US-Handelsabkommen, Grönland-Ultimatum

EU stoppt US-Handelsabkommen nach Grönland-Ultimatum

21.01.2026 - 23:24:12

Das Europäische Parlament hat alle Arbeiten an einem wichtigen EU-US-Handelsabkommen ausgesetzt. Grund sind neue US-Zölle, die mit der Forderung nach Kontrolle über Grönland verknüpft sind. Die Entscheidung markiert einen dramatischen Bruch im transatlantischen Verhältnis.

Der Auslöser war eine Ankündigung aus Washington vom 17. Januar. Die USA wollen ab 1. Februar Zölle von 10 Prozent auf Waren aus acht europäischen Ländern erheben. Betroffen sind Dänemark, Deutschland, Frankreich, Finnland, die Niederlande, Norwegen, Schweden und das Vereinigte Königreich. Bis Juni könnten die Abgaben sogar auf 25 Prozent steigen – falls die USA nicht den „kompletten und totalen Kauf Grönlands“ erreichen.

Für Brüssel ist dies klare wirtschaftliche Erpressung in einer territorialen Souveränitätsfrage. Die betroffenen Staaten hatten zuvor Solidarität mit Dänemark gezeigt und an einer Aufklärungsmission nach Grönland teilgenommen. Dänemark kündigte bereits an, seine Militärpräsenz auf der arktischen Insel auszubauen.

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Das nun gestoppte Abkommen war im Juli 2025 in Turnberry, Schottland, ausgehandelt worden. Es sollte einen schwelenden Handelskonflikt entschärfen. Die EU hätte Zölle auf US-Industriegüter gestrichen und neue Quoten für amerikanische Agrar- und Fischprodukte geschaffen. Im Gegenzug hätten die USA ihre Zölle auf die meisten EU-Importe bei 15 Prozent gedeckelt – statt der zuvor angedrohten 30 Prozent etwa für Automobile.

Teile des Deals waren bereits vorläufig in Kraft. Die endgültige Ratifizierung durch das Europaparlament und die Mitgliedstaaten ist nun gestoppt. Der Handelsausschuss (INTA) votierte für einen Stopp der legislativen Verfahren. „Die US-Drohungen haben die Stabilität der Handelsbeziehungen untergraben“, erklärte Ausschussvorsitzender Bernd Lange (SPD). Es bleibe keine Alternative, bis Washington zur Kooperation zurückkehre.

Solidarität als europäische Antwort

Die einheitliche und entschlossene Reaktion der EU unterstreicht eine gewachsene Entschlossenheit: Der Block will geschlossen als geopolitischer Akteur auftreten – selbst um den Preis wirtschaftlicher Kosten. Analysten sehen eine rote Linie überschritten, da die USA Handelspolitik direkt mit einer geopolitischen Forderung nach Gebietsabtretung verknüpften.

Die Eskalation wirft bereits ihre Schatten voraus. Europäische und amerikanische Aktienmärkte reagierten mit Verlusten auf die Furcht vor einem umfassenden Handelskrieg. Der Streit überschattet auch das Weltwirtschaftsforum in Davos, wo der US-Präsident sein Interesse an der Arktisregion bekräftigte.

Nächste Schritte: Notgipfel und Vergeltungszölle

Die unmittelbare Zukunft des transatlantischen Handels ist nun ungewiss. EU-Spitzen bereiten einen Notgipfel in Brüssel vor, um eine umfassende Antwort auf die US-Drohungen zu formulieren. Geprüft werden Vergeltungszölle auf US-Waren im Wert von bis zu 93 Milliarden Euro.

Erstmals diskutiert wird auch der Einsatz des EU-Anti-Erpressungs-Instruments (ACI). Dieses als „Handelsbazooka“ bekannte Verteidigungswerkzeug würde der Union ermöglichen, umfassende Beschränkungen gegen US-Waren, Dienstleistungen, Investitionen und geistige Eigentumsrechte zu verhängen.

„Es wird keinen Kompromiss geben, solange die Drohungen im Raum stehen“, stellt INTA-Chef Lange klar. Ob der Konfrontationskurs fortgesetzt wird, hängt nun allein davon ab, ob Washington sein Zoll-Ultimatum zurücknimmt. Der Weg zur Partnerschaft ist vorerst durch Konfrontation ersetzt.

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