EU startet weltweit strengste Spielzeug-Sicherheitsreform
03.01.2026 - 03:01:12Die neue EU-Spielzeugverordnung verbietet ewige Chemikalien und führt digitale Produktpässe ein. Hersteller haben bis 2030 Zeit für die Umsetzung der umfassenden Sicherheitsanforderungen.
Ab sofort gelten in der EU die schärfsten Chemikalien-Grenzwerte für Spielzeug weltweit. Die neue Spielzeug-Sicherheitsverordnung trat am 1. Januar 2026 in Kraft und revolutioniert mit digitalen Produktpässen und umfassenden Verboten den gesamten Markt.
Historischer Schritt gegen „ewige Chemikalien“
Der Kern der Verordnung (EU) 2025/2509 ist ein beispielloser Schlag gegen gesundheitsgefährdende Substanzen. Erstmals verbietet die EU pausalt alle per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS) – sogenannte „ewige Chemikalien“, die sich in Umwelt und Körper anreichern. Das Verbot erstreckt sich auch auf Bisphenole und andere hormonell wirksame Stoffe, die die Entwicklung von Kindern beeinträchtigen können.
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QR-Code wird zur Pflicht: Der digitale Produktpass
Die größte praktische Neuerung ist der digitale Produktpass (DPP). Er ersetzt die bisherige schriftliche Konformitätserklärung durch einen maschinenlesbaren Datensatz, abrufbar über einen QR-Code auf Produkt oder Verpackung. Behörden können sofort prüfen, ob Sicherheitsbewertung, chemische Zusammensetzung und Lieferkette den Vorgaben entsprechen.
Besonders Online-Marktplätze sind betroffen: Sie müssen künftig vor der Listung eines Spielzeugs den gültigen Produktpass verifizieren. Diese Regelung schließt eine gefährliche Lücke, über die Direktimporte bisher oft ungeprüft in Umlauf kamen. Testinstitute wie Intertek warnen vor erheblichem Anpassungsdruck für Händler.
Cybersicherheit und psychische Gesundheit im Fokus
Die Verordnung definiert Sicherheit neu: „Vernetztes Spielzeug“ mit künstlicher Intelligenz oder Internetanbindung muss nun auch auf Cybersicherheit und psychische Unbedenklichkeit geprüft werden. Hersteller müssen Risiken für die kognitive Entwicklung und Suchtpotenzial bewerten.
Damit setzt die EU globale Maßstäbe: Sicherheit umfasst nicht mehr nur physische Unversehrtheit, sondern auch den Schutz vor Datenmissbrauch und psychischen Beeinträchtigungen. Smart Toys dürfen keine exzessiven persönlichen Daten sammeln oder Kinder Cyberbedrohungen aussetzen.
Industrie vor Mammutaufgabe bis 2030
Obwohl die Verordnung bereits gilt, haben Hersteller eine Übergangsfrist bis zum 1. August 2030. Der Deutsche Verband der Spielwarenindustrie (DVSI) zeigt sich zwar kooperativ, warnt aber vor enormen logistischen Herausforderungen. Das PFAS-Verbot allein erfordert die Neuformulierung ganzer Materialklassen, besonders bei Outdoor-Spielzeug und langlebigen Kunststoffen.
Die Compliance-Kosten werden voraussichtlich steigen – Marktbeobachter rechnen mit einer Konsolidierungswelle, da kleinere Anbieter den datentechnischen Aufwand kaum stemmen können. Der Handel wird schon vor 2030 auf konforme Ware drängen, um Lagerbestände nicht zu gefährden.
Die nächsten Schritte: Technische Details folgen
Jetzt liegt der Ball bei der EU-Kommission: In den kommenden 12 bis 24 Monaten muss sie die technischen Spezifikationen für die digitalen Pässe festlegen. Dabei geht es um Interoperabilitätsstandards für QR-Codes und zentrale Registriersysteme.
Die Uhr tickt für Importeure und Händler. Die vierjährige Übergangsfrist ist knapp bemessen für die notwendige Säuberung der Lieferketten und Digitalisierung der Compliance-Daten. Europa setzt damit einen globalen Benchmark – doch die Umsetzung wird zum Kraftakt für die gesamte Branche.


