EU-Zolltarif 2026: Neue Codes für grüne Technologien treten in Kraft
12.01.2026 - 10:00:12Die EU schafft mit ihrem neuen Zolltarif Transparenz für strategische Schlüsseltechnologien. Ab sofort müssen Importeure von Batteriematerialien, Solar- und Wasserstoffkomponenten präzise neue Warencodes anwenden.
Seit dem 1. Januar 2026 gilt die aktualisierte Kombinierte Nomenklatur (KN) 2026. Sie zwingt Unternehmen zu einer bisher ungekannten Detailtiefe bei der Deklaration von Rohstoffen und Teilen für die Energiewende. Hinter der scheinbar bürokratischen Maßnahme steht eine klare industriepolitische Strategie: Die EU will ihre Abhängigkeiten in kritischen Lieferketten sichtbar machen und die Grundlage für handelspolitische Maßnahmen schaffen.
Die größte unmittelbare Veränderung betrifft die Batterieindustrie. Bisherige Sammelcodes für Batteriematerialien wurden abgeschafft. Stattdessen führt Kapitel 28 für anorganische Chemikalien jetzt exklusive Unterpositionen für die wichtigsten Lithium-Ionen-Chemien ein.
Konkret bedeutet das: Importeure müssen zwischen Lithium-Nickel-Mangan-Cobalt-Oxiden (NMC) und Lithium-Eisenphosphat (LFP) unterscheiden. Für NMC gelten nun die Codes 2841 90 40 und 2841 90 70, für LFP die Codes 2842 90 20 und 2842 90 70.
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Diese Granularität ist ein direktes Werkzeug zur Umsetzung des EU-Gesetzes über kritische Rohstoffe. Die Zollbehörden können nun erstmals präzise Daten darüber erheben, welche Batterietechnologien in welchem Umfang in die EU importiert werden. Für die Compliance-Abteilungen der Unternehmen ist höchste Sorgfalt geboten. Eine Fehlklassifizierung dieser hochwertigen Güter kann zu kostspieligen Verzögerungen und Prüfverfahren führen.
Solar, Wasserstoff und Wind: Präzision für die Energiewende
Auch für andere Schlüsselsektoren der grünen Transformation bringt die KN 2026 entscheidende Verfeinerungen.
Solar- und Wasserstofftechnologie
In Kapitel 38 für chemische Erzeugnisse gibt es nun eigene Codes für Photovoltaik-Wafer (3818 00) und hochreines künstliches Graphit (3801 10). Letzteres ist essenziell für Batterieanoden.
Für die Wasserstoffwirtschaft führt Kapitel 85 spezifische Positionen für Brennstoffzellengeneratoren (unter 8501 33) ein. Eine wichtige Neuerung betrifft Solarwechselrichter: Seit Jahresbeginn müssen Wechselrichter mit Maximum-Power-Point-Tracking (MPP) unter dem code 8504 40 84 deklariert werden. So wird effiziente, moderne Technik von einfacheren Stromumrichtern statistisch getrennt.
Windenergie-Komponenten
Die Windbranche erhält in Kapitel 73 und 84 endlich Klarheit. Neue Unterpositionen gelten für Stahltürme von Windkraftanlagen (7308 20) sowie für Rotorblätter und Rotoren/Stators (8410 90 und 8412 90). Bisher wurden diese Großkomponenten oft als allgemeine Stahlkonstruktionen erfasst – ein statistisches Blindspot für den Infrastrukturausbau ist damit behoben.
Doppelte Herausforderung: Neue Codes treffen auf neue Ursprungsregeln
Die Umstellung auf die Green-Tech-Codes fällt mit einer weiteren handelspolitischen Neuerung zusammen. Seit dem 1. Januar gelten auch überarbeitete Ursprungsregeln im Pan-Euro-Mittelmeer-Raum (PEM) mit Partnern wie der Türkei oder der Ukraine.
Für Unternehmen, die grüne Technologien aus dieser Region beziehen, entsteht eine „doppelte Compliance“-Pflicht. Die Waren müssen nicht nur korrekt nach dem neuen KN 2026 klassifiziert, sondern auch ihre Präferenzursprungseigenschaft nach den modernisierten PEM-Regeln nachgewiesen werden. Ein aufwändiger Prozess, der in vielen Handelsabteilungen aktuell Priorität hat.
Ausblick: Daten als Grundlage für Handelspolitik und CBAM
Handelsexperten deuten die neuen Codes als vorbereitende Infrastruktur für künftige handelspolitische Maßnahmen. Mit den spezifischen Codes für LFP und NMC hat die EU-Kommission die statistische Basis geschaffen, um bei Verdacht auf Dumping oder unfaire Subventionen zielgenau ermitteln und gegebenenfalls Zölle anwenden zu können.
Die oberste Priorität für Unternehmen im ersten Quartal 2026 ist die Datenbereinigung. Alte Materialstammdaten, die vor Oktober 2025 angelegt wurden, bergen ein hohes Risiko für Fehldeklarationen und damit für Bußgelder.
Langfristig werden die durch die neuen Codes generierten Daten eine zentrale Rolle spielen. Sie werden in die industriepolitischen Berichte der EU für 2027 einfließen. Vor allem aber werden sie mit der fortschreitenden Implementierung des CO2-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) an Bedeutung gewinnen. Die Verknüpfung von spezifischen Warencodes mit den darin enthaltenen CO2-Emissionen wird dann entscheidend. Der Zolltarif 2026 ist damit weit mehr als eine Liste von Zahlen – er ist der digitale Spiegel der industriellen und ökologischen Prioritäten der Europäischen Union.
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