Souveränität, Gesetzesoffensive

EU treibt digitale Souveränität mit Gesetzesoffensive voran

04.02.2026 - 20:23:12

Die Europäische Union lanciert 2026 ein umfangreiches Gesetzespaket, um die Abhängigkeit von ausländischer Technologie zu reduzieren und ein sicheres, eigenständiges digitales Ökosystem aufzubauen.

Die Europäische Union startet 2026 eine Offensive für mehr digitale Unabhängigkeit. Neue Gesetze und Initiativen sollen die Abhängigkeit von ausländischer Technologie reduzieren – ein Kraftakt angesichts der aktuellen Marktdominanz.

Abhängigkeit als Sicherheitsrisiko

Die Dimension der Herausforderung ist enorm. Ein aktueller Bericht des Europäischen Parlaments zeigt: 92 Prozent der westlichen Daten liegen in den USA, und amerikanische Anbieter kontrollieren schätzungsweise 69 Prozent des europäischen Cloud-Marktes. Für EU-Regulierer ist diese Konzentration ein kritisches Sicherheitsrisiko für Finanzsysteme und die wirtschaftliche Stabilität des Blocks.

Gesetzespaket für digitale Infrastruktur

Als Antwort folgt nun ein umfangreiches Gesetzespaket. Herzstück ist der für das erste Quartal erwartete Cloud and AI Development Act. Er soll ein sicheres und wettbewerbsfähiges europäisches Ökosystem für diese Schlüsseltechnologien schaffen. Ergänzt wird er durch einen Digital Networks Act und eine Überarbeitung des Chips Act.

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Parallel treten weitere Regeln in Kraft. Die Greenwashing Directive und Vorgaben für Digitale Produktpässe gelten ab September 2026. Bereits im August wird der KI-Gesetz vollständig anwendbar. Dieser regulatorische Großangriff zielt darauf ab, die gesamte digitale Lieferkette unter europäische Kontrolle zu bringen.

Der Kampf um die Cloud

Besonders heftig tobt der Kampf um die Cloud. Die Marktmacht weniger US-Konzerne sorgt für massive Abhängigkeiten. Auf der HiPEAC-Konferenz Anfang Februar warnten Technologiechefs vor steigenden Kosten, Vendor-Lock-in und rechtlicher Unsicherheit.

Große US-Hyperscaler reagieren mit sogenannten „Sovereign Cloud“-Angeboten. Amazon kündigte kürzlich seine European Sovereign Cloud an, die komplett innerhalb der EU betrieben wird. Doch europäische Verbände wie CISPE bleiben skeptisch. Sie warnen vor „Euro-Washing“ und betonen, dass Daten bei US-Firmen weiterhin Zugriffsersuchen ausländischer Regierungen unterliegen könnten.

Gaia-X als europäische Alternative

Europa setzt parallel auf den Aufbau eigener Infrastrukturen. Die Initiative Gaia-X ist der zentrale Baustein dieser Strategie. Sie schafft eine föderierte, sichere Dateninfrastruktur auf Basis europäischer Werte. Mit Leuchtturmprojekten wie Catena-X für die Automobilindustrie entstehen praktische Datennetzwerke, die eine Alternative zu den zentralisierten Modellen der Tech-Giganten bieten sollen.

Zwischen Ambition und Realität

Die treibenden Kräfte hinter dem Drang zur Souveränität sind vielfältig: Wirtschaft, Sicherheit und Geopolitik vermischen sich. Die EU strebt keine vollständige Isolation an, sondern die Fähigkeit zu eigenen strategischen Entscheidungen – festgehalten in der „Erklärung für europäische digitale Souveränität“ von Ende 2025.

Doch wie realistisch ist die Unabhängigkeit bis 2026? Analysten halten einen kompletten Absprung von US-Hyperscalern für die meisten Unternehmen weder für praktikabel noch kosteneffektiv. Stattdessen dürfte sich ein pragmatischer Multi-Cloud-Ansatz durchsetzen: Sensible Daten bei lokalen, souveränen Anbietern, andere Dienste weiter bei globalen Playern. Dieser hybride Weg könnte die Brücke zwischen strategischem Ambition und operativer Realität schlagen.

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