Indonesien, Handelskorridor

EU und Indonesien schaffen grünen Handelskorridor

07.01.2026 - 14:30:12

Die EU und Indonesien haben ein historisches Handelsabkommen unterzeichnet, das trotz strenger Umweltauflagen den Warenverkehr sichert.

Jakarta/Brüssel – Ein Jahrzehnt zäher Verhandlungen findet ein überraschend pragmatisches Ende: Mit der Unterzeichnung des umfassenden Wirtschaftspartnerschaftsabkommens (IEU-CEPA) schaffen die EU und Indonesien einen „Grünen Korridor“. Dieser soll die Exporte des südostasiatischen Landes auch unter der seit Jahreswechsel geltenden, strengen EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) aufrechterhalten. Die sofort in Kraft tretenden Erleichterungen verhindern drohende Handelsblockaden für Schlüsselgüter wie Palmöl und Kaffee.

Die Unterzeichnung in Jakarta ist vor allem ein diplomatischer Rettungsakt. Seit dem 30. Dezember 2025 müssen große Unternehmen der EUDR folgen und nachweisen, dass ihre Produkte nicht auf gerodeten Flächen angebaut wurden. Für Indonesien, einen der größten Exporteure von Agrarrohstoffen, drohten damit massive Lieferengpässe.

Die jetzt vereinbarten Sofortmaßnahmen zielen genau darauf ab:
* Die EU erkennt bestimmte indonesische Nachhaltigkeitszertifikate an.
* Ein „Fast-Track“-Mechanismus soll Kleinbauern vor dem Ausschluss vom EU-Markt bewahren.
* Digitale Schnittstellen zwischen den Zollbehörden beschleunigen die Abwicklung.

„Ohne diese Einigung hätten Container im Wert von Millionen Euro in europäischen Häfen festsitzen können“, kommentiert eine Handelsexpertin. Die Maßnahmen schaffen faktisch eine Brücke, bis das vollständige Abkommen 2027 in Kraft tritt.

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Langfristig fast vollständiger Zollabbau

Das eigentliche CEPA ist ein ambitioniertes Projekt. Langfristig soll die EU über 98 Prozent ihrer Zölle auf indonesische Waren streichen. Im Gegenzug öffnet Indonesien seinen Markt für europäische Industriegüter.

Für die deutsche Exportwirtschaft, insbesondere den Maschinen- und Automobilbau, birgt das enorme Chancen. Bislang schützte Jakarta seinen Markt mit hohen Zöllen. Künftig könnten europäische Unternehmen jährlich bis zu 600 Millionen Euro an Zollgebühren sparen.

Indonesien verspricht sich davon mehr als nur sichere Rohstoffexporte. Die Regierung hofft auf Technologietransfer und Investitionen, um heimische Industrien – etwa die Verarbeitung von Nickel für Elektroauto-Batterien – aufzubauen.

Eine Blaupause für grünen Handel?

Die Reaktionen aus der Wirtschaft sind erleichtert, aber vorsichtig. Die größte Hürde, die Sorge vor einem Handelskrieg, sei ausgeräumt. Doch jetzt beginne die eigentliche Arbeit: die technische Umsetzung der vereinbarten Systeme.

Das Abkommen muss zudem noch die Parlamente in Brüssel und Jakarta passieren. Bleibt die Ratifizierung bis 2027 auf Kurs, könnte das IEU-CEPA zu einer Blaupause werden. Es zeigt, wie sich ambitionierte Umweltstandards und freier Handel durch Kooperation vereinbaren lassen – eine Lektion, die weit über Südostasien hinausreicht.

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