EU streicht Indien und Indonesien milliardenschwere Zollvorteile
23.01.2026 - 17:34:12Die Europäische Union hat Indien und Indonesien zentrale Handelsprivilegien entzogen. Ab sofort gelten für fast 90 Prozent der indischen Industrieexporte in die EU wieder volle Zollsätze. Die Maßnahme trifft beide Schwellenländer in einer heiklen Phase – kurz vor dem Abschluss langersehnter Freihandelsabkommen.
Strategischer Schachzug oder handelspolitischer Druck?
Seit dem 1. Januar 2026 gelten für zahlreiche Produkte aus Indien und Indonesien höhere Einfuhrzölle in die EU. Die Kommission hat die Zollvergünstigungen im Rahmen des Allgemeinen Präferenzsystems (APS) für drei Jahre ausgesetzt. Hinter der technischen Maßnahme verbirgt sich ein klarer politischer Impuls: Die EU setzt auf reife Handelsbeziehungen mit den aufstrebenden Wirtschaftsmächten – und nicht mehr auf einseitige Zugeständnisse.
Der Mechanismus ist etabliert. Das APS soll eigentlich Entwicklungsländern helfen. Doch wenn ein Land bei bestimmten Produkten zu wettbewerbsfähig wird und Export-Schwellenwerte überschreitet, fallen die Privilegien weg – es wird „graduiert“. Genau das ist nun mit Indien und Indonesien geschehen. Die rechtliche Grundlage bildet eine Durchführungsverordnung vom September 2025.
Fehler in der Zollanmeldung können Lieferketten empfindlich stören und zu teuren Verzögerungen führen – gerade jetzt, wo Zollsätze neu bewertet werden. Ein praktischer Leitfaden erklärt die Zollanmeldung Feld für Feld, zeigt typische Fallstricke bei der Warentarifierung und liefert Checklisten für eine reibungslose Abfertigung. Besonders nützlich für Importeure und Mittelständler, die ihre Kalkulationen jetzt neu prüfen müssen. Zollanmeldung jetzt fehlerfrei ausfüllen
Indiens Industrie trifft es am härtesten
Für Indien bedeutet die Entscheidung einen herben Rückschlag. Rund 87 Prozent seiner Exporte in die EU verlieren ihren Präferenzstatus. Betroffen sind Kernindustrien: Chemikalien, Kunststoffe, Textilien, Stahl, Maschinen und Fahrzeugteile.
Ein Beispiel macht die Dimension klar: Ein Kleidungsstück aus Indien wird nun mit 12 Prozent statt bisher 9,6 Prozent verzollt. Diese Mehrkosten schmälern die Margen der Exporteure oder landen am Ende beim europäischen Verbraucher. Nur landwirtschaftliche Erzeugnisse und Lederwaren behalten ihre Vorteile.
Indonesien unter Druck – Freihandelsabkommen als Ausweg
Auch Indonesien spürt die Folgen, vor allem in den Sektoren tierische Produkte, pflanzliche Öle, Mineralien und Holz. Die Maßnahme erhöht den Druck auf beide Länder, die seit Jahren schwelenden Verhandlungen über umfassende Handelsabkommen endlich abzuschließen.
Sowohl das EU-Indien-Freihandelsabkommen (FTA) als auch das EU-Indonesien-Partnerschaftsabkommen (CEPA) stehen kurz vor dem Abschluss. Diese Verträge würden die Zölle auf eine neue, gegenseitige Grundlage stellen – und wären nachhaltiger als die einseitigen APS-Vergünstigungen.
Deutsche Unternehmen müssen Lieferketten prüfen
Für europäische Importeure, darunter viele deutsche Mittelständler, bedeutet die Änderung höhere Kosten und bürokratischen Aufwand. Unternehmen, die Komponenten oder Fertigwaren aus den betroffenen Sektoren beziehen, müssen ihre Kalkulationen dringend überprüfen.
Die Hoffnung der Wirtschaft liegt nun auf einer raschen Ratifizierung der neuen Abkommen. Besonders für Indien ist das FTA mit der EU entscheidend, um den Rückschlag zu kompensieren. Spekulationen deuten darauf hin, dass die Verhandlungen mit Indien bereits am 27. Januar offiziell beendet werden könnten.
Die EU setzt mit diesem Schritt ein klares Zeichen: Sie behandelt wirtschaftlich starke Partner wie Indien und Indonesien auf Augenhöhe – und nutzt ihre handelspolitische Macht, um umfassendere Abkommen durchzusetzen. Die kommenden Monate werden zeigen, ob diese Taktik aufgeht.
PS: Lieferkettenprüfungen und neue Zollsätze erfordern saubere Dokumente. Holen Sie sich die Schritt‑für‑Schritt‑Ausfüllhilfe für Ausfuhrbegleitdokumente und Zollanmeldungen – inklusive Praxisbeispielen und konkreten Tipps, wie Sie Verzögerungen beim Import vermeiden und zusätzliche Kosten senken. Ideal für Unternehmen, die ihre Prozesse jetzt schnell anpassen müssen. Gratis-Praxisleitfaden zur Zollanmeldung herunterladen


