EU und Mercosur besiegeln historisches Freihandelsabkommen
17.01.2026 - 18:22:12Die Europäische Union und der südamerikanische Mercosur-Block unterzeichnen heute in Asunción eines der größten Handelsabkommen der Welt. Nach 25 Jahren Verhandlung setzt der Vertrag mit einer strengen 60-Prozent-Wertschöpfungsklausel neue Maßstäbe für regionalen Handel.
Der Deal schafft eine Freihandelszone für fast 800 Millionen Menschen und ein Fünftel der Weltwirtschaft. Zölle auf über 90 Prozent der Waren sollen fallen. Doch die neue Ursprungsregel zeigt: In unsicheren Zeiten setzen beide Blöcke auf abgeschottete Partnerschaften statt auf globale Öffnung.
Die 60-Prozent-Klausel als Bollwerk
Herzstück des Vertrags ist die verschärfte „Rules of Origin“-Regel. Sie verlangt, dass 60 Prozent des Werts eines Produkts in der EU oder Mercosur entstehen müssen, um zollfrei gehandelt werden zu können.
Diese Anhebung von früher diskutierten 40 bis 50 Prozent ist eine klare Antwort auf China und andere asiatische Produzenten. Sie soll verhindern, dass diese fast fertige Ware – wie Elektroautos oder Maschinen – über Mercosur-Länder zollfrei in die EU schleusen.
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Besonders die europäische Autoindustrie atmet auf. Der schrittweise Zollabbau über 15 Jahre kommt so vor allem eigenen Produktionslinien zugute, nicht Montagewerken mit importierten Teilen.
Milliarden-Entlastung für Exporteure
Die wirtschaftliche Triebfeder sind massive Zollsenkungen. EU-Exporteure sparen jährlich rund vier Milliarden Euro.
- Autos: Der hohe Mercosur-Einfuhrzoll von 35 Prozent für europäische Fahrzeuge wird schrittweise abgebaut. Sofort gilt eine Quote von 50.000 Stück.
- Maschinen & Chemie: Deutsche und französische Hersteller profitieren, da Zölle von 14 bis 20 Prozent entfallen.
- Pharma: Arzneimittel-Exporte werden zollfrei – ein Schub für die Diversifizierung medizinischer Lieferketten.
Im Gegenzug öffnet die EU ihren Markt für 92 Prozent der Mercosur-Importe. Für südamerikanische Agrarkonzerne ist das ein großer Erfolg. Um europäische Bauern zu schützen, gelten jedoch kontingentierte Mengen für Rindfleisch (99.000 Tonnen), Geflügel und Zucker.
Politischer Zankapfel trotz Einigung
Die heutige Unterschrift täuscht über tiefe Gräben hinweg. Bereits die Ermächtigung zur Unterzeichnung spaltete die EU: Österreich, Frankreich, Ungarn, Irland und Polen stimmten am 9. Januar dagegen. Belgien enthielt sich.
Die Länder fürchten um ihre Landwirtschaft und kritisieren Umweltlücken. Doch eine qualifizierte Mehrheit unter Führung Deutschlands und Spaniens setzte sich durch. Sie betonten die geopolitische Notwendigkeit des Deals.
Auch in Südamerika ist die Stimmung nicht einheitlich. Während Paraguays Präsident Santiago Peña gastiert, fehlt Brasiliens Staatschef Luiz Inácio Lula da Silva – ein Signal für innenpolitischen Widerstand gegen die Umweltauflagen.
Antwort auf globale Handelsspaltung
Die Eile bei der Fertigstellung ist kein Zufall. Sie ist eine direkte Reaktion auf den aggressiven US-Protektionismus. Angesichts drohender US-Strafzölle wollen EU und Mercosur ihre Wirtschaftsallianz zementieren.
Das Abkommen ist damit längst mehr als ein Preisdumping-Instrument. Es dient der „offenen strategischen Autonomie“ der EU. Kritische Rohstoffe aus Südamerika sollen in europäische Lieferketten fließen – aber nur unter Einhaltung strenger Nachhaltigkeitsstandards.
Umweltauflagen und der Trick mit der Teilung
Um Kritiker zu besänftigen, enthält der Vertrag ein umfangreiches Nachhaltigkeitskapitel. Es verpflichtet zur Einhaltung des Pariser Klimaabkommens und zu verbindlichen Maßnahmen gegen Entwaldung.
Trickreich ist die rechtliche Konstruktion: Nur der Handelsteil wird heute als „Interim Trade Agreement“ (iTA) unterzeichnet. Dieser kann nach Ratifizierung durch das EU-Parlament in Kraft treten, ohne dass sofort alle 27 nationalen Parlamente zustimmen müssen.
Der steinige Ratifizierungsweg beginnt
Die heutige Unterschrift ist erst der Anfang. Die eigentliche Schlacht wird 2026 im Europäischen Parlament geschlagen. Während europäische Bauern weiter protestieren, wollen Fraktionen aus Frankreich und Österreich die endgültige Zustimmung blockieren.
Fachleute rechnen frühestens Ende 2026 mit einem Inkrafttreten des Handels-Teils. Das vollständige Assoziierungsabkommen mit politischer Kooperation benötigt dann jedoch jede nationale Ratifizierung – ein Prozess, der bis Ende des Jahrzehnts dauern kann.
Unternehmen beider Kontinente bereiten sich dennoch bereits vor. Logistiker und Compliance-Beauftragte prüfen Lieferketten, um die neue 60-Prozent-Hürde zu nehmen. Sie wollen bereit sein, wenn die ersten Zollsenkungen wirksam werden.
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