Indien, Indonesien

EU streicht Indien und Indonesien Handelsvorteile

15.01.2026 - 16:46:12

Die EU hat Zollpräferenzen für wichtige Exportsektoren Indiens und Indonesiens ausgesetzt, was zu höheren Handelskosten bis 2028 führt und Unternehmen zu Anpassungen zwingt.

Die Europäische Union zieht die Zollzugeständnisse für wichtige Exportsektoren Indiens und Indonesiens zurück. Ab sofort gelten für zahlreiche Produkte wieder volle Einfuhrzölle – eine spürbare Belastung für Unternehmen auf beiden Seiten.

Seit dem 1. Januar 2026 ist die aktualisierte Graduierungsliste des Allgemeinen Präferenzsystems der EU in Kraft. Die bereits Ende 2025 beschlossene Durchführungsverordnung (EU) 2025/1909 setzt die zollbegünstigten Einfuhren für eine breitere Palette von Waren aus beiden asiatischen Schwellenländern aus. Die Maßnahme gilt bis zum 31. Dezember 2028 und zwingt europäische Importeure wie asiatische Exporteure zu schnellen Anpassungen.

Indien verliert Zugang zu drei Schlüsselsektoren

Für Indien trifft die neue Regelung drei bisher begünstigte Wirtschaftszweige besonders hart: Mineralprodukte, Gummi und Gummiartikel sowie Kraftfahrzeuge, Fahrräder, Flugzeuge und Schiffe. Sie verlieren den Präferenzstatus und unterliegen nun den regulären Meistbegünstigungszöllen.

Anzeige

Passend zum Thema: Viele Importeure stehen jetzt vor einer einfachen, aber entscheidenden Frage — welche Zolltarifnummer (HS-Code) gilt für meine Waren? Eine falsche Einstufung führt schnell zu falschen Zollsätzen und hohen Nachforderungen. Ein kostenloser Guide erklärt praxisnah, wie Sie die korrekte Zolltarifnummer finden, Warentarifierungsfehler vermeiden und die finanziellen Auswirkungen neuer Einfuhrzölle kalkulieren. Besonders nützlich für Einkauf, Zoll und Logistik. Zolltarifnummer-Guide jetzt herunterladen

Diese neuen Ausschlüsse kommen zu einer bereits langen Liste hinzu. Textilien, Chemikalien, Kunststoffe und Eisen- und Stahlerzeugnisse waren für Indien bereits zuvor graduiert worden. Insgesamt steht damit ein erheblicher Teil des indischen Exportkorbs in die EU vor höheren Handelshemmnissen. Der bisherige Preisvorteil indischer Anbieter schwindet.

Die EU begründet den Schritt mit dem Erfolg der Länder: Das GSP-System sieht vor, dass Zollvorteile entfallen, sobald ein Land in einem Sektor wettbewerbsfähig genug ist. Indien und Indonesien haben diese Schwelle in den betroffenen Bereichen überschritten.

Delhis Antwort: Dezentrale Textil-Offensive

Die indische Regierung reagiert umgehend auf den Wegfall der Handelserleichterungen. Um die Exportwettbewerbsfähigkeit zu erhalten, startete das Textilministerium kürzlich die Initiative „District-Led Textiles Transformation“ (DLTT).

Die Strategie setzt auf Dezentralisierung. Etwa 100 Bezirke werden in „Champion Districts“ für Hightech-Produktion und „Aspirational Districts“ für Grundqualifizierung und Infrastruktur eingeteilt. Das Ziel ist klar: Durch effizientere Logistik und niedrigere Produktionskosten sollen die höheren EU-Zölle kompensiert werden. New Delhi setzt damit nicht länger auf Zollnachlässe, sondern auf strukturelle Wettbewerbsfähigkeit.

Indonesien in der Zwickmühle

Für Indonesien kommt der Entzug der Präferenzen zu einem besonders ungünstigen Zeitpunkt. Betroffen sind Schlüsselprodukte wie Palmöl, Holz und Holzwaren, tierische Erzeugnisse sowie Mineralprodukte.

Das Problem: Ein umfassendes Handelsabkommen zwischen Jakarta und Brüssel wurde zwar im September 2025 unterzeichnet, tritt aber erst am 1. Januar 2027 in Kraft. Für indonesische Exporteure bedeutet das ein schwieriges „Gap Year“ 2026: Die alten Zollerleichterungen sind weg, die neuen tarifären Vorteile des Abkommens gelten noch nicht.

Europäische Hersteller, die auf indonesische Rohstoffe angewiesen sind, könnten in dieser Übergangsphase mit höheren Kosten rechnen. Wettbewerber aus Vietnam oder Malaysia, die über günstigere Zugangsbedingungen verfügen, dürften profitieren.

Was bedeutet das für europäische Unternehmen?

Die Anpassung betrifft unmittelbar europäische Firmen, die Vorprodukte oder Rohstoffe aus Indien und Indonesien beziehen. Sie müssen nun für viele Waren den vollen Gemeinsamen Zolltarif einplanen.

Handelsexperten raten Importeuren dringend, die spezifischen Harmonisierten System-Codes ihrer Waren mit der neuen Verordnung abzugleichen. Nur so lässt sich die genaue finanzielle Belastung kalkulieren. Besonders betroffen sind Branchen wie die Automobilzulieferindustrie, die Reifenherstellung oder die Möbelproduktion.

Ausblick: Fokus auf Freihandelsabkommen

Die nächsten Schritte sind bereits vorgezeichnet. Für Indonesien gilt es, das Jahr 2026 zu überbrücken, um 2027 von dem neuen bilateralen Abkommen zu profitieren. Indien wiederum drängt auf einen raschen Abschluss der seit Jahren stockenden Freihandelsabkommens-Verhandlungen mit der EU.

Bis dahin bleibt 2026 ein Übergangsjahr – geprägt von höheren Zöllen, strategischen Anpassungen und dem Wettlauf um Effizienz. Die Graduierung zeigt: Der wirtschaftliche Aufstieg Asiens hat für die EU auch ihren Preis.

Anzeige

PS: Für europäische Importeure können falsche Zolltarifnummern schnell zu empfindlichen Mehrkosten führen – besonders jetzt, da viele Präferenzen entfallen. Der kostenlose E-Book-Guide bietet 11 Profi-Tipps zur korrekten Warentarifierung, erklärt, welche Prüfstellen beim Zoll besonders achten, und liefert eine Checkliste für den schnellen Abgleich Ihrer HS-Codes. So vermeiden Sie Nachzahlungen und planen Ihre Einkaufspreise realistisch. Zum kostenlosen Zolltarifnummer-Guide

@ boerse-global.de