EU-Vorschlag gegen Entwaldung: Umsetzung um zwei Jahre verschoben
20.01.2026 - 19:34:12Die umstrittenen Sorgfaltspflichten für Lieferketten werden erst Ende 2026 verbindlich. Grund sind massive technische und praktische Hürden.
Nach monatelangem Streit hat die Europäische Union die Anwendung ihrer Verordnung für entwaldungsfreie Lieferketten (EUDR) deutlich verschoben. Statt wie zuletzt geplant Ende 2025 treten die strengen Regeln für große und mittlere Unternehmen nun erst am 30. Dezember 2026 in Kraft. Für Kleinstunternehmen gilt sogar eine Schonfrist bis Mitte 2027. Die Entscheidung, die im Amtsblatt der EU veröffentlicht wurde, folgt auf erheblichen Druck aus der Wirtschaft und von internationalen Handelspartnern.
Technisches Chaos und Bürokratie als Bremsklötze
Hauptgrund für den Aufschub ist das marode IT-System der EU-Kommission. Dieses digitale Portal, über das Unternehmen ihre Sorgfaltserklärungen einreichen müssen, ist schlicht nicht einsatzbereit. Die Befürchtung: Es würde unter der erwarteten Datenflut zusammenbrechen und für massive Verzögerungen an den EU-Grenzen sorgen. „Die Rechtsunsicherheit wäre enorm gewesen“, kommentiert ein Branchenkenner.
Doch die Technik ist nur ein Problem. Vor allem kleine Farmer in Erzeugerländern sind mit den Anforderungen überfordert. Sie sollen lückenlos nachweisen, dass ihre Produkte nicht von Flächen stammen, die nach 2020 gerodet wurden. Die präzise Geolokalisierung jeder Anbaufläche stellt viele vor unlösbare bürokratische und technische Hürden.
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Erleichterungen für die Wirtschaft
Neben der Zeitverzögerung hat die EU auch inhaltliche Zugeständnisse gemacht. Die größte Erleichterung: Die Sorgfaltspflicht konzentriert sich jetzt auf den Erstinverkehrbringer. Nur das Unternehmen, das ein Produkt wie Kaffee, Kakao oder Holz erstmals in die EU einführt, muss die umfassende Due-Diligence-Erklärung abgeben. Händler und Weiterverarbeiter in der Lieferkette sind von dieser Pflicht befreit. Sie müssen lediglich eine Referenznummer der Ursprungserklärung vorhalten. Zudem wurden Bücher und Zeitungen komplett von der Regelung ausgenommen.
Geteilte Reaktionen: Erleichterung vs. Enttäuschung
Die Wirtschaft atmet auf. Verbände begrüßen die Verschiebung als „notwendigen Schritt zur Praxistauglichkeit“. Viele Unternehmen hatten bereits Millionen in die Vorbereitung gesteckt und standen vor dem Nichts. Die gewonnene Zeit soll nun für den Aufbau robuster Lieferketten-Nachweise genutzt werden.
Umweltschützer reagieren dagegen mit scharfer Kritik. Sie sehen das Kernziel des European Green Deal ausgehöhlt. Jede Verzögerung bedeute weiteren Raubbau an den globalen Wäldern und einen Rückschlag für den Klimaschutz. Die EU-Kommission stehe nun in der Pflicht, die Zeit bis 2026 zu nutzen, um das IT-System endlich funktionsfähig zu machen und klare Leitlinien vorzulegen. Für die betroffenen Branchen bleibt die EUDR eine der größten regulatorischen Herausforderungen des Jahrzehnts.


