests, mehr als 1.000 erfolgreiche Transaktionen und 249 gezielte Prüfungen der grenzüberschreitenden Funktionsfähigkeit.
Projektkoordinator Florent Tournois brachte es auf den Punkt: „POTENTIAL hat bewiesen, dass Europa grenzüberschreitende Interoperabilität erreichen kann – aber nur bei strenger Anwendung gemeinsamer Standards.”
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Die Pilotphase validierte sechs zentrale Anwendungsfälle, die das Rückgrat künftiger Bürgerdienste bilden werden:
- E-Government-Dienste: Sicherer Zugang zu Behördenportalen
- Kontoeröffnung: Identitätsprüfung für Finanzinstitute
- Digitaler Führerschein: Von Polizei und Autovermietungen anerkannter Nachweis
- Qualifizierte elektronische Signatur: Rechtsgültige Fernunterschriften
- SIM-Registrierung: Identitätsnachweis für Telekommunikation
- E-Rezept: Grenzüberschreitender Zugang zu Medikamenten
Doch Tournois warnte auch: „Sicherheit ist nicht nur eine Frage der Technologie – sie erfordert Governance, Zertifizierung und Haftungsregelungen.” Die technische Phase sei beendet, nun beginne die regulatorische Umsetzung.
Deutschland erhält dringend benötigten Schub
Für Deutschland kommt das Pilotprojekt zur rechten Zeit. Die Bundesregierung stand wegen der schleppenden Einführung der „Smart-eID” und der Komplexität des „BundID”-Systems in der Kritik. Im August 2025 nutzten erst rund 4,9 Millionen Menschen die digitale Identität aktiv.
Die POTENTIAL-Ergebnisse liefern deutschen Behörden nun eine validierte Referenzarchitektur für die Umsetzung der eIDAS-2.0-Verordnung. Besonders relevant: Die erfolgreiche Erprobung der SIM-Registrierung könnte die bisher umständlichen Identitätsprüfungen bei deutschen Mobilfunkverträgen erheblich vereinfachen.
Wird Deutschland den 2026er-Termin einhalten können? Die technischen Grundlagen stehen jedenfalls bereit – jetzt ist politischer Wille gefragt.
Österreich baut Vorsprung aus
Österreich startet aus einer komfortableren Position. Das Land hat mit „ID Austria” bereits eine gut angenommene digitale Identität etabliert, die die frühere „Handy-Signatur” ablöste. Als aktiver Teilnehmer am Pilotprojekt konnte Österreich seine Infrastruktur gegen die neuen EU-Standards testen.
Vor allem für österreichische Unternehmen ist die Validierung der qualifizierten elektronischen Signatur ein Gewinn: ID Austria wird bereits heute für rechtsgültige digitale Unterschriften genutzt. Die Testergebnisse bestätigen, dass die bestehende Infrastruktur mit dem Rest Europas interoperabel gemacht werden kann.
Schweiz: Integration trotz EU-Außenseiter-Status
Die Schweiz nimmt eine Sonderrolle ein. Nach der Zustimmung zum neuen E-ID-Gesetz im Referendum vom 28. September 2025 arbeiten die Behörden an den technischen Verordnungen für die „Swiyu”-Wallet-Infrastruktur.
Obwohl die Schweiz nicht EU-Mitglied ist und nicht direkt am POTENTIAL-Konsortium teilnahm, schaffen die definierten Interoperabilitätsstandards faktische Vorgaben für das schweizerische System. Ohne technische Kompatibilität mit dem EUDI-Wallet-Ökosystem wäre die Schweizer E-ID für Geschäftsreisen oder Handel im DACH-Raum kaum nutzbar.
Branchenanalysten erwarten daher, dass die Schweiz die „gemeinsamen Standards” von Tournois in ihrer technischen Umsetzung übernehmen wird. Die erfolgreichen grenzüberschreitenden Tests mit der Ukraine – ebenfalls kein EU-Mitglied – zeigen: Auch Nicht-EU-Partner können Interoperabilität erreichen.
Der Fahrplan bis 2026
Mit Abschluss des POTENTIAL-Piloten beginnt die Rollout-Phase. Die Europäische Kommission hat bereits die nächsten großangelegten Pilotprojekte APTITUDE und WE BUILD gestartet, die auf der Abschlussveranstaltung bestätigt wurden. Diese konzentrieren sich auf die Skalierung des Ökosystems und die Verfeinerung der Sicherheitsarchitektur.
Für Bürger im DACH-Raum bedeutet das:
- 2026: Zieldatum für vollständig konforme EUDI-Wallets in EU-Mitgliedstaaten
- Ende 2026: Erwarteter Start der staatlichen Schweizer E-ID
Das luxemburgische Ministerium für Digitalisierung formulierte es so: „Die Erkenntnisse aus POTENTIAL liefern einen Fahrplan für den Erfolg. Europa ist nun besser positioniert, digitale Identitäts-Wallets bereitzustellen, die sicher, interoperabel und vertrauenswürdig sind.”
Unternehmen und Behörden im deutschsprachigen Raum sollten bereits jetzt ihre Systeme auf die neuen digitalen Signaturen und Nachweise vorbereiten. Die Art, wie Bürger mit Diensten interagieren, steht vor einem fundamentalen Wandel.
Hinweis: Dieser Artikel basiert auf Pressemitteilungen und offiziellen Ankündigungen vom 26. bis 29. November 2025. Finanzielle und rechtliche Entscheidungen sollten auf Grundlage offizieller behördlicher Leitlinien getroffen werden.
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