EU verdoppelt Stahlzölle auf 50 Prozent als Antwort auf USA
29.12.2025 - 03:43:12Die EU plant als Reaktion auf US-Zölle eine Verdopplung der Stahlabgaben und Halbierung der Kontingente. Dies soll den Markt vor Überflutung schützen, birgt aber Risiken für verarbeitende Industrien.
Die Europäische Union zieht die Zollschraube an: Als direkte Reaktion auf neue US-Protektionismus-Maßnahmen bereitet Brüssel eine drastische Verschärfung der Stahl-Importregeln vor. Die Zölle für Überschussmengen sollen sich verdoppeln, die zollfreien Kontingente fast halbiert werden. Eine Entscheidung, die Lieferketten in ganz Europa umkrempeln wird.
US-Eskalation zwingt EU zum Handeln
Auslöser ist eine Verfügung des US-Präsidenten Donald Trump vom 26. Dezember. Er rief einen „nationalen Notstand“ wegen Handelsdefiziten aus und verhängte pauschal zehn Prozent Zoll auf die meisten Importe – mit Sonderabgaben auf Stahl. Die EU-Kommission bedauerte diesen Schritt als „ungerechtfertigt und handelsstörend“.
Doch die amerikanische Entscheidung ließ Brüssel keine Wahl mehr. „Die geopolitische Lage hat sich in 72 Stunden grundlegend verändert“, heißt es in einer Handelsanalyse. Der EU-Vorschlag, die US-Zollsätze von 50 Prozent zu spiegeln, sei „kein Verhandlungsinstrument mehr, sondern eine defensive Notwendigkeit“. Ziel ist es, eine Flut von Stahl aus China und anderen Ländern abzuwehren, die nun vom US- auf den EU-Markt ausweichen könnten.
Das neue Zollregime: So hart wird es
Kern der Antwort ist die „Post-Safeguard-Verordnung“, über die der Handelsausschuss des EU-Parlaments (INTA) im Januar 2026 abstimmen soll. Sie soll die auslaufenden Schutzmaßnahmen Mitte 2026 durch ein dauerhaft schärferes System ersetzen.
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Die wichtigsten Neuerungen:
* Zölle von 50 Prozent: Die Abgabe für Importe über das Kontingent verdoppelt sich von 25 auf 50 Prozent – angeglichen an das US-Niveau.
* Kontingente fast halbiert: Nur noch rund 18,3 Millionen Tonnen Stahl dürfen jährlich zollfrei in die EU – 47 Prozent weniger als 2024.
* „Schmelz- und Guss“-Nachweis: Ab Oktober 2026 müssen Importeure belegen, wo der Rohstahl erschmolzen wurde. Das soll Umgehungen über Drittländer wie Vietnam oder die Türkei verhindern.
Laut dem europäischen Stahlverband EUROFER sind die Exporte des Blocks bereits um acht Prozent eingebrochen. Für die Industrie sind die neuen Schutzmaßnahmen daher überlebenswichtig.
CBAM-Ausweitung trifft verarbeitende Industrie
Parallel zu den Zöllen verschärft Brüssel auch die Klimainstrumente. Mitte Dezember schlug die Kommission vor, den CO₂-Grenzausgleich (CBAM) auf weiterverarbeitete Produkte auszudehnen.
Betroffen wären dann „stahlintensive“ Fertigwaren wie Maschinen, Haushaltsgeräte oder Autoteile. Ziel ist, die Verlagerung europäischer Produktion ins Ausland zu verhindern. Für Importeure bedeutet das einen erheblichen Mehraufwand: Sie müssen künftig die eingebetteten Emissionen komplexer Fertigprodukte nachweisen, nicht nur von Rohmaterialien.
„Die Einbeziehung von Downstream-Produkten verändert alles“, warnt ein Compliance-Bericht. „Es schließt eine Lücke bei der Verlagerung von CO₂-Emissionen, aber es beginnt ein neues Kapitel an bürokratischen Herausforderungen.“
Geteilte Reaktionen: Schutz für Stahl, Gefahr für Industrie
Die geplanten Maßnahmen spalten die europäische Wirtschaft. Die Stahlproduzenten begrüßen die 50-Prozent-Zölle als „entscheidend“ für ihr Überleben. Viele Werke laufen derzeit nur mit 60 Prozent Auslastung.
Die verarbeitende Industrie schlägt dagegen Alarm. Berichte aus dem deutschen Maschinenbau deuten an, dass die Kombination aus halbierten Kontingenten und verdoppelten Zöllen zu Engpässen und Preisexplosionen bei Spezialstählen führen könnte.
„Das neue Regime baut eine Festung um den EU-Stahlmarkt“, kommentiert ein Marktanalyst. „Es schützt die Hütten vor chinesischem Dumping, macht aber europäische Auto- und Baukonzerne verwundbar für höhere Kosten – genau dann, wenn die Wirtschaftslage 2026 unsicher bleibt.“
Was kommt jetzt? Der Weg zur Umsetzung
Der Fokus liegt nun auf der INTA-Abstimmung im Januar 2026. Eigentlich sollten die neuen Regeln am 1. Juli 2026 in Kraft treten. Doch die US-Eskalation könnte einen Turbo zünden: Sollten Washington seine Zölle nach der 90-tägigen Pause sofort durchsetzen, könnte Brüssel Notfallverfahren für eine schnellere Einführung der 50-Prozent-Abgabe aktivieren.
Importeure sollten ihre Lieferketten jetzt auf die „Schmelz- und Guss“-Herkunft prüfen. Sie müssen sich auf ein volatiles Preisumfeld im ersten Quartal 2026 einstellen. Die Ära des relativ offenen globalen Stahlhandels geht zu Ende – ersetzt durch ein System hoher Zollmauern und strenger CO₂-Auflagen.
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